Vom Asphalt in die Moderne

Willy Glaus hat sowohl in der Anfangszeit als auch beim Bau der heutigen Spielstätte eine wichtige Rolle beim BSV Bern gespielt. Heute Samstag feiert der Club sein 60-jähriges Bestehen.

Willy Glaus in der Ballsporthalle, deren Realisierung er als Projektleiter vorantrieb.

Willy Glaus in der Ballsporthalle, deren Realisierung er als Projektleiter vorantrieb.

(Bild: Andreas Blatter)

Reto Pfister

Als der 20-jährige Willy Glaus 1961 zum BSV Bern stiess, bestand der Verein erst knapp 2 Jahre. Eben waren die Berner Meister geworden, gespielt wurde in der Berner Festhalle, die erste Mannschaft war zugleich die einzige des Clubs. «Es war ein guter Entscheid», sagt Glaus und untertreibt gehörig.

Denn es war der Beginn einer Verbindung, die bis heute, fast sechs Jahrzehnte später, anhielt. Erst vor kurzem hat er sich aus dem aktiven Geschehen zurückgezogen. Nachdem er beim BSV zum Nationalspieler geworden, insgesamt 21 Jahre Präsident des Vereins gewesen war und einer der treibenden Kräfte beim Bau der Ballsporthalle in Gümligen.

Doch zurück zum Anfang. Als Glaus zum BSV stiess, verdiente mit Handball niemand etwas. Gespielt wurde im Winter in der Halle, im Sommer auf dem Grossfeld auf dem Rasen. «Wir haben unsere Leibchen selbst finanziert und gewaschen, alle Auswärtsreisen selber bezahlt», erinnert sich Glaus.

Am mühsamsten sei es gewesen, wenn man im Sommer wiederholt nach St. Gallen habe reisen müssen. Dort waren mehrere Feldhandball-NLA-Teams beiheimatet. Und Anpfiff war manchmal am Sonntagmorgen um 10 Uhr. «Wir sind dann in aller Frühe mit mehreren Fahrzeugen aufgebrochen, es gab noch keine durchgehende Autobahn», schildert er, wie in den 60er-Jahren die Anfahrt zu Auswärtsspielen erfolgte.

Glaus 1965 als junger Handballer beim Wurf. Bild: zvg

In der Halle wiederum musste man aufpassen, dass man sich nicht verletzte. Denn gespielt wurde damals meist auf blankem Asphalt. «Ich habe mir zum Glück nie mehr als Schürfungen zugezogen und war nie Zeuge davon, dass jemand eine schwere Blessur davontrug», sagt Glaus. Die Asphaltböden wurden erst 1979 verboten, nachdem der deutsche Weltklassespieler Joachim Deckarm in Ungarn mit einem Gegenspieler zusammengestossen und als Folge seiner Verletzungen zum Pflegefall geworden war.

18 Tore im Mai 1964

Glaus war ein mit einem guten Wurf ausgestatteter Rückraumspieler, der es auch ins Nationalteam schaffte. Im Mai 1964 besiegte er praktisch im Alleingang den TV Suhr. Beim 23:21-Erfolg des BSV Bern im Feldhandball-NLA-Spiel im Aargau erzielte er 18 Tore. Selbst heute, wo meist deutlich mehr Tore fallen, ist ein solcher Wert aussergewöhnlich.

Bis 1971 war Glaus in der NLA aktiv und führte den Verein von 1973 bis 1980 ein erstes Mal als Präsident. Danach zog er sich zurück, blieb dem Verein als interessierter Zuschauer verbunden. Er stieg beruflich auf und führte mit seiner Frau das Berner Marionettentheater. Und musste Ende der 90er-Jahre zur Kenntnis nehmen, dass der BSV in finanzielle Schieflage geraten war. «Als Bücherexperten tat mir das besonders weh», sagt Glaus. «Man gab mehr Geld aus, als man einnahm.»

Im Jahr 2000 stieg eine neue Crew um Daniel Buser, Daniel Weber und Daniel Althaus beim BSV ein. Glaus sollte erneut Präsident werden, winkte jedoch erst ab. «Ich war gerade pensioniert worden, ging mit meiner Frau reisen», begründet er seine damalige Absage. 2002 stieg er doch wieder ein, sorgte dafür, dass der Verein stets finanziell solide dastand.

Und er erkannte früh, dass der Club eine neue Spielstätte brauchte, wenn er sich die Rückkehr an die nationale Spitze zum Ziel setzen wollte. «Ich war nie ein Nostalgiker, sondern immer ein Mensch, der mit der Zeit gehen wollte», bezeichnet sich Glaus selbst. Und er war stets ein bescheidener Mann, der nie mit grossen Worten in der Öffentlichkeit auffiel.

Mit weit über 70 engagierte er sich während zweier Jahre mit dem Pensum eines Vollzeitjobs als Projektleiter für den Bau der Ballsporthalle. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat», sagt er, fast 60 Jahre nach seinem Debüt als Spieler. Als 78-jähriger, jünger wirkender Ehrenpräsident des BSV Bern.

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