Spinola hat sich zurückgekämpft

Pedro Spinola musste nach einem Riss der Achillessehne fast ein Jahr pausieren. Morgen Sonntag (17 Uhr) empfängt der portugiesische Rückraumspieler mit dem BSV Bern Meister Kadetten Schaffhausen.

Pedro Spinola (links) ist mit seinen bisherigen Leistungen nach der langen Verletzungspause noch nicht zufrieden.

Pedro Spinola (links) ist mit seinen bisherigen Leistungen nach der langen Verletzungspause noch nicht zufrieden.

(Bild: Daniel Teuscher)

Simon Scheidegger@theSimon_S

Pedro Spinola wählt deutliche Worte. Nein, sagt er, zufrieden sei er überhaupt nicht mit seinen Leistungen in den vier Spielen, in denen er in dieser Saison für den BSV Bern zum Einsatz gekommen ist. Zu langsam, sei er gewesen, zu schwach im Abschluss, einfach zu weit weg vom Niveau, das sich der Portugiese aus seiner langen Profikarriere gewohnt ist.

Spinola sitzt am Mittwochmorgen in einer Loge der Mobiliar Arena. Hinter ihm schimmern die roten Schalensitze der Tribüne. Die Schalensitze also, auf denen er in den letzten Monaten viel zu oft hat Platz nehmen müssen – wegen dieses einen Vorfalls am 22. November 2018: 20 Minuten waren damals gespielt in der Partie zwischen dem BSV und St. Otmar, als Spinola umknickte und mit schmerzverzerrtem Gesicht liegenblieb.

Spinolas Erinnerungen an diesen Moment sind noch frisch, er weiss noch genau wie er sofort spürte, dass die linke Achillessehne gerissen war und wie ihm als erstes nur ein Gedanke durch den Kopf schoss: «Meine Karriere ist zu Ende.»

Die finsteren Gedanken

Doch diese finsteren Gedanken verzogen schnell wieder, spätestens da, als ihm der Arzt nach der Operation zwei Tage später sagte, dass es möglich sei zurückzukommen und wieder auf Profiniveau Handball zu spielen. Dies war für den Rückraumspieler die Initialzündung alles dafür zu tun, möglichst bald wieder auf dem Feld zu stehen.

An Weihnachten reiste er nach Porto, wo er fünf Jahre gespielt hatte, und arbeitete mit dem Physiotherapeuten Paulo Catarino zusammen, der ihn schon in der Nationalmannschaft betreut hatte. Bis zu sieben Stunden trainierte Spinola – nicht nur in der Physio, sondern auch im Fitnesscenter, auf der Tartanbahn oder im Wasser.

Jeden Tag, während vier Monaten, nur am Sonntag gönnte er sich jeweils eine Auszeit. «Ich wusste: Will ich spielen, muss ich hart arbeiten», sagt Spinola. Und da seine Leidenschaft für Handball nach wie vor riesig ist, stellte sich ihm die Willensfrage gar nie, sondern nur die Frage nach dem schnellsten Weg zurück zu alter Stärke.

Spinolas Enthusiasmus und Kampfgeist sind im Gespräch immer wieder spürbar und insofern bemerkenswert als dass eine Vielzahl Athleten auch aus anderen Sportarten nach einer derart gravierenden Verletzung wie einer Achillessehnenruptur nicht mehr ans vorherige Niveau anknüpfen konnten, schon gar nicht im fortgeschrittenen Sportleralter wie es Spinola mittlerweile erreicht hat.

Der 36-Jährige erzählt, wie er im Alter von 15 Jahren einmal aufgrund einer Knieverletzung habe pausieren müssen, nur ein paar Tage später habe er aber wieder gespielt. «Wenn man jung ist, gibt es keine Schmerzen. Da wird einfach gespielt», sagt Spinola. «Leider erholt sich mein Körper nicht mehr ganz so schnell wie damals.» Er lacht.

Die Zeit zusammenzuwachsen

Der Portugiese freut sich, endlich wieder näher beim Team sein zu können, weg von der Tribüne, fernab der ungeliebten Rolle des zur Untätigkeit verdammten Zuschauers. «Ich bin überzeugt, dass ich dem Team nach wie vor helfen kann», sagt er und spricht trotz des sehr durchzogenen Saisonstarts mit sechs Punkten aus acht Spielen und dem Out im Cup gegen GC Amicitia vom grossen Potenzial, das in der Mannschaft stecke - wenn denn alle Spieler fit sind.

Neben Spinola fielen im ersten Saisonviertel nämlich weitere wichtige Akteure aus, was Trainer Aleksandar Stevic immer wieder zu Umstellungen zwang. «Es braucht Zeit, damit wir als Mannschaft zusammenwachsen», sagt Spinola. Jede Partie werde helfen, die Eingespieltheit im Team zu verbessern und individuell näher ans frühere Niveau zu kommen.

Auch diejenige am Sonntag (17 Uhr) gegen Meister Kadetten Schaffhausen, nach der Pedro Spinola bei der Analyse seiner Leistung hoffentlich aus BSV-Sicht nur Positives zu berichten haben wird.

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