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Das Verschwinden der BTM

In diesem Jahr gibt es erstmals seit langem keine Berner Tennismeisterschaften (BTM). Das Interesse daran hat zuletzt sowohl auf Verbands- als auch auf Clubebene abgenommen.

Peter Heller, der Präsident von Bern Tennis.
Peter Heller, der Präsident von Bern Tennis.
Daniel Christen

7699. So viele Spielerinnen und Spieler sind in diesem Jahr beim Regionalverband Bern Tennis gemeldet. Seit Jahrzehnten werden irgendwann in den Sommermonaten die besten von ihnen gesucht, die Berner Meister erkoren. Doch heuer ist das anders, heuer gibt es erstmals seit Jahren keine BTM, da sich keiner der Clubs bereit erklärte, den Wettkampf zu organisieren.

Peter Heller sitzt im Clubhaus des TC Burgdorf und schwelgt in Erinnerungen. Er erzählt, wie der ehemalige Davis-Cup-Spieler Thedy Stalder auf der Anlage von Sporting im Kirchenfeldquartier Berner Meister wurde, wie damals, in den 1960er-Jahren, der Final vor vielen Zuschauern über Best-of-Five ausgetragen und sogar Resultattafeln und Ballboys eingesetzt wurden.

Heller war einer von ihnen, die Berner Tennismeisterschaften wurden so früh ein fester Bestandteil seines Lebens. «Wer Berner Meister wurde, hatte damals ziemlich hohes Ansehen.» 2018 muss der Präsident von Bern Tennis feststellen: «Heute haben die BTM leider nicht mehr denselben Stellenwert.»

Burgdorfer Vorbote

Letztes Jahr fand das Turnier zum 83. Mal statt, Austragungsort war Burgdorf, gespielt wurde im September. Die Emmentaler hatten sich kurzfristig bereit erklärt, eine BTM durchzuführen, da sie als Organisatoren des Interclub-Finaltags bereits Erfahrung im Durchführen von grösseren Turnieren haben. Die BTM verliefen zufriedenstellend, obwohl ein Grossteil der Spieler aus der Stadt dem Anlass fernblieb.

«Der Weg von Bern nach Burgdorf ist wohl weiter als umgekehrt», sagt der damalige OK-Präsident Daniel Sollberger, der am Ende dank des Restaurantbetriebs trotzdem einen kleinen Gewinn für den TCB verbuchen konnte. Dennoch waren Ort, Zeitpunkt und Teilnehmerfeld der letztjährigen Austragung ein Vorbote dessen, was in diesem Jahr nun eintraf, nämlich, dass das traditionsreiche Turnier nicht nur aus Bern, sondern ganz von der Bildfläche verschwindet.

Schwierige Sponsorensuche

Doch wie ist das passiert? Heller hat schon oft über diese Frage sinniert. Vielleicht sei es einfach der Zeitgeist, vielleicht hätten Tennisspieler heute einfach zu viele Alternativen. «Aber vielleicht bin ich auch einfach altmodisch mit der Idee, dass es noch eine BTM geben sollte.»

Der TC Dählhölzli hat in den letzten zehn Jahren dreimal eine BTM organisiert. Das sei immer eine gute Sache gewesen, sagt Präsident Luc Estermann, und die Resonanz in den Clubs sei stets mehrheitlich positiv gewesen, wenn es darum ging, ob ein solches Turnier noch durchgeführt werden sollte. Allerdings habe die Unterstützung des Verbandes bei jeder Austragung insofern abgenommen, als dass die Sponsorenbeiträge deutlich weniger wurden.

Erhielten die Organisatoren 2008 noch einen Unterstützungsbeitrag von 45'000 Franken, waren es zwei Jahre später noch 30'000. Wiederum drei Jahre später erhielt der TC Dählhölzli von Bern Tennis noch 10'000 Franken. Und die Organisatoren im letzten Jahr in Burgdorf wurden noch mit 3000 Franken unterstützt.

Es sei in den letzten Jahren ­immer schwieriger geworden, Sponsoren zu finden, sagt Heller, und leider seien viele Clubs nicht mehr bereit, sich zu engagieren, wenn es finanziell nicht rentiere. «Dass es dieses Jahr keine BTM gibt, ist extrem schade», findet Estermann. «Aber wir können das nicht zum Nulltarif machen.» Es ist ein Konflikt zwischen Geld und Tradition, Verband und Clubs, und auch zwischen Stadt und Land. Denn für Estermann ist klar: «Eine BTM gehört in die Stadt.»

Zustupf für den Nachwuchs

Mit der Entscheidung, in diesem Jahr keine BTM durchzuführen, wolle der Verband bewusst provozieren, sagt Heller. Wenn sich Spieler und Clubverantwortliche erkundigten, warum es das Turnier heuer nicht gebe, wolle er sie dazu ermutigen, wieder etwas auf die Beine zu stellen.

Das Geld, das in diesem Jahr für die BTM hätte aufgewendet werden sollen, investiert Bern Tennis in die Nachwuchsförderung. Längerfristig führe das zu einer Win-win-Situation, sagt Heller, denn so würden nicht nur Talente gefördert, sondern von diesen hätten dann vielleicht auch ein paar Lust, wieder eine BTM zu organisieren. «Ich würde mich freuen, wenn es irgendwann wieder ein Berner Tennisfest gibt.»

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