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Die drei Muskeltiere

Im Bernbiet sind Unspunnen-Sieger Christian Stucki sowie die Schwingerkönige Kilian Wenger und Matthias Sempach die meistgenannten Sieganwärter.

Die drei Superstars der Berner Schwingsszene: Wenger, Stucki und Sempach.
Die drei Superstars der Berner Schwingsszene: Wenger, Stucki und Sempach.

Manchmal reicht eine Mücke dafür, einen Riesen in die Knie zu zwingen. Im Rahmen einer vierteiligen SRF-Serie weilte Christian Stucki vergangenen Herbst in Senegal, in Indien und in der Mongolei, er kämpfte mit Einheimischen – und mit Ungeziefer. Der Seeländer erkrankte am Denguefieber, ausgelöst durch eine Stechmücke, lag 14 Tage lang flach. Kaum etwas gegessen habe er in dieser Zeit, «wie ä Hung uf drüne Scheiche» habe er sich gefühlt und 10 Kilo abgenommen.

Den Gewichtsverlust habe er mit Leichtigkeit korrigieren können; was das Training betreffe, habe ihn diese Geschichte aber einen Monat gekostet. Das unschöne Ende der Reise jedoch mag der 33-Jährige nicht dramatisieren. Im Zusammenhang mit dem Projekt des Schweizer Fernsehens spricht er von einer eindrücklichen Erfahrung. «In Indien und in Senegal werde ich so bald nicht wieder anzutreffen sein. Aber dort wurde mir vor Augen geführt, wie gut wir es hier haben. An und für sich leben wir Schweizer permanent in einem Fünfsternhotel.»

Das eine oder andere Mal habe er sich im Winter überwinden müssen, ins Training zu gehen, gesteht Stucki. Wobei sein Erfolgshunger auch nach sechs Festsiegen im Vorjahr und dem Triumph am Unspunnen-Schwinget nicht gestillt ist. Er sei nicht schlechter in Form als Ende 2017 und habe professionell gearbeitet, «schliesslich will ich an den Kranzfesten nicht wie ein Lackaffe aussehen». Das Innerschweizer Teilverbandsfest sowie das Kräftemessen auf der Schwägalp sind seine Saisonziele, beide Wettkämpfe hat er noch nie für sich entscheiden können.

Im Betreuerstab hat er eine Änderung vorgenommen, sich von Fabian Lüthy getrennt. Mit dem Athletikcoach arbeitete er während acht Jahren zusammen, nun hat Tommy Herzog die alleinige Verantwortung übernommen. Der einstige Bobanschieber gehört seit vergangenem Sommer zu Stuckis Team, zu Beginn wurde der Schwerpunkt im mentalen Bereich gesetzt. Wenngleich es gewisse Differenzen gegeben habe, sei er mit Lüthy nicht im Unfrieden auseinandergegangen, sagt der Hüne. «Nach so langer Zeit hat sich alles einfach ein wenig abgenutzt.»

Wenger im Hintergrund

Mentaltrainer sind im Schwingsport Usus geworden, Kilian Wenger sitzt regelmässig mit dem Berner Sportpsychologen Jörg Wetzel zusammen. Gesprochen wird unter anderem über den Umgang mit Drucksituationen, die eigenen Erwartungen sowie jene der Öffentlichkeit. Wobei es um den Schwingerkönig von 2010 ruhiger geworden ist, durch die Grosserfolge Matthias Sempachs, Matthias Glarners und Christian Stuckis ist der Diemtigtaler ein wenig in den Hintergrund gerückt.

Wenger stört dies nicht; er schätzte es, im Winter sorgenfrei und ungestört trainieren zu können, körperlich fühle er sich einwandfrei. Mit dem Sieg am Ballenberg tankte der 27-Jährige Selbstvertrauen. Es war nur ein Regionalfest, die Besetzung bescheiden, und doch hat ihm der Erfolg gutgetan nach der Enttäuschung am Unspunnen-Schwinget vergangenen August mit Rang 10 und den Niederlagen gegen Armon Orlik und Daniel Bösch.

Den Feinschliff holte sich Wenger zuletzt im Trainingslager auf Gran Canaria. Er sagt: «Im Moment bin ich sicher fähig, ganz vorne mitzuschwingen.» Dies will er vorab als Gast am «Nordostschweizerischen» in Herisau sowie Ende Saison auf der Schwägalp, an diesen Festen ist ihm ein Kranzgewinn bis anhin verwehrt geblieben.

Sempach setzt auf Bewährtes

Eine Saison mit «vielen schönen Festen» erwartet derweil Matthias Sempach. Das «Berner Kantonale» in Utzenstorf wird von Sempachs Schwingklub Kirchberg als Trägerverein unterstützt. Zudem ist der Schwingerkönig von 2013 beim «Innerschweizerischen» als Gast eingeladen. In der Höhe warten die Herausforderungen auf dem Stoos, wo Sempach erst zum zweiten Mal antreten wird, auf dem Brünig und beim bestens besetzten Schwägalp-Schwinget.

Der 32 Jahre alte Alchenstorfer galt in jüngerer Vergangenheit als konstantester, komplettester Schwinger im Land. Zuletzt machten ihm aber immer wieder Blessuren zu schaffen. Im Vorjahr zog er sich am «Kantonalen» in Affoltern eine Knieverletzung zu, welche die restliche Saison bis und mit Unspunnen beeinträchtigen sollte. Zurzeit kämpft er mit Rückenproblemen. Einige Muskelpartien sind verkürzt, was keine Seltenheit ist bei Sportlern, die häufig mit Kräftigung arbeiten. «Nun geht es darum, diese Muskeln wieder in die Länge zu ziehen, um Zerrungen vorzubeugen», sagt Sempach. In der Vorwoche liess er sich in Deutschland in einer Klinik behandeln.

«Ich konnte wegen des Rückens im Winter nicht immer auf höchstem Niveau trainieren. Aber ich bin überzeugt, dass ich nach wie vor an der Spitze mitschwingen kann.» Im Trainingsumfeld setzt der zweifache Familienvater auf Bewährtes: Jean-Pierre Egger, mit dem er seit 2008 arbeitet, ist weiterhin Sempachs «wichtigste Bezugsperson». Zusätzlich wird er einmal pro Woche bei Athletikcoach Andreas Lanz trainieren. Punkto Technik und Taktik steht er mit dem langjährigen Judonationaltrainer Leo Held im Austausch.

Wie gut die Konkurrenten in Form sind, davon konnte sich Sempach unlängst beim WK in Magglingen überzeugen: «Armon Orlik und Joel Wicki sind extrem im Aufwind. Im Training haben sie beeindruckende Leistungen gezeigt», sagt Sempach. Und betont sogleich: «Training und Wettkampf lassen sich nicht vergleichen.» Es versteht sich von selbst, dass die Berner ihren Platz an der Sonne auch diese Saison behaupten wollen.

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