Der Spender des Silbertopfs

Dwight Filley Davis, der US-Kriegsminister in den 20er-Jahren war, initiierte den Davis-Cup.

Hätte er die Wichtigkeit des Davis-Cups erahnt, hätte er die Trophäe in Silber in Gold fertigen lassen. Dwight Filley Davis, der Initiator des Davis-Cups. Foto: PD

Hätte er die Wichtigkeit des Davis-Cups erahnt, hätte er die Trophäe in Silber in Gold fertigen lassen. Dwight Filley Davis, der Initiator des Davis-Cups. Foto: PD

Thomas Widmer@ThomasWidmer1

1932 besucht Dwight Filley Davis mit dem US-Botschafter in Paris eine Sitzung der französischen Abgeordnetenkammer. Man platziert ihn hinter einem Pfeiler. Der Botschafter beschwert sich bei den Gastgebern: Davis sei immerhin US-Kriegsminister gewesen. Die Franzosen sind nicht beeindruckt. Dass Davis bis vor kurzem Generalgouverneur der Philippinen war, lässt sie ebenfalls kalt. «Monsieur Davis hat den Davis-Cup gestiftet», schiebt der Botschafter nach. «Oh, das ist etwas anderes», sagen die Franzosen. Davis wird umplatziert.

So ist das mit diesem Mann: Er hat viel geleistet. Doch dass sein Name bis heute unvergessen ist, hat mit einer einzigen Sache zu tun. Im Jahr 1900 lanciert er den Davis-Cup. Den jährlichen Nationenwettkampf im Herrentennis, dessen Final 2014 morgen Freitag beginnt.

Davis wird 1879 in eine Kaufmanns- und Bankiersdynastie in Saint Louis im US-Bundesstaat Missouri geboren. Mit 15 Jahren entdeckt er Tennis und schafft es bald an die nationale Spitze; das Spiel ist in Amerika damals neu und ein Reiche-Leute-Sport.

Ein Raubtier auf dem Tennisplatz

Zeitgenossen beschreiben Davis als gespaltene Natur. Sonst ist er schüchtern, auf dem Tennisplatz aber ein Raubtier. Aggressiv schlägt er auf, gibt dem Ball viel Drall. Gefürchtet sind die Momente, wenn er ans Netz stürmt. Die Zeitung seiner Uni nennt ihn «Zyklon von Harvard».

Zu seinem Cup wird Davis durch die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen inspiriert, an denen sich Athleten vieler Länder messen. Das muss es auch im Tennis geben, findet er, lädt die englischen Rivalen ein, spendiert eine Trophäe. Eine Silberschale für gut 750 Dollar. Freunde nennen sie «Dwights Topf».

1900 findet der Cupwettkampf erstmals statt, in Boston, die Amerikaner siegen. Die Engländer jammern, der Platz sei nicht in Ordnung gewesen, und bleiben im nächsten Jahr fern. 1902 findet wieder eine Runde der «Internationalen Rasentennis-Challenge» statt, wie der Anlass vorerst heisst. Erneut gewinnt Amerika.

Gold statt Silber

Nach dem Studium tritt Davis dem öffentlichen Dienst in Saint Louis bei. Wieder zeigt er Pioniergeist. In städtischen Parks wird damals zwischen Blumen gelustwandelt. Funktionär Davis richtet Tennis- und andere Sportplätze ein.

Den Ersten Weltkrieg erlebt er als Major an der Front in Frankreich. Als Freiwilliger führt er im Granathagel und Maschinengewehrfeuer einen Ausfall an und entlastet so die eigenen Stellungen. Er erhält einen hohen Orden. 1925 steigt er zum Kriegsminister auf. Er schafft es aber nicht, mehr Geld für die Armee aufzutreiben. Anfeindungen frustrierter Militärs setzen ihm zu. 1929 wird er Generalgouverneur der Philippinen, damals eine US-Kolonie. Er fördert die Schulen, lässt Strassen bauen.

1932 stirbt seine Frau. Davis geht auf Reisen, nimmt Ehrenämter an, spielt Veteranentennis. Im Zweiten Weltkrieg dient er als Generalmajor in der Militärverwaltung. 1945 stirbt er an einem Herzschlag und wird auf dem Nationalfriedhof von Arlington begraben. Zu seiner Hinterlassenschaft gehört ein Spruch über die Davis-Cup-Trophäe: «Hätte ich gewusst, wie wichtig das Ding einmal wird, hätte ich es statt in Silber in Gold fertigen lassen.»

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