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Achtung, fertig, Angriff

Fabian Staudenmann ist eines der grössten Schwingertalente des Landes. Der 19-Jährige aus Guggisberg fordert am Sonntag am «Mittelländischen» in Neuenegg die Konkurrenten heraus.

Marco Oppliger
Talentiert und zielstrebig: Fabian Staudenmann ist der Prototyp des modernen Schwingers.
Talentiert und zielstrebig: Fabian Staudenmann ist der Prototyp des modernen Schwingers.
Raphael Moser

Langeweile? Die gibt es im Leben des Fabian Staudenmann im Moment nicht. Die praktische Lehrabschlussprüfung zum Automatiker hat er eben erst hinter sich gebracht, es folgt der schriftliche Teil im Juni. Überdies bereitet er sich auf die anschliessende Berufsmatur vor. Und: Ganz nebenbei ist Staudenmann ein ganz passabler Schwinger.

Zwölf Kränze hat der 19-Jährige bereits gesammelt – betrachtet man sein Alter, lässt sich dieser Leistungsausweis mehr als sehen. Und um einen Kranz möchte der Sennenschwinger aus Guggisberg am Sonntag seine Sammlung am «Mittelländischen» in Neuenegg, seinem Heimfest, erweitern.

Doch noch wichtiger als das Resultat ist ihm die Art und Weise, wie er schwingt. «Manchmal flucht man über die, die auf einen ‹Gestellten› aus sind. Zu denen möchte ich nicht gehören», sagt Staudenmann. «Ich will angreifen, und dadurch verlierst du halt manchmal.» In der noch jungen Saison habe er gar mehr Gänge verloren als im ganzen letzten Jahr. «Aber ich habe auch mehr gewonnen, weil ich das Risiko suchte.» So stand Staudenmann im Schlussgang des «Emmentalischen» und wurde am Freiburger Kantonalschwingfest Zweiter.

Wende mit 13

Beinahe allerdings wäre die Karriere des Mittelländers zu Ende gegangen, ehe sie überhaupt richtig begann. Weil er nach dem kantonalen Jungschwingertag 2013 so enttäuscht war, dass er sich vor die Wahl stellte: Entweder mehr in den Sport investieren oder aufhören. Im letzten Gang hatte er den Zweig wegen eines «Gestellten» gegen einen Gast vom Schwingklub Sense verpasst. Ausgerechnet! «Wir spöttelten damals über die Seisler. Es hiess, so einen Südwestschweizer werde man wohl noch bezwingen», erzählt er.

Ein paar Tage danach bat der 13-Jährige den Mann seiner Gotte, den ehemaligen Triathleten Stefan Riesen, ihn in Form zu bringen. «Im Nachhinein betrachtet hätten wir das erste Training filmen sollen», meint Staudenmann lachend. «Es war eine Katastrophe. Ich konnte keine 500 Meter rennen, schaffte keine zehn Liegestützen.»

Das Training hat sich ausgezahlt. Heute ist Staudenmann mit seinen 1,89 Metern und der kräftigen Statur gewissermassen der Prototyp des modernen Schwingers. Wobei Riesen den Aufbau Schritt für Schritt plant. «Ich habe gerade im physischen Bereich noch viel Luft nach oben», hält Staudenmann fest. Bisher hat er nicht mit Maximalkraft trainiert, weil das für einen sich im Wachstum befindenden Athleten schädlich sein kann. «Doch bald können wir damit anfangen, langsam, aber sicher sollte ich ausgewachsen sein.»

Der Rat des Königs

Seit diesem Jahr gehört Staudenmann zum Elitekader der Berner, trainiert damit regelmässig mit den «Bösesten» zusammen. «Ich möchte einmal zu den Besten gehören, doch das kannst du nur schaffen, wenn du mit ihnen trainierst», sagt er und erwähnt die hohe Intensität in den Einheiten.

«Er schwang schon letzte Saison gut, nun macht er genau dort weiter», sagt Peter Schmutz. Allerdings ist der Technische Leiter der Berner darauf bedacht, den jungen Mann nicht mit zu viel Lob zu überschütten. «Fabian hat die Grösse, und er ist sehr talentiert, aber er muss noch weiterarbeiten, wenn er den nächsten Schritt machen will.»

Staudenmann weiss sehr wohl, wie hoch er von diversen Experten gehandelt, schon mal als Nachfolger der goldenen Berner Generation gepriesen wird. «Sicher freut es mich, wenn die Leute anerkennen, was ich leiste. Aber ich muss mir auch bewusst sein, wo ich stehe», sagt er. Sein Status als Kantonalkranzer würde dies ziemlich gut widerspiegeln. Gerade im Kadertraining werde ihm jeweils aufgezeigt, was ihm noch fehle. «Die anderen schwingen vielseitiger. Und sie wissen ihre Erfahrung einzusetzen. Die Spitze jedenfalls ist noch sehr weit weg für mich.»

Doch Staudenmann verhehlt nicht, dass er mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden ist. Macht er so weiter, dürfte er für das «Eidgenössische» nominiert werden. «Sicher denke ich an Zug. Es ist der Traum jedes Schwingers, dort zu schwingen und im Idealfall den Kranz zu holen. Aber ich will mich nicht zu fest darauf versteifen», meint er. Schliesslich habe sich ihm ein Spruch von Schwingerkönig Glarner eingeprägt: «Du musst deine Kraft für das benötigen, was du beeinflussen kannst.»

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