Käser und Aeschbacher: Zwei glückliche Erben

Matthias Aeschbacher und Remo Käser teilen sich am «Mittelländischen» in Habstetten den Sieg – ohne im Schlussgang gekämpft zu haben. Kilian Wenger enttäuscht, Matthias Sempach gibt verletzt auf.

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Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Und der Vierte.Entkräftet von den allerletzten Angriffsversuchen standen sie da, Curdin Orlik und Willy Graber, im Schlussgang des «Mittelländischen» war es weder dem Wahlberner noch dem Lokalmatador gelungen, zum entscheidenden Schlungg anzusetzen. Und so profitierten Matthias Aeschbacher und Remo Käser, welche eine halbe Stunde zuvor ihren sechsten Gang für sich entschieden hatten. Der Emmentaler und der Oberaargauer erbten den Festsieg, an welchen sie bis tief in den Nachmittag hinein keinen Gedanken hatten verschwenden dürfen.

Käser war mit einer Niederlage ge­gen Orlik in den Wettkampf gestartet, Aeschbacher im vierten Gang Christian Stucki unterlegen. Weil im Bolliger Weiler Habstetten zwar vieles lief, aber wenig plangemäss, kamen die beiden doch noch zum perfekten Saisonaufakt. «Nach dem Duell mit Stucki dachte ich: Das wars», meinte Aeschbacher. Käser seinerseits spornte der missratene Beginn an. «Im Nachhinein war es das perfekte Szenario. Ich realisierte, dass nur noch die Devise Vollgas etwas bringen würde.» Nach dem schwierigen, von Verletzungen geprägten letzten Jahr will der 21-Jährige heuer durchstarten.

Verliefen die ersten Gänge unspektakulär, ging es auf einmal Schlag auf Schlag – ein Lob denen, die im fünften Gang den Überblick behielten. Orlik lag an der Spitze; Verfolger Stucki aber gelang es mehrmals knapp nicht, Hanspeter Luginbühl zu bodigen. Und so lagen gleich sechs Schwinger mit 48 Punkten auf Rang 2. Das Einteilungskampfgericht hatte die Qual der Wahl, galt es doch bei der Berücksichtigung von Orliks Widersacher für den Schlussgang allerlei ungeschriebene Gesetze zu berücksichtigen. Willy Graber und Käser waren bereits auf den Leader getroffen, Käser hatte zudem wie Aeschbacher und Konrad Steffen einen Gang verloren. Also auf einen der Oberaargauer Simon Mathys und Tobias Siegenthaler setzen, die jedoch ein schwächeres Notenblatt aufwiesen? Nun, Publikumsliebling Graber erhielt den Vorzug, was den 5450 Zuschauern gefiel, unter den Athleten aber für Diskussionen sorgte.

Die Könige leiden

Nun, Aeschbacher und Käser sind gewiss keine Zufallssieger. Womöglich aber setzten sich nicht die zwei stärksten, sondern zwei der glücklichsten Athleten durch. Orlik, Stucki, aber auch Graber hinterliessen einen noch besseren Eindruck. Für die beiden anwesenden Schwingerkönige fiel derweil die erste Standortbestimmung wenig vorteilhaft aus, wobei die Gründe unterschiedlicher Natur waren. Kilian Wenger verlor gegen den Nordostschweizer Roger Rychen und den weitgehend unbekannten, aber zähen Siegen­thaler, als geteilter Neunter verpasste er gar den Kranz. Das Geschehene konnte sich der Diemtigtaler nicht erklären, «ich fühlte mich gut, habe aber falsche Entscheidungen getroffen. Solch ein Wettkampf darf mir nicht passieren.»

Früh Feierabend hatte Sempach: Im ersten Gang gegen Florian Gnägi zwickte es ihn im Rücken, der fortan blockiert war. Eine Schmerztablette brachte ­keine Linderung, weshalb der 32-Jährige nach einem Sieg und zwei «Gestellten» aufgab. «Angenehm fühlt es sich nicht an», liess der enttäuschte Sempach am Nachmittag ausrichten, als er bereits daheim in Alchenstorf weilte. Die Teilnahme am «Emmentalischen» vom Sonntag in Zollbrück schliesst er nicht aus, entschieden wird Mitte Woche. Er will dem Rücken Sorge tragen, hatte ihm dieser doch bereits 2017 Probleme bereitet.

Berner Zeitung

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