Sex sells, auch im Tennis

Im Bikini am Strand und dann auf Facebook gepostet? Bacsinszky über Äusserlichkeiten und das spezielle Comeback von Maria Scharapowa.

Maria Scharapowa versteht es meisterhaft, sich in Szene zu setzen: Die Russin zeigt Rücken am Australian Open 2015. Foto: Filip Singer (Keystone)

Maria Scharapowa versteht es meisterhaft, sich in Szene zu setzen: Die Russin zeigt Rücken am Australian Open 2015. Foto: Filip Singer (Keystone)

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Es gibt kein Entrinnen: Irgendwann werden sie in Indian Wells alle befragt haben, wie sie zum bevorstehenden Comeback Maria Scharapowas stehen – und vor ­allem zur Tatsache, dass sie dabei viele Wildcards erhält. Eine Mehrheit kritisiert mehr oder weniger scharf, dass der nach ihrer 15-monatigen Dopingsperre aus der Weltrangliste gefallenen Russin die Rückkehr damit massiv erleichtert wird – auf Kosten anderer, die sonst diese Einladungen erhalten hätten.

In die Kritik gebracht hat Scharapowa auch, dass die frühere Nummer 1 noch gesperrt ist, wenn ihr Comeback-Turnier in Stuttgart beginnt. Gemäss ihrem Management verbietet es aber keine Regel, am ersten Tag nach einer Sperre – bei ihr also am 26. April, einem Mittwoch – auf der WTA-Tour anzutreten.

Als auch Timea Bacsinszky zum Thema befragt wird, weist sie auf einen speziellen Aspekt der Russin hin: «Scharapowa bringt uns auch viel. Auch dank ihr ist Tennis der bestbezahlte Sport der Frauen», so die Lausannerin. «Leute wie sie, Bouchard, Serena (Williams), Wozniacki oder früher Ivanovic bringen ­Publikum und Sponsoren.»

Für Geld und Aufmerksamkeit – wenn sich Sportstars freizügig zeigen:

Bacsinszky macht keinen Hehl ­daraus: Sex sells, Erotik hilft auch dem Frauentennis. Persönlich gefalle ihr dieser Mechanismus zwar nicht, betont sie. «Ich finde es herabsetzend, dass es mehr um diese Seite geht, dass wir das Tennis ­immer mehr durch unsere Körper ­verkaufen müssen und weniger durch die Qualität des Spiels. Aber die Welt ist eben so.»

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Bacsinszky glaubt aber, zu wissen, dass dies bei ihr nicht der Fall sei: «Die Leute kommen nicht wegen meines ­Gesichts oder meines Hinterns zu meinen Spielen. Sondern vielleicht, weil sie mögen, wie ich bin. Das ist gut, das ist meine Linie. Aber ich werde nie vulgäre Bilder veröffentlichen. Das passt nicht zu mir, und dieser Linie bleibe ich treu.» Sie sei auch nicht auf diese Art auf Komplimente oder Sponsorenverträge aus, sondern bevorzuge ihre Integrität.

Dennoch gibt die 27-jährige Lausannerin zu: «Ich bin natürlich auch froh, dass die anderen dafür sorgen, dass wir mehr Geld verdienen. Dazu sage ich nicht Nein.» Dass andere Spielerinnen Magazine und soziale Netze mit freizügigen Bildern bedienen, sei aber deren Angelegenheit, sie mache da einfach nicht mit. Obwohl sie weiss: «Das Publikum will das ja auch – immer mehr.»

Spielt gut Tennis und hat Freude daran, sich in Pose den Fans zu zeigen:

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Scharapowas Comeback sei indessen auch sportlich gut für die WTA-Tour, weil es für mehr Konkurrenz sorge, sagt Bacsinszky. Aber auch sie störe sich daran, dass die Russin an vielen Turnieren (neben Stuttgart auch in Madrid und Rom) Einladungen erhält, wodurch ihr kleinere Turniere oder Qualifikationen erspart bleiben. «Sie war positiv, sie war gesperrt, sie hat ihre Busse abgesessen. Sie sollte jetzt zurückkommen wie alle anderen. Zumindest die Grand-Slam-Turniere sollten ihr keine Wildcards geben, nicht einmal für die Qualifikation.»

Als Roger Federer am Sonntag erneut zum Comeback der Russin und der Wildcard-Thematik befragt wurde, wog er seine Worte genau ab. «Einigen gefällt das, anderen nicht. Aber sie hat ihren Preis bezahlt.» Vielleicht müsste man die Regel überdenken, ob Wildcards nicht auch ein Teil einer Sperre sein könnten oder jedes Turnier sie nach Lust und Laune vergeben könne, schlug er vor: «Das gäbe eine gute Debatte.»

«Scharapowa hat ihren Preis bezahlt.»Roger Federer

Was Bacsinszky betrifft, hat sie selber in den kommenden Monaten zwei klare sportliche Schwerpunkte: den Fed-Cup mit dem Halbfinal in Minsk gegen Weissrussland (22./23. April) und danach die Sandsaison mit dem Höhepunkt in ­Roland Garros. Sie hat sich deshalb gegen einen Start am neuen WTA-Turnier in Biel (10. bis 16. April) entschieden. Jene Woche brauche sie, um sich konditionell auf die kommenden ­Monate vorzubereiten.

Die Nummer 16 leidet seit dem Fed-Cup gegen Frankreich an einer starken Entzündung im linken Handgelenk (weshalb sie ihren Physiotherapeuten in die USA mitnahm). Nachher musste sie ­wegen einer Oberschenkelverletzung in Doha aufgeben und Dubai auslassen, schliesslich wurde sie auch noch krank. In Indian Wells trifft sie nach dem Marathon gegen Kiki Bertens im Achtelfinal auf Karolina Pliskova (WTA 3).

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.03.2017, 06:32 Uhr

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