Weniger gefahren, mehr unterwegs

Wie die Rennfahrerkarriere von Neel Jani 2019 aussieht, ist noch nicht geklärt. Ziel des Seeländers bleibt der Einstieg in die Formel E mit Porsche.

Neel Jani fährt die Langstrecken-WM für das Schweizer Privatteam Rebellion.

Neel Jani fährt die Langstrecken-WM für das Schweizer Privatteam Rebellion.

(Bild: Keystone)

Peter Berger@PeterBerger67

Fünf Rennen hat Neel Jani 2018 bestritten; alle mit dem Schweizer Privatteam Rebellion in der Langstrecken-WM (WEC). Nach dem Ausstieg von Porsche und Audi ist Toyota das einzige verbliebene Werksteam in der höchsten LMP1-Klasse. Die zwei Autos des japanischen Herstellers sind als einzige mit Hybrid ausgestattet und den Privatteams klar überlegen.

«Der dritte Platz ist jetzt neu der erste Platz», beschreibt Jani die Situation. Auch wenn der aktuelle Schweizer WM-Leader Sébastien Buemi mit dem Formel-1-Fahrer Fernando Alonso einen bekannten Toyota-Teamkollegen erhielt, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Langstrecken-Serie an Popularität eingebüsst hat. «Alonso verfügt über eine grosse Fangemeinde und tut der Serie gut», sagt Jani, «aber richtige Konkurrenz ist nicht vorhanden.»

Das war vor ein paar Jahren noch anders, als Audi und Porsche am Saisonhöhepunkt, dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans, jeweils drei und Toyota zwei Autos stellten. «Von diesen acht Fahrzeugen konnte jedes gewinnen, eine solche Ausgangslage gibt es nicht einmal in der Formel 1.»

Das Highlight im Porsche

Die Langstrecken-WM wird im März fortgesetzt und endet im Juni mit Le Mans. Danach ist für Jani mit Rebellion Schluss. Der 34-jährige Seeländer steht aber auch immer noch bei Porsche unter Vertrag. Die Marke steigt Ende 2019 mit zwei Autos in die Formel E ein. Jani hofft, eines der zwei Cockpits ergattern zu können.

Die Konkurrenz ist indes riesig, entsprechend lang ist die Liste der Bewerber. Janis Vorteil ist, dass er bei Porsche bereits bewiesen hat, dass er schnell ist. Er gewann 2016 in Le Mans und die WEC-Weltmeisterschaft.

Gedanken an Gefahren haben für ihn auf der Rennstrecke keinen Platz: Neel Jani. Bild: Keystone

Im Mai absolvierte er zudem mit dem Hybrid-Boliden in Spa einen Rundenrekord. «Das war mein Highlight des Jahres 2018», schwärmt Jani. «Ein Auto zu fahren, das in siebeneinhalb Sekunden von 0 auf 300 Kilometer pro Stunde beschleunigt, ist fantastisch.» Die Topgeschwindigkeit betrug 369 km/h, in den Kurven musste er eine Belastung von6 g aushalten.

Dass Jani im Porsche schneller war als ein Formel-1-Auto, bescherte ihm allein auf seiner Facebook-Seite mehr als 1,3 Millionen Klicks. «Das Feedback war unglaublich, ich erhielt auf den Social-Media-Kanälen über 16000 persönliche Nachrichten.»

Im Vaterglück

Jani hat zwar 2018 weniger Rennen gefahren als auch schon. «Ich war aber dennoch mehr unterwegs, und vor allem habe ich anderes nachgeholt.» Im April war er erstmals Vater geworden. «Maverick liebt schon jetzt Autos», erzählt der stolze Papa.

Verändert habe die Geburt des Sohnes zwar sein Zeitmanagement, aber nicht sein Verhalten auf der Rennstrecke. Gedanken an Gefahren haben dort weiterhin keinen Platz. «Das darf man sich auf diesem Niveau nicht erlauben.» So hofft Jani auch 2019 auf Nervenkitzel im Auto.

Mitte Juni möchte er in Le Mans zum Abschluss einen Coup mit Rebellion landen. Eine Woche später wird er den E-Prix von Bern als Experte am TV kommentieren. Ende Jahr möchte er dann mit Porsche selbst in der Elektroserie starten. Der Entscheid dürfte spätestens im März fallen. Dass er das Heimrennen in Bern verpasst, nimmt der Seeländer aus Jens sportlich: «Wer weiss, vielleicht gibt es in zwei Jahren plötzlich sogar ein Rennen in Biel.»

Berner Zeitung

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