Wer ist der Böseste?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktoren die am häufigsten gegoogelten Fragen.

Scheiterte 2016 im Schlussgang und versucht heuer erneut, zu den ganz Bösen aufzuschliessen: Armon Orlik.

Scheiterte 2016 im Schlussgang und versucht heuer erneut, zu den ganz Bösen aufzuschliessen: Armon Orlik.

(Bild: Keystone)

Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Bubileichte Frage. Das Eidgenössische ist das wichtigste Schwingfest, also schauen wir in seine Statistik. Je dreimal gewonnen haben der Berner Ruedi Hunsperger und der Ostschweizer Jörg Abderhalden. Da Abderhalden zusätzlich 2001 im Schlussgang stand, darf er mit Fug als bösester Böse bezeichnet werden. Womit die Frage beantwortet wäre. Danke, Tschüss und Schwingergruss.

Wobei … eigentlich müssten ja alle Feste mit eidgenössischem Charakter berücksichtigt werden. Also auch Kilchberg und Unspunnen, dazu das Dutzend Spezialschwingen, die anlässlich der Landessausstellungen oder Bundesfeiern veranstaltet wurden.

Und da wirds bereits komplizierter. Denn nun kommt ein gewisser Karl Meli ins Spiel, der Winterthurer Turnerschwinger, der in den 1960ern zwar das Eidgenössische «nur» zweimal gewann, aber eben auch zweimal das Kilchberger – das hat sonst keiner geschafft – und das Gedenkschwingen in Murten und das Jubiläumsschwingen des Eidgenössischen Schwingerverbands gleich auch noch. Zudem gewann Meli neun Eidgenössische Kränze. Das bedeutet, dass er an neun Eidgenössischen im obersten Fünftel der Rangliste landet. Das hat sonst keiner geschafft.

Wobei es ja auch noch andere Kränze gibt. Die sind zwar weniger wertvoll, aber sagen dennoch einiges über die Konstanz eines Schwingers aus – die Kränze der Kantonal- oder Verbandsfeste. Und hier stossen wir auf einen gewissen Nöldi Forrer (*1978), der im fernen Jahr 2001 Schwingerkönig geworden ist – und der bis heute schwingt. 147 Kränze hat er gesammelt, Rekord. Heuer versucht Forrer, die 150-Kränze-Marke zu übertreffen, trotz grauer Haare und wackliger Hüfte.

Wenn wir schon bei der Konstanz sind: Max Widmer, Schwingerkönig von 1958, blieb während unglaublichen vier Jahren ohne Niederlage. Auch andere dominierten eine Ära, ohne dass sich das in Zahlen gespiegelt hätte. Eugen «Geni» Hasler etwa, der zwischen 1985 und 1995 jeden aus dem Weg räumte, und dem halt bloss an den Eidgenössischen die Nerven versagten, oder dem das Glück versagt blieb.

Und überhaupt, der Direktvergleich fehlt: Niemand kann sagen, wie ein Abderhalden gegen Meli geschwungen hätte, oder mit dem Koloss der 1920er und 1930er, Hans Roth (zweifacher König, 125 Kilo), mit dem superagilen Hans Beck oder mit Hans Münger, dem Erfinder des fiesen «Müngermurks». Da bleibt uns nur das Kopfkino – und die persönliche Sympathie.

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