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Als eine Transsexuelle am US Open aufschlug

Redaktion Tamedia lässt während des US Open täglich eine denkwürdige Partie des letzten Majors der Saison Revue passieren. Heute: Die bemerkenswerte Wandlung eines Augenarztes.

1977 kam es in New York in der ersten Runde zum Duell zwischen der amtierenden Wimbledonsiegerin Virginia Wade und einer gewissen Renée Richards. Das Bemerkenswerte daran: Richards hiess in ihrem ersten Leben Richard Raskin, war als Augenarzt in Manhattan tätig und nahm als ambitionierter Tennisamateur zwischen 1953 und 1960 fünfmal am Männerturnier des US Open teil. 1975 unterzog er sich einer Geschlechtsumwandlung und wollte ein Jahr später – inzwischen eine Frau – erstmals am Damenturnier des Nordamerika-Grand-Slams teilnehmen. Dies scheiterte aber am Widerstand jener Spielerinnen, die behaupteten, Richards habe ihnen gegenüber einen unfairen körperlichen Vorteil.

Die verstossene Transsexuelle rief daraufhin ein Gericht an und erstritt sich das Recht, im folgenden Jahr zum Turnier anzutreten. Gegen Wade verlor Richards dann zwar ihre Premiere, es folgte jedoch eine erfolgreiche zweite Karriere, die sie unter die Top 20 der Weltrangliste führte. Stets begleitet vom Vorwurf, sie habe sich nur in eine Frau verwandeln lassen, um sportliche Erfolge zu feiern. Richards bestritt dies vehement, mit dem Hinweis, dass sie als Arzt sehr gut verdient habe, als Tennisspielerin dagegen hart um ihr Geld kämpfen müsse. Ihre grössten Erfolge feierte sie im Doppel, wo sie 1977 an der Seite von Betty Ann Stuart erst im Final gegen Martina Navratilova und Betty Stöve den Kürzeren zog.

Auch nach ihrem Rückzug aus dem Profizirkus, den sie 1981 im Alter von 47 Jahren vollzog, blieb Renée Richards dem Tennis treu – unter anderem als Trainerin der 18-fachen Major-Siegerin Navratilova, mit der sie zwei Wimbledontitel feiern konnte. 1986 erschien ihre Autobiografie mit dem Titel «Second Serve». Diese wurde mit Vanessa Redgrave in der Hauptrolle verfilmt und trug der Schauspielerin Nominationen für Emmy und Golden Globe ein.

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