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«Auf diese Art möchte ich nicht weiterspielen»

So enttäuscht und ratlos wie nach der überraschenden Dreisatz-Niederlage gegen Tommy Robredo in den US-Open-Achtelfinals wirkte Roger Federer nur ganz selten in seiner grossen Karriere.

Es war offensichtlich ein schwieriger Tag für Sie. Hat Ihnen der Umstand, dass Sie lange warten und dann den Court wechseln mussten, zusätzliche Probleme bereitet?Nein, so etwas darf kein Problem sein. Ich musste in meiner Karriere schon auf so viele Partien warten. Das ist die letzte Entschuldigung, die ich anbringen würde. Ich hatte zudem auf dem Armstrong trainiert, darauf kann ich es also auch nicht abschieben. Ich war vorbereitet und sogar glücklich über die Verlegung. Ich habe eine grossartige Atmosphäre erwartet und gehofft, dass ich davon profitieren kann, dass die Leute hinter mir stehen. Aber leider habe ich nicht gut genug gespielt, um das Publikum zu begeistern. So etwas passiert manchmal.

Was ging schief? Lag es an der Physis – oder haben Sie den Rhythmus nicht gefunden?Ich habe schlecht begonnen und bin gleich mit einem Break in Rückstand geraten, ehe ich zurückkommen konnte. Ich hatte über den ganzen Match hinweg Mühe, das ist nicht sehr befriedigend, um ehrlich zu sein. Tommy hat den Ball gut im Spiel gehalten und es schwierig gemacht für mich. Ich habe so viele Chancen vergeben. Der Rhythmus war weg. Wenn das passiert, ist es natürlich schwierig.

Hat es mit mangelndem Selbstvertrauen zu tun, dass Sie nicht wie sonst aufspielen konnten? Ja, vielleicht. Das Selbstvertrauen nimmt einem vieles ab. Es regelt all die kleinen Dinge, an die man gewöhnlich nicht denkt. Die letzten drei Monate waren schwierig für mich. Vielleicht bin ich noch nicht wieder konstant genug. Das war wohl einer der Gründe für meine Niederlage.

Waren Sie zu negativ?Nein, es ging auf und ab. Gegen einen Spieler von Robredos Kaliber ist es schwierig, ein hohes Level zu halten.

Wie steht es um Ihren Rücken, hatte er einen Einfluss? Nein. Wirklich nicht.

Was geht Ihnen jetzt durch den Kopf?Ich will Tommys Leistung nicht schmälern, aber ich denke, dass ich mich selbst besiegt habe. Das ist sehr enttäuschend, besonders auf einem schnellen Court. Ich habe es einfach nicht geschafft, den Unterschied zu machen. Es war eine frustrierende Vorstellung von mir.

Sind Sie sehr enttäuscht, dass es nun nicht zu einem Viertelfinal zwischen Ihnen und Rafael Nadal kommt? Darüber bin ich nicht so sehr enttäuscht, es wäre ja ein Viertelfinal gewesen, kein Endspiel. Wenn ich so spiele, schlage ich weder Rafa noch seinen Achtelfinalgegner Kohlschreiber. Daran habe ich nicht gedacht, ich war schon zu oft in dieser Situation. Ich habe in diesem Match mit anderen Dingen gekämpft. Auf dem Level, das ich derzeit habe, kann ich nicht zu weit vorausdenken.

Die Bedingungen schienen langsam. Hatten Sie Gelegenheit, vorher bei Regen zu trainieren?Ich denke nicht, dass der Court langsam war. Der Armstrong ist ein wenig schneller als der Arthur Ashe. Natürlich war es sehr feucht. Das war schon seit ein paar Tagen so, hatte aber für beide die gleichen Folgen. Es war ja nicht nur auf meiner Seite feucht. Tommy gebührt für seine Leistung mein Respekt.

Hatten Sie sich während des Trainings gut gefühlt?Normal. Wissen Sie, auf das Gefühl im Training kommt es mir nicht so sehr an.

Sie sind dafür bekannt, dass Sie die wichtigen Punkte machen. Und nun haben Sie nur zwei von 16 Breakchancen verwertet... Ja, ich habe meine Chancen in diesem Match nicht sehr gut genutzt.

Können Sie etwas zu den Problemen bei den Breakbällen sagen? Und hat Sie Ihre schwache Leistung überrascht? Ich denke, ich habe schon genug erklärt. Ich habe mit der Vorhand gepatzt und dauernd dorthin gespielt, wo er schon stand. Es war eine Kombination von vielen Faktoren. Ich muss auf jeden Fall nun hart arbeiten und stärker zurückkommen. Ich muss diese Niederlage so schnell wie möglich abschütteln. Auf diese Art möchte ich nicht weiterspielen. Ich möchte besser spielen und weiss, dass ich das kann. Ich habe es auch in den letzten paar Wochen gezeigt.

Haben Sie vor, in Ihrem Training etwas zu ändern?Wer weiss... Ich habe darüber noch nicht nachgedacht. Ohne harte Arbeit geht es ganz sicher nicht. Wenn ich mich entschieden habe, was genau ich tue, werde ich daran glauben und alles geben. Als Spieler freut man sich immer auf die Zukunft, auch nach einer solchen Enttäuschung.

Sind die World Tour Finals ein Ziel für Sie? Und würden Sie Ihren Turnierkalender anpassen, um es unter die ersten acht zu schaffen? Daran denke ich nicht wirklich. Ich glaube, ich werde meinen Fahrplan nicht danach richten. Wenn ich gut spiele, werde ich auch gute Resultate haben. Für mich ist vor allem wichtig, dass ich mich besser bewege und besser spiele. Mein Problem liegt momentan beim Trainieren.

Sie haben in der Vergangenheit oft gegen Robredo gespielt. Hat er etwas anders gemacht als sonst?Nein. Er hat nichts Überraschendes getan. Er hat weder Serve-and-Volley gespielt noch Chip-and-Charge. Er ist wie üblich an der Grundlinie geblieben und hat wie immer mit Kick serviert.

Sie sind ein Spieler mit einem so guten Instinkt, und Tennis schien für Sie immer einfach zu sein. Ist es deshalb für Sie jetzt noch schwieriger, wenn Ihnen auf einmal das Timing fehlt?Vielleicht. Aber es war immer ein schmaler Grat, besonders zu Beginn meiner Karriere, als mir die Resultate noch keine Bestätigung gaben. Die Leute fragten sich: «Hat er sich wirklich angestrengt? Ist er mit Leidenschaft dabei?» Dass die Leute geschockt sind, wenn ich schlecht spiele, scheint die Geschichte meines Lebens zu sein. Es gibt aber keinen Zweifel, dass ich alles gebe, damit ich Erfolg haben kann. Manchmal geht es halt einfach nicht.

(Bearbeitung: Alexander Kühn)

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