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«Dem Besten aller Zeiten darf man solche Chancen nicht geben»

Tennys Sandgren hatte Roger Federer am Rand der Niederlage. Nach dem Spiel sucht er keine Ausreden.

Roger Federer schafft in Melbourne eines der wohl verrücktesten Comebacks seiner Karriere.(Video: Tennis Australia via AP)

Irgendwann kommt der Satz. Der, der dieses Spiel vielleicht am besten zusammenfasst, so simpel wie treffend: «Tennis ist ein verrückter Sport.» Tennys Sandgren spricht ihn aus, er ist beim Australian Open gerade ausgeschieden. Nachdem er seinen Gegner eigentlich im Griff hatte, nachdem dieser sich pflegen lassen musste, nachdem ein Ballmädchen in ihn rannte, nachdem er sieben Matchbälle vergab. Dieses Spiel schrieb so einige Geschichten.

Müde sei er, sagt Sandgren an der Pressekonferenz nach dem Fünfsätzer, «emotional, physisch – einfach müde». Der 28-jährige US-Amerikaner spielte erstmals in seinem Leben gegen Roger Federer, er hatte den Sieg in der Hand, verlor aber 3:6, 6:2, 6:2, 6:7, 3:6. Nach Ausreden sucht er nicht. Klar, der Zusammenstoss mit dem Ballmädchen habe geschmerzt, «aber Unfälle passieren, das war keine grosse Sache». Und auf die Behandlungspause Federers angesprochen sagt er nichts ausser: «Er hatte wohl Schmerzen.»

Sandgren spielte vor allem im zweiten und dritten Satz unbeeindruckt, Federer umso schlechter. Jim Courier fasste es im Platzinterview direkt nach dem Spiel so zusammen: «Sie waren 0:3 zurück, hatten eine medizinische Behandlung, der Speed der Aufschläge war tief, die Bewegungen nicht wie gewohnt.» All das schien Sandgren erst auszunützen, doch gegen Ende des vierten Satzes begann er, Fehler zu machen: Fehler, die ihm während den drei Sätzen davor nie unterlaufen waren.

«Sein Level erhöhte sich, als meines sank», resümiert der Verlierer. «Man darf einem guten Spieler, vielleicht dem besten aller Zeiten, nicht so viele Chancen geben, um zurückzukommen», sagt er. Spieler wie Federer würden dann zu ihrem Spiel finden und anfangen, gut zu spielen.

«Wäre es umgekehrt gewesen, wäre ich angepisst»

Sandgren bedauert, dass er seine Rückhand nicht mehr so ausspielen konnte, wie er es eigentlich vorhatte. «Ich spielte den ganzen Tag eine gute Rückhand», sagt er, «vielleicht hätte ich daraus mehr machen können». Von seinen sieben Matchbällen, das erwähnt Sandgren noch, hatte er sechs bei Aufschlag Federers. «Wäre es umgekehrt gewesen, wäre ich angepisst», sagt er, und findet das Lachen dann doch noch. Bei diesem einen bei eigenem Service sei ihm ein guter Aufschlag gelungen, findet er, «aber er antwortete mit einer guten Vorhand, was eigentlich auch nicht überraschend ist.»

Sandgren stand in seiner Karriere noch nie in einem Halbfinal eines Grand Slams, sein bestes Resultat ist der Viertelfinaleinzug, der gelang ihm auch schon 2018 in Melbourne. Und doch wird er, so sagt er es selbst, in einigen Tagen zurückschauen und mit seiner Leistung in Melbourne zufrieden sein. Mit den beiden Italienern Matteo Berrettini (ATP 8) und Fabio Fogini (12) und Landsmann Sam Querrey (45) schlug er auf dem Weg zum Duell mit Federer gleich drei Spieler, die um einige Positionen besser klassiert sind als er selbst. Sandgren liegt momentan auf Platz 100 der Weltrangliste.

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