Kleine Schweiz ganz gross

Medaillenregen an den European Championships: Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist die Schweiz im Spitzensport eine absolute Top-Nation – wie diese Ranglisten zeigen.

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Am letzten Wettkampftag der European Championships schlugen die Schweizerinnen und Schweizer noch einmal zu: Geburtstagskind Tadesse Abraham lief am EM-Marathon in Berlin zu Silber, Fabienne Schlumpf doppelte über 3000 m Steeple mit dem zweiten Platz nach, und Oliver Hegi gewann in Glasgow mit Bronze am Barren und Gold am Reck gleich zwei EM-Medaillen – als erst vierter Schweizer überhaupt.

Es war der krönende Abschluss von sehr erfolgreichen Europameisterschaften für die Schweiz. Mit 8-mal Gold, 4-mal Silber und 7-mal Bronze belegt sie den neunten Rang im Medaillenspiegel. Mehr als 4500 Athleten aus 53 Nationen waren angetreten, 34 Länder holten zumindest eine Medaille.

Am erfolgreichsten war Russland mit 31, vor Grossbritannien mit 26 und Italien mit 15 Goldmedaillen. In der Leichtathletik waren keine Athleten unter russischer Flagge zugelassen, weil der nationale Verband nach einem Dopingskandal gesperrt wurde. Ein Teil der russischen Sportler durfte jedoch unter neutraler Flagge (Authorised Neutral Athletes, ANA) antreten und holte 6 Medaillen, darunter eine goldene. Würden sie zählen, läge Russland noch deutlicher vorn.

Bei der Anzahl insgesamt gewonnener Medaillen wäre es trotzdem nicht an Grossbritannien vorbeigezogen, das 74-mal jubeln konnte. Nimmt man diesen Wert als Vergleichsgrösse, verbessert sich Co-Gastgeber Deutschland um einen Rang, genauso wie die Ukraine, Belgien und weitere Länder. Spanien macht sogar sieben Plätze gut. Die Schweiz verteidigt mit insgesamt 19 Medaillen ihren starken neunten Rang.

Wie gut sich der Schweizer Sport auf internationaler Bühne verkauft hat, zeigt sich insbesondere auch im Vergleich zur Grösse des Landes. Die Schweizer Bevölkerung zählt derzeit etwa 8,5 Millionen Menschen. Pro Million Einwohner holte sie an den Europameisterschaften 2,24 Medaillen. Nur Island, die Niederlande und Litauen waren in dieser Hinsicht noch erfolgreicher.

Grossbritannien auf Rang 9, Deutschland auf 18 und vor allem Russland auf Platz 23 schneiden hingegen deutlich schlechter ab, wenn die Medaillen ins Verhältnis zur Grösse der jeweiligen Bevölkerung gesetzt werden.

Die European Championships mit den zwei Austragungsorten Berlin und Glasgow fanden dieses Jahr zum ersten Mal statt. Athleten aus sieben verschiedenen Sportverbänden kämpften in einer gemeinsamen Europameisterschaft um Titel und Medaillen. Ziel der Organisatoren war es, einzelnen Sportarten so zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen und den EM-Titel aufzuwerten.

Das Konzept des Multisport-Events scheint aufgegangen zu sein. Sportarten wie Rudern oder Synchronschwimmen, die gegen den Bedeutungsverlust kämpfen, erhielten so eine wichtige Plattform. Als einzelne Veranstaltungen würden es die meisten dieser Europameisterschaften kaum ins (Live-)Programm schaffen. Und die Fernsehanstalten, die zu den Treibern hinter diesem Versuch gehören, konnten das Sommerloch überbrücken.

«Wir sind sehr zufrieden mit den Zuschauerzahlen.»Lino Bugmann, Mediensprecher SRF Sport

Die deutschen TV-Sender stufen die Übertragung der European Championships als Erfolg ein. «Die Zuschauerzahlen liegen weit über unseren Erwartungen», sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. Er sei «freudig überrascht». Ähnlich zufrieden äusserte sich ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky: «Ehrlich gesagt, hatte ich die Hoffnung, dass wir bei 13 bis 15 Prozent Marktanteil landen. Dass dies an den letzten Tagen noch überschritten worden ist, ist fantastisch.» Sogar Sendungen mit Triathlon oder mit Kunst- und Turmspringen erreichten Marktanteile von deutlich über 15 Prozent.

Auch in der Schweiz sorgte der Multisport-Event für hohe Fernsehpräsenz. «Wir sind sehr zufrieden mit den Zuschauerzahlen», sagt Lino Bugmann, Mediensprecher SRF Sport, auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet. «Unsere Erwartungen wurden sogar übertroffen.» Bis Donnerstag, 9. August, lag der Zuschauerdurchschnitt der Liveübertragungen auf SRF demnach bei 91'000 Personen aus der Deutschschweiz. Das entspricht einem Marktanteil von 17,8 Prozent. In der Endabrechnung dürfte er im Durchschnitt rund 20 Prozent betragen, weil noch die Zahlen vom vergangenen Wochenende fehlen, die laut Bugmann «beachtlich» waren.

Im Vergleich zu den letzten Leichtathletik-Europameisterschaften 2016 in Amsterdam, wo SRF auf einen durchschnittlichen Marktanteil von 15,4 Prozent kam, stiessen die Liveübertragungen von den European Championships auf ein deutlich grösseres Zuschauerinteresse. Aus Sicht von Bugmann ist der Multisport-Event ein Zukunftsmodell: «Die verschiedenen Sportarten profitierten in ihrer Publikumsbeachtung wechselseitig voneinander.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.08.2018, 12:21 Uhr

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