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Schafft es YB, in der Europa League zu überwintern?

Das erstmalige europäische Überwintern seit fünf Jahren ist für die Young Boys greifbar.

Eine stabile Einheit: YB feiert in Rotterdam das 1:1 durch Marvin Spielmann.
Eine stabile Einheit: YB feiert in Rotterdam das 1:1 durch Marvin Spielmann.
Claudio de Capitani/freshfocus

Die Szene hat etwas Militärisches. Donnerstag spät im Medienraum des wunderbaren Stadions De Kuip. «Der Trainer kommt», ruft Feyenoords Presseverantwortlicher scharf, als stehe eine Zimmerinspektion vor dem Lichterlöschen an. Die Stühle werden zurechtgerückt, die Plätze eingenommen. Dick Advocaat, «der kleine General» genannt, nimmt Platz, zupft an seinem Jackett und sagt mit strengem Blick: «Der Wille war da, die Einstellung gut. Aber wir erlitten unnötig viele Ballverluste.»

1:1 hat das Team des 72-Jährigen nach idealem Beginn mit frühem Führungstor gegen YB gespielt. Nur 1:1, ist man sich bei den Holländern einig: Captain und Torschütze Steven Berghuis meint, die Leistung in der ersten Halbzeit sei zwar stark gewesen. «Aber danach schien unsere Energie mit jeder Minute zu schwinden.» Und Advocaat findet, sein Team habe nie die Kontrolle über die Partie gehabt. «Wir liefen immer wieder in Konter. Ja, wir machten es dem Gegner leicht.»

Gibt es ein verrücktes Ende?

Teams zu stabilisieren, ihnen den Firlefanz auszutreiben und eine grosse Portion Nüchternheit zu verabreichen, ist Advocaats Kernkompetenz. Deshalb findet er auch nach über drei Jahrzehnten im Geschäft noch immer Jobs. Wie ein Sanierer, der von einem abgewirtschafteten Unternehmen zum nächsten eilt, wechselt er von Krisenherd zu Krisenherd.

Dass die Aufgabe, die er letzte Woche vom resignierten Jaap Stam übernommen hat, keine leichte ist, wurde auch gegen YB erkennbar. Feyenoord hat eine ruhmreiche Vergangenheit und eine treue, enorm fordernde Anhängerschaft. In welchen Sphären sich der Club selbst sieht, zeigt sein Stadionprojekt: Während in der Hülle des De Kuip Wohnungen und Läden entstehen sollen, plant der Verein eine Arena, die Platz für 65'000 Zuschauer bietet, je zur Hälfte über Wasser und auf Land erbaut. Es wäre ein Premiumwerk im Weltfussball, bereit, den wichtigsten Endspielen als Bühne zu dienen.

Die aktuelle Mannschaft ist allerdings meilenweit davon entfernt, die hohen Ansprüche zu erfüllen. Als der fest eingeplante Heimsieg gegen YB nicht Tatsache geworden ist, gesteht Advocaat ein: «Ein Weiterkommen ist nun unwahrscheinlich.»

Zwei Siege werden die Holländer benötigen, wollen sie auch sicher europäisch überwintern. Weit weniger anspruchsvoll präsentiert sich der Weg für die Young Boys, sie befinden sich vor dem Schlussspurt in der ersten Reihe. Ein Heimsieg in knapp drei Wochen gegen den – zumindest europäisch – schwächelnden FC Porto, und sie sind in der attraktiven Gruppe G durch. Ihnen würde es auch genügen, gegen die Portugiesen sowie in Glasgow nicht zu verlieren.

Und dann gibt es noch das verrückte, aber nicht ganz unrealistische Szenario, in dem alle vier Teams mit 8 Punkten abschliessen. Auch dann hätten die Young Boys trotz einem Unentschieden aus den letzten beiden Partien Chancen, zum ersten Mal seit der Saison 2014/2015 europäisch zu überwintern.

Aebischer erstmals auf Pikett

Dass sich die Berner in dieser komfortablen Ausgangslage befinden, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Zumal sie stets mit einer langen Verletztenliste antreten mussten. Doch dem Team ist trotz seines jungen Alters eine Robustheit und Reifheit eigen. Es braucht nicht mehr den idealen Spielverlauf, damit es gegen ernst zu nehmende Gegner zu Punkten kommt.

Dies auch dank den Erfahrungen, welche die Young Boys in den Europacuppartien und – in manchen Fällen – Länderspielen gesammelt haben. Christian Fassnacht wurde am Freitag wieder vom Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic aufgeboten, Goalie David von Ballmoos und erstmals der 22-jährige Mittelfeldspieler Michel Aebischer befinden sich auf der Pikettliste. Die Entwicklung der Young Boys ist längst nicht abgeschlossen.

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