Von der Suche zur Erkenntnis

Die Lysserin Nina Radjenovic beendet ihre Karate-Juniorenzeit auf Platz 1 des internationalen U-21-Rankings. Nun macht sich die Seeländerin daran, auch bei der Elite an die Weltspitze vorzustossen.

Die beste Juniorin der Welt: Nina Radjenovic aus Lyss.

Die beste Juniorin der Welt: Nina Radjenovic aus Lyss.

(Bild: Beat Mathys)

Die Nummer 1 der Welt sein: Davon träumt wohl jeder Sportler. Für Nina Radjenovic wurde aus diesem Traum Realität. Sie darf sich die beste der besten Karateka nennen. «Ich finde selbst fast keine Worte. Es ist ein krasses Gefühl», sagt die 20-Jährige. Seit März führt sie das internationale U-21-Ranking der Kategorie Kumite in der Gewichtsklasse bis 61 kg an. Beim Kumite treten zwei Karateka gegeneinander an, die sich bei ihren Schlägen berühren, aber nicht verletzen dürfen.

Fast so «krass» wie das Gefühl heute war, als sich Radjenovic in derselben Kategorie 2018 zur U-21-Europameisterin kürte. Die Lysserin kann ohnehin auf mehrere Highlights zurückblicken. Der Karateverband Fudokan Schweiz verlieh Radjenovic in ihrem Heimdojo – dem Karatedo Lyss/Aarberg – den 2. Dan-Grad. Insgesamt gibt es 10 Dan-Stufen; erhält man den Schwarzgürtel, ist man auf der ersten, dem sogenannten «Grad des Suchenden». Eine Stufe höher, zum «Grad der Erkenntnis», kommen die Karateka eigentlich nur durch eine lange, intensive Vorbereitungs- und Trainingszeit und durch das Absolvieren einer Prüfung.

Diplom ohne Prüfung

Mit Betonung auf eigentlich. Denn Radjenovic wurde eine besondere Ehre zuteil: Aufgrund ihrer sportlichen Leistungen als Juniorin durfte sie das Diplom, ohne eine Prüfung abgelegt zu haben, in Empfang nehmen. «Es ist schön, zu sehen, dass das Erreichte auch auf diese Weise honoriert wird», sagt Radjenovic. Und ihre Erfolge können sich sehen lassen: In ihrer Zeit als Juniorin nahm sie an sechs Europameisterschaften teil und stand dabei fünfmal auf dem Podest. An einer von drei bestrittenen Weltmeisterschaften erreichte sie den 5. Rang.

Damit ist nun Schluss. Im August wird sie 21 Jahre alt und gehört dann definitiv der höchsten Elitekategorie an. Kein Wunder, legt sie den Fokus deshalb auf die Wettkämpfe und noch nicht auf einen höheren Dan-Grad. «Aber irgendwann möchte ich dann schon die eine oder andere Prüfung absolvieren, um mich auch in diesem Bereich weiterzuentwickeln.»

Neue Ziele

Anfang Juni war sie an einem Eliteturnier in Shanghai, Ende Juni in Montreal. Neuland sind Wettkämpfe bei der Elite für Radjenovic nicht. Schon mit 18 Jahren hatte sie erste Turniere bei den «Grossen» absolviert. Neu ist aber, dass sie nicht mehr die Beste ist, zumindest noch nicht. Im internationalen Ranking der Elite belegt sie derzeit den 58. Rang. «Ich will mich Schritt für Schritt verbessern, in die Top 50 kommen und mit der Zeit erste Podestplätze holen», sagt sie zielstrebig.

Olympische Träume geplatzt

Nebst den vielen Highlights gab es jedoch auch einen Rückschlag für Radjenovic und alle Karateka. Karate wird zwar 2020 in Tokio erstmals olympisch sein, 2024 in Paris allerdings schon wieder nicht mehr. Besonders ärgerlich für Radjenovic: Für die Selektion 2020 wird es für sie wohl nicht mehr reichen, aber 2024 wäre das Ziel gewesen. «Der Frust war gross, als der Traum platzte. Die Olympischen Spiele kann ich erst mal an den Nagel hängen. Aber ich muss nach vorne schauen und neue Ziele setzen.» Und das Hauptziel ist klar: die Nummer 1 der Welt werden – bei der Elite.

Berner Zeitung

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