Der Jüngste unter den Besten

Wie viele Tennistalente träumt der 14-jährige Dominic ­Stricker aus Grosshöchstetten von einer Karriere als Profispieler. Der mehrfache Schweizer Nachwuchsmeister spielt oft im ­Ausland – und schaut sich einiges von einem Schweizer Ski-Weltmeister ab.

Dominic Stricker kann mit der Vorhand extrem beschleunigen.

Dominic Stricker kann mit der Vorhand extrem beschleunigen.

(Bild: Andreas Blatter)

Die 150 besten Schweizer Tennisspieler gehören zur N-Klasse. Diese national rangierten Akteure heben sich von den regionalen ab. Dominic Stricker steht an Position 126, was an und für sich nichts Aussergewöhnliches ist. Aber: Mit 14 Jahren und 10 Monaten ist der Grosshöchstetter der jüngste aller N-Spieler. Seit geraumer Zeit gehört er zu den grössten Talenten im Land; er hat nationale Meistertitel im Einzel und im Doppel geholt, mit der Schweiz an der Team-Europameisterschaft Silber gewonnen. Und er hält entschieden fest: «Mein Weg ist noch lange nicht zu Ende. Ich will Profi werden.»

Grand-Slams als Ziel

Nun, diesen Traum verfolgen Zig­tausende junge Athleten, kaum einer aber schafft es tatsächlich. Und kaum einer weiss dies besser als Jürgen Strehlau. 75-jährig ist der Deutsche, er betreut Stricker als Privatcoach. Seit Jahrzehnten lebt Strehlau in der Schweiz, bei ihm haben schon die Profispielerinnen Andrea Petkovic und Yanina Wickmayer (beide einst in den Top 20 der Weltrangliste) trainiert. Sein Schützling habe viel Luft nach oben, meint er, «Dominic muss überzeugter von sich werden, mit breiter Brust agieren. Er redet mir noch zu oft den Gegner stark, verhält sich typisch schweizerisch.»

Vom Potenzial des Linkshänders, der die Bälle vor allem mit der Vorhand erstaunlich beschleunigen kann, ist der Fachmann aber überzeugt. Daher wird nichts dem Zufall überlassen. In der Sekundarschule muss Stricker nur die Hauptfächer besuchen; täglich absolviert er Tennis- und Konditionseinheiten. An drei Tagen pro Wochen trainiert er im Leistungszentrum von Swiss Tennis in Biel, im physischen Bereich wird er unter anderen von Beni Linder geschult, der sich auch um Timea Bacsinszky kümmert.

Er müsse seine Ausdauer verbessern, sagt der Achtklässler, welcher Ende Juni ins nationale B-Kader aufgestiegen ist. Wenngleich er erst 14 ist, spielt Stricker viele Turniere bei den Erwachsenen, gehört dem NLC-Interclub von Sporting Bern an. Zudem bestreitet er im In- und Ausland internationale U-18-Veranstaltungen, zuletzt auf Malta, in Slowenien und in Deutschland. Ziel ist es, sich in der Juniorenweltrangliste kontinuierlich zu verbessern, mittelfristig an den Nachwuchs-Grand-Slam-Turnieren teilnehmen zu können.

Aerni als Inspiration

Es wird gewiss ein ereignisreicher Sommer für Dominic Stricker. Nach den nationalen Nachwuchstitelkämpfen Mitte Juli in Bellinzona, an denen ein Medaillengewinn laut Coach Strehlau «das Minimum» ist, stehen mehrere internationale Turniere auf dem Programm. Von Swiss Tennis hat der Berner ein Aufgebot für die Einzel-Europameisterschaft in Moskau erhalten – die Titelkämpfe sind zweifelsfrei der Saisonhöhepunkt.

Neben der Reiserei haben vor allem die Trainingskosten ihren Preis, die Familie Stricker operiert jährlich mit einem hohen fünfstelligen Budget, einen Teil davon decken Sponsoren und Freunde. «Es liegt an mir, weiter auf mich aufmerksam zu machen», sagt Stricker, der früher im mentalen Bereich mit der einstigen Snowboardweltmeisterin Fränzi Mägert-Kohli zusammenarbeitete.

Apropos Weltmeister: Im Kraftraum trifft das Talent oft auf Luca Aerni; der Gewinner von Kombinationsgold an der WM in St. Moritz stammt ebenfalls aus Grosshöchstetten. «Es ist beeindruckend, wie gezielt er trainiert», sagt Stricker, der gelegentlich einen Tipp vom Skifahrer erhält. Und: «Aerni ist für mich eine richtige Inspiration.»

Berner Zeitung

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