Federer und das liebe Geld

Kommentar

Roger Federer hat in Basel nicht nur den Titel verspielt, sondern auch einen Imageschaden erlitten. Der Vertragspoker mit Roger Brennwald schadet seinem Ruf.

Auf Nimmerwiedersehen? Roger Federer beim Abgang aus der St.-Jakobs-Halle nach dem verlorenen Final gegen Juan Martin Del Potro.

Auf Nimmerwiedersehen? Roger Federer beim Abgang aus der St.-Jakobs-Halle nach dem verlorenen Final gegen Juan Martin Del Potro.

(Bild: Keystone)

Sebastian Rieder@RiederSebastian

Wie tickt dieser Mann, der nach jedem Match seine Rolex für die Kameras ums Handgelenk schnallt, der mit einem Nike-Shirt zu Bett geht, der sich morgens nach der Gillette-Rasur einen Espresso aus der Jura-Maschine gönnt und mit dem Mercedes zur Credit Suisse fährt, um sich dann über Anlagemöglichkeiten für seine Preisgelder zu informieren?

Roger Federer ist nicht nur ein gnadenlos guter Tennisspieler, er ist offenbar auch ein unerbittlicher Geschäftsmann. Während der Swiss Indoors wurde bekannt, dass Federer seine Antrittsgage in Basel von rund einer halben Million Franken in Zukunft verdoppelt haben will. Im Zentrum der Verhandlungen steht Manager Tony Godsick, der die finanziellen Geschicke des Tennisstars lenkt. Doch der Name Godsick ist dabei nur der Puffer zwischen zwei Parteien, die ihre Freundschaft – sofern noch vorhanden – nicht weiter strapazieren wollen.

Erstaunlich ist, dass die Gespräche um den neuen Vertrag seit über drei Monaten auf Eis liegen. Entsprechend frostig war das Verhältnis zwischen Roger Federer und Turnierdirektor Roger Brennwald, der sich am Sonntag während der Siegeszeremonie auf dem Centre Court die allergrösste Mühe gab, den Zwist zwischen Roger und Roger zu verbergen. Es gelang ihm nur bedingt.

Gleiches gilt für Federer, dem die Begegnung mit Brennwald nach der Niederlage gegen Del Potro sichtlich unangenehm war. Trotzdem liess es sich der Lokalmatador nicht nehmen, das Publikum in der St.-Jakobs-Halle mit folgenden Worten zu verabschieden: «Hoffentlich bis nächstes Jahr.» Eigentlich keine bemerkenswerte Zeile, aber im Fall von Federer verbirgt sich hinter dem Satz auch eine Botschaft.

Federer stellt sich in der Öffentlichkeit so dar, als hätte er auf seine Teilnahme an den Swiss Indoors 2013 keinen Einfluss. «Ich habe das Gefühl, es liegt mehr an ihm als an mir. Ich habe dem Turnier schon genug geholfen. Mehr kann ich nicht machen», liess sich Federer zwei Tage zuvor zitieren und machte Brennwald für die zähen Verhandlungen verantwortlich.

Die Reibungen zwischen Roger und Roger zeigen ein neues, befremdliches Bild von Federer und werfen Fragen auf. Warum kann der Baselbieter seinem Heimturnier nicht entgegenkommen? Finanziell sind die Swiss Indoors nicht auf Rosen gebettet – und ohne Federer scheint der Ruin sicher. Dabei betont der wohl beste Tennisspieler aller Zeiten stets, wie wichtig ihm die Auftritte in der Schweiz sind. Doch das liebe Geld scheint für Federer eine grössere Bedeutung zu haben, als viele bisher angenommen haben.

Federers peinlicher Poker mit Brennwald hat den Maestro schon mehr gekostet, als ihm wohl lieb ist. Auch den treusten Fans ist eines klar geworden: Auf dem Platz spielt der 17-fache Major-Champion vielleicht oft wie von einem anderen Stern, neben dem Platz ist er irdischer, als wir wahrhaben wollen. Ein wenig unvollkommen und ganz menschlich.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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