«Ohne Hilfe der Familie wäre es unmöglich»

Die 32-jährige Luxemburgerin Mandy Minella, einst die Nummer 66 der Welt, kombiniert Profitennis mit dem Muttersein.

Mutter und Tennisprofi: Mandy Minella kehrte nach der Geburt ihrer Tochter auf die WTA-Tour zurück.

Mutter und Tennisprofi: Mandy Minella kehrte nach der Geburt ihrer Tochter auf die WTA-Tour zurück.

(Bild: Keystone)

Sollten Ihrer Meinung nach ­zurückkehrende Mütter gesetzt werden?Mandy Minella:Ich finde nicht, denn sonst nehmen sie jenen einen Platz weg, die das ganze Jahr für diese Position gekämpft haben. Zudem soll die Setzung die aktuelle Form widerspiegeln, und die kann man nicht einschätzen. Es kann sein, dass jemand während der neunmonatigen Schwangerschaft die Physis komplett eingebüsst hat. Wenn man die Mütter unterstützen will, muss man mehr Turnierteilnahmen mit geschütztem Ranking ermöglichen. Denn acht Turniere sind nicht genug; damit kommt man leistungsmässig nicht wieder dorthin, wo man einmal war.

Sie selber haben bereits rund vier Monate nach der Geburt Ihrer Tochter Emma wieder ins Wettkampfgeschehen eingegriffen. Warum?Ich entschied mich so, weil ich noch ein paar Weltranglistenpunkte auf dem Konto hatte. So konnte ich an ITF-Turnieren teilnehmen, obwohl ich noch nicht in Form war, ein paar Punkte sammeln und verhindern, selbst an 15 000-Dollar-Events die Qualifikation bestreiten zu müssen. Denn wenn man bei null anfangen muss, ist der Weg zurück auf die WTA-Tour ein sehr, sehr langer.

Sie haben also das geschützte Ranking erst später eingesetzt?Genau. Es ergibt keinen Sinn, es gleich am Anfang zu verwenden. Die Gegnerinnen sind Profis, da benötigt man Matchpraxis und muss fit sein, damit man bestehen kann. Und richtig in Form ist man kurz nach einer Schwangerschaft einfach nicht.

Was ist das Schwierigste, wenn man nach einer Schwangerschaft in den Profisport zurückkehrt?Nicht den Mut zu verlieren am Anfang. Denn man fühlt sich, ich muss es so sagen, beschissen, wenn man wieder mit dem Training beginnt. Man muss jeden Tag hart arbeiten und nach vorne schauen. Tennis und Fitness kommen zurück, wenn man daran glaubt und hart arbeitet. Es gilt hartnäckig zu bleiben, dann schafft man das Comeback.

Ihre Tochter ist neun Monate alt. Sind Sie schon wieder bei 100 Prozent?Ich bin bald bei 100 Prozent, und dann vielleicht sogar noch besser (lacht).

«Emma ist immer dabei. Ich könnte nicht spielen ohne sie. Sie gibt mir Kraft.»Mandy Minella

Wie managen Sie den Alltag an einem Turnier?Es hilft, dass mein Mann auch mein Coach ist. Ohne Hilfe der Familie wäre es derzeit unmöglich, Profitennis zu spielen. Hier in Gstaad ist meine Mama dabei. Sie wartet im Hotel auf mich, so kann die Kleine ihren Mittagschlaf machen. Emma ist immer dabei; ich könnte nicht spielen ohne sie. Sie gibt mir Kraft.

Wie kombinieren Sie das Muttersein mit dem Training?Wenn ich nicht beruflich engagiert bin, widme ich mich ausschliesslich meiner Tochter. Ich mache alles, was eine normale Mama macht. Ich spiele mit ihr, ich gebe ihr so viel Liebe, wie es nur geht, ich versuche, ihr eine Routine zu geben. Es geht nur um ihr Wohl. Wenn bei ihr etwas nicht in Ordnung ist, hat Tennis definitiv nur zweite Priorität.

Wirkt sich das Muttersein manchmal negativ aufs Tennis aus?Das gibt es, ist mir aber egal. Vor dem zweiten Spiel hier hatte ich eine schlechte Nacht, war um 3 Uhr noch wach. Und dann um 6 Uhr wachte die Kleine auf, dann war es halt nichts mehr mit Schlafen. Doch wenn ich wegen meiner Tochter müde bin, ist es halt so.

Wird auf der WTA-Tour genug für die Mütter gemacht?Eigentlich gar nichts. An den Grand-Slam-Turnieren gibt es Kindertagesstätten, aber sonst? Vielleicht einen Kindersitz beim Fahrdienst.

Wünschten Sie sich mehr ­Unterstützung?Was hilft, ist, wenn man im Hotel ein grösseres Zimmer bekommt, idealerweise mit einem Wohnraum. Dann kann zum Beispiel der Mann mal mit dem Kind rausgehen, wenn es in der Nacht aufwacht. Toll ist auch, wenn man in Gehdistanz zur Tennisanlage untergebracht ist. Denn immer mit dem Auto zu fahren, ist kompliziert. Solche Kleinigkeiten können uns Müttern das Leben erleichtern.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt