Matthias Aeschbachers Saison der Superlative

Der Emmentaler hat nach seinem ersten Bergfestsieg und der Premiere an einem Teilverbandsfest auch das Berner «Kantonale» für sich entschieden. Und: Der Höhepunkt des Jahres steht erst noch bevor.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Dunkle Wolken überziehen den Himmel. Der Regen schickt seine Vorboten. Unten im Sägemehl scheint es niemand eilig zu haben. Der Kampfrichter blickt gemächlich auf die Uhr. Matthias Aeschbacher und Matthias Glarner verzahnen sich Mal für Mal, erreichen den Platzrand und trotten für das Zusammengreifen zur Mitte. 14 Minuten lang geschieht wenig, zwei brenzlige Situationen für Glarner und ein heikler Moment für Aeschbacher ausgenommen. Und so ist der Schlussgang am Bernisch Kantonalen Schwingfest für die knapp 12'000 Besucher nicht die Kirsche auf der Torte, sondern eher das fade Dessert; ein Dessert «uf gnue ufe» – zuvor sind die Zuschauer auf ihre Kosten gekommen.

Dafür sorgten nicht zuletzt die Teilnehmer am Schlussgang. Beide reüssierten fünfmal. Aeschbacher nahm den letzten Kampf mit einem Viertelpunkt Vorsprung in Angriff. Und es erstaunte nicht, endete der Vergleich ohne Sieger. Aeschbacher genügte ein «Gestellter» zum Triumph. Glarner kämpfte zum ersten Mal seit dem Königstitel vor drei Jahren an einem Kranzfest um den Sieg und wollte dieses gute Gefühl kaum mit einer Niederlage konkurrieren. «Der fade letzte Gang tut mir leid», sagt Aeschbacher, «aber eine solche Chance durfte ich mir nicht entgehen lassen.»

«Für mich das Allergrösste»

Der Emmentaler (27) erlebt eine Saison der Superlative. Er gewann im Juni sein erstes Bergfest, sprach nach dem Erfolg am Schwarzsee vom «schönsten und grössten Sieg in meiner Karriere». Im Juli reüssierte er erstmals an einem Teilverbandsfest («Südwestschweizerisches»). Nun löste der Erfolg am «Kantonalen» den Schwarzsee in der Kategorie «grösster Erfolg» bereits ab. «Das ist für mich das Allergrösste.»

Steigern liesse sich das Gefühl dieses Jahr nur noch mit dem Königstitel. Vor drei Jahren verpasste der Maurer aus Rüegsauschachen beim «Eidgenössischen» in Estavayer den Kranz. Die Enttäuschung war riesig, hatte er doch im selben Jahr neun Kränze gewonnen. Aeschbacher verarbeitete den Tiefschlag, indem er entschied, sich fortan zu den «Eidgenossen» zu zählen, selbst wenn ihm das dritte Sternchen dazu noch fehlt. In zwei Wochen sollte dieses mit drei Jahren Verspätung hinzukommen.

Der Gewinn des Eichenlaubs wird für den ehrgeizigen Emmentaler in Zug das Minimalziel sein. Wer innert Kürze zwei Teilverbandsanlässe und ein Bergfest gewinnt, der darf sich für den Saisonhöhepunkt einiges ausrechnen – selbst wenn er mit seinem inneren Haken für die Gegner vermeintlich einfach auszurechnen ist. Zum erweiterten Favoritenkreis zählt Aeschbacher allemal. «Aber in dieser Rolle war ich bereits vor meinem Sieg in Münsingen», sagt er.

Als Mitfavorit gilt derweil Christian Stucki. Der Seeländer konnte beim ersten Kranzfest nach seiner langen Absenz nicht um den Sieg schwingen, zeigte sich aber trotz Niederlage gegen Bernhard Kämpf und sechstem Schlussrang zufrieden: «Das Knie hält, das ist sehr positiv.» Ohne Kranz blieben unter anderen Florian Gnägi, Curdin Orlik und Thomas Sempach. Letztgenannter musste das Fest wegen Schulterproblemen abbrechen.

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