«Federer ist in einer anderen Dimension»

Dominique Gisin reflektiert nach der Wahl zur Sportlerin des Jahres den Auftritt mit Roger Federer, die Beziehung zu Tina Maze und den schwachen Saisonstart.

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Sebastian Rieder@RiederSebastian

Von der Showbühne direkt in den Schnee, wie leicht fällt Ihnen die Umstellung?
Ganz leicht, der Schnee ist mein Element, dort fühle ich mich wohl. Nach der Sportlerwahl hiess es wieder «back to business». Aber es war natürlich eine Riesenehre, dabei zu sein, so voll während der Saison ist das natürlich nicht selbstverständlich.

Wie gut schläft man als Sportlerin des Jahres?
Sehr gut, danke. Aber eigentlich ist es nicht viel anders als vorher. Es war einfach ein megaschöner Anlass mit vielen Emotionen. Vor allem das Treffen mit Roger Federer hat mich besonders berührt.

Haben Sie von Federer geträumt?
Nein, nein, geträumt nicht. Aber ich war während der Gala der grösste Groupie unter den Sportlern. Ich musste unbedingt ein Bild mit ihm machen. Er hat mir fast ein bisschen leidgetan bei dem grossen Rummel um seine Person. Ich war eine der Ersten, die für ein Foto mit ihm angestanden sind. Ich schaue ja fast alle Spiele von ihm, vor allem im Sommer, und beim Davis-Cup-Final habe ich auch voll mitgefiebert.

Der Davis-Cup hat seine Wahl stark begünstigt. Hat es Sie überrascht, dass er sich gegen Doppel-Olympiasieger Dario Cologna durchsetzen konnte?
Es ist eine emotionale Wahl, und ich glaube, Federer würde die Wahl immer wieder gewinnen. Und die Szene mit Gianna Nannini sagt doch alles. Wenn ein Weltstar wie sie, sich nach ihrem Auftritt nach einer Umarmung sehnt. Klar hat Cologna in Sotschi eine unglaubliche Leistung gezeigt, aber Federer ist in einer anderen Dimension.

Dass Sie Sportlerin des Jahres werden, war aber logisch.
Nein, damit habe ich echt nicht gerechnet. Es war unglaublich schön und bewegend. Nach dem Olympiasieg von Sotschi war dieser Anlass einfach noch das i-Tüpfeli.

Etwas spitz formuliert, war es eine Art Auszeichnung für Ihr Lebenswerk.
Ja, das trifft es ganz gut. Es war eine Kumulation meiner bisherigen Karriere. Mit allen Hochs und Tiefs, den vielen Verletzungen, dieser langen Leidenszeit. Ja, ich denke, dieser verrückte Weg wurde jetzt gewürdigt. Ich bin den Leuten sehr dankbar für die Anerkennung.

Hat die Trophäe einen besonderen Platz gefunden?
Bis jetzt noch nicht. Sie ist immer noch im Auto, ich hatte echt noch keine Zeit. Wir haben am Montag schon in Veysonnaz trainiert, am Mittwoch gings gleich weiter nach Val-d'Isère.

Sie fahren diese Saison unter den Erwartungen, Rang 13 als bisher bestes Saisonergebnis. Beschäftigt Sie das, oder schieben Sie es beiseite?
Es ist mein Job rauszufinden, was los ist. Ich muss mich fragen, was ich machen kann, damit es wieder besser läuft. Die Resultate waren enttäuschend, aber ich arbeite daran. Ich muss noch an einigen Finessen feilen. Ich habe ein gutes Gefühl. Es braucht eine gewisse Lockerheit, mit der Brechstange geht es nicht.

Haben Sie nach dem Olympiasieg zu hohe Erwartungen an sich?
Ich weiss, was ich kann. Die Erwartungen auf diese Saison hin sind nicht wegen der Goldmedaille von Sotschi grösser, sondern weil ich im Sommer gut trainiert habe und starke Resultate erzielt habe. Von aussen spüre ich keinen Druck, die Zuschauer sehen das realistisch. Ich hatte ja auch in der Olympiasaison einige Hochs und Tiefs.

Den Olympiasieg teilen Sie mit Tina Maze, die in der Abfahrt von Sotschi zeitgleich ins Ziel kam. Verbindet dieses Ereignis?
Wir waren schon immer gut befreundet, aber dieser Zufall hat uns noch näher zusammengebracht. Für mich ist sie die beste Skifahrerin überhaupt. Ich habe grossen Respekt vor ihr.

Weihnachten steht vor der Tür. Was muss passieren, damit Sie von Val-d'Isère mit einem guten Gefühl nach Hause reisen?
Ein Platz unter den Top 10 würde mir guttun, das wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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