Bencic wie Hingis und Federer

Die St. Gallerin hat am WTA-Final in Shenzhen die Erwartungen längst übertroffen. Vor dem Halbfinal gegen Switolina wirkt sie selbstsicher und nervenstark.

Sie will weiter furchtlos spielen: Belinda Bencic (22). (Bild: VCG/VCG via Getty Images)

Sie will weiter furchtlos spielen: Belinda Bencic (22). (Bild: VCG/VCG via Getty Images)

René Stauffer@staffsky

Viele Konkurrentinnen sind nach der langen Saison angeschlagen, und die Stimmung im spärlich gefüllten, 20'000 Zuschauer fassenden Stadion ist flau. Doch das braucht Belinda Bencic nicht zu kümmern. Ihr fehlen nur zwei Siege zu ihrem grössten Titel und dem fettesten Check der Tennisgeschichte – 4,42 Millionen Dollar. Sie trifft heute (ab 11.30 Uhr im Ticker) auf die Ukrainerin Jelina Switolina (WTA 8), im Final würde am Sonntag Ashleigh Barty (1) oder Karolina Pliskova (2) warten.

Die 25-jährige Switolina, die mit dem französischen Profi Gaël Monfils liiert ist, gewann schon 13 Turniere, aber keines in diesem Jahr. Sie stand in Wimbledon und am US Open in den Halbfinals und knüpft in China an jene Leistungen an, die ihr in Singapur 2018 überraschend diesen Titel gebracht hatten, dank einem Finalsieg gegen Sloane Stephens. Auch dieses Jahr überstand sie die Gruppenphase mit Siegen über Halep, Pliskova und Kenin ungeschlagen.

«Ich werde mich auf mein Spiel fokussieren, locker und aggressiv drauflosspielen und kämpfen, wie immer.»Belinda Bencic

Für Bencic spricht, dass ihr Selbstvertrauen nach dem Turniersieg in Moskau gross ist. «Ich spüre viel Vertrauen, wenn ich unter Druck stehe. Und ich werde versuchen, furchtlos zu spielen, keine Angst vor einer Niederlage zu haben, sondern den Sieg zu suchen», sagte sie nach der Partie gegen Kiki Bertens. Stolz sei sie darauf, wie gut sie seit Moskau ihre Nerven im Griff habe: «Ich war noch nie in meinem Leben so nervös wie dort. Im Vergleich dazu ist das hier viel weniger nervenaufreibend.»

Für die 22-jährige St. Gallerin geht es gegen Switolina darum, ihr Preisgeld um 1,1 Millionen Dollar auf über 2,095 Millionen zu steigern und sich auf Rang 6 zu verbessern, was eine neue Bestmarke wäre. «Sie ist eine der Spielerinnen, denen dieser eher langsame Court hier sehr gut liegt, da sie mehr defensiv spielt», sagt Bencic über die Ukrainerin. «Aber ich werde mich auf mein Spiel fokussieren, locker und aggressiv drauflosspielen und kämpfen, wie immer.» Die letzte Begegnung mit Switolina verlor sie in Toronto klar (4:6, 2:6), die vorletzte gewann sie im Februar in Dubai knapp.

Ein Turnier der Schweizer

Bencic reiht sich mit ihrem starken Debüt ein in die bemerkenswert gute Schweizer Bilanz an Finalturnieren. Schon der Zürcher Jakob Hlasek, der als Erster qualifiziert war, hatte 1988 mit Siegen über Mayotte, Agassi und Lendl die Halbfinals erreicht, wo er an Boris Becker scheiterte (es sollte seine einzige Teilnahme bleiben). Martina Hingis stand beim Debüt 1996 gleich im Final, wo sie im New Yorker Madison Square Garden Steffi Graf unterlag (3:6, 6:4, 0:6, 6:4, 0:6). Hingis, die als Turnierbotschafterin in Shenzhen weilt, qualifizierte sich sechsmal und gewann zweimal den Titel (98/00).

Lange ist es her: 2003 feierte Roger Federer seinen ersten Sieg am Saisonabschlussturnier der Besten. (Bild: Clive Brunskill/Getty Images)

Roger Federer war 2002 erstmals dabei, stand auch gleich im Halbfinal und ist mit 16 Teilnahmen der Rekordmann dieses Turniers; in London will er es übernächste Woche zum 7. Mal gewinnen. Bisher verpasste er die Halbfinals erst einmal – genau wie Stan Wawrinka, der sich viermal qualifizieren konnte. Weniger erfolgreich schnitten Patty Schnyder und Manuela Maleeva-Fragnière ab, die ab 1990 für die Schweiz spielte. Beide gewannen nur eine ihrer fünf Partien. Das hat Bencic schon übertroffen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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