Langnau liebäugelt mit der Teilnahme am Spengler-Cup

Die SCL Tigers befassen sich mit dem Traditionsturnier – für eine Einladung ist die Playoff-Qualifikation zwingend.

Der Spengler-Cup garantiert viel Aufmerksamkeit. Foto: Keystone

Der Spengler-Cup garantiert viel Aufmerksamkeit. Foto: Keystone

Philipp Rindlisbacher

Und die Langnauer fragen sich: Wie wäre es denn mit uns?

Längst tritt am Spengler-Cup neben Gastgeber Davos eine zweite Schweizer Mannschaft an. Kloten wurde eingeladen, auch Gottéron, Servette gar dreimal, zweimal Lugano, in der Altjahrswoche darf sich nun Ambri-Piotta im Bündnerland präsentieren. Die halbe Liga also ist bereits dabei gewesen, die SCL Tigers jedoch sind bis anhin nicht zum Zug gekommen.

Im Verein halten nicht wenige eine Teilnahme für reizvoll. Bereits vor gut drei Jahren klopfte Langnaus Verwaltungsratsvorsitzender Peter Jakob bei Davos-Präsident Gaudenz Domenig an; nach längerer Unterhaltung meinte Letzterer, eine Playoff-Qualifikation sei Voraussetzung, um in den Kandidatenkreis aufgenommen zu werden. In die Top 8 schafften es die Emmentaler vergangene Saison, und doch hat Jakob nichts mehr aus dem Landwassertal gehört.

Noch immer aber spricht er von einem interessanten Gedankenspiel, nicht nur, weil sich das Team auf grösserer Bühne präsentieren könnte, weil die ganze Schweiz und wegen der TV-Abdeckung nach Nordamerika auch Kanada hinschauen würde. Im Sport sei es wie in der Wirtschaft, meint Jakob. «Wegen aussergewöhnlichen Ereignissen und Projekten geht oft ein Ruck durch eine Firma – oder eben durch eine Mannschaft. Das kann motivierend und leistungssteigernd wirken.»

Drei, vier Interessenten

Über den Spengler-Cup dürfte in einer der nächsten Langnauer Vorstandssitzungen diskutiert werden. Wobei im Verwaltungsrat der Thematik gegenüber wohl kaum einer negativ eingestellt sei, wie Mitglied Karl Brügger festhält. Er selbst verfolgt das Turnier seit einem Vierteljahrhundert vor Ort, gehört gar einem Davoser Fanclub an, weil ihm die Mitgliedschaft das Vorkaufsrecht auf gute Sitzplätze am Traditionsturnier garantiert.

Für die Rekrutierung der Teams ist Davos-CEO Marc Gianola zuständig. Er nennt zwei wesentliche Kriterien, die zu erfüllen sind: Der sportliche Wert der Equipe müsse stimmen und die Organisation Feuer und Flamme für den Spengler-Cup sein. Mit Platz 6 in der letzten Saison habe Langnau bewiesen, auf dem richtigen Weg zu sein, sagt Gianola. Wobei die SCL Tigers 2020 wohl nur für eine Einladung infrage kommen, sollten sie es erneut ins Playoff schaffen.

Auch künftig sind zwei Schweizer Clubs unter den sechs Teilnehmern vorgesehen. Dass nicht nur Spitzenteams berücksichtigt werden, verdeutlicht das Beispiel Ambri. Triumphieren die Leventiner, würden sie als Titelverteidiger automatisch wieder Gastrecht geniessen.

Gianola geht nicht aktiv auf die Vereine zu, er weiss aber von drei, vier Interessenten, «und es gibt auch den einen oder anderen Club, der nicht kommen will». Für die ZSC Lions und Bern ist der Spengler-Cup ein Tabu-Thema. SCB-CEO Marc Lüthi ist es gewesen, der sich von Davos eine Entschädigung dafür erstritten hat, dass die Liga in der Altjahrswoche ruht.

Kein finanzielles Risiko

80000 Franken schüttet der HCD deswegen jährlich an die Konkurrenz aus, der Betrag wird auf zehn Vereine verteilt – wer am Spengler-Cup spielt, geht leer aus. Weil Kost und Logis übernommen werden und die Equipen am bedeutendsten Clubturnier der Welt eine Antrittsgage erhalten, besteht allerdings kein finanzielles Risiko. Gianola jedenfalls sagt, es habe bestimmt noch nie ein Schweizer Team wegen des Spengler-Cups finanzielle Einbussen hinnehmen müssen.

Eine andere Frage ist, welche Folgen die Zusatzbelastung hat, wie sie sich auf die Meisterschaft auswirken könnte. «Daher hat in dieser Angelegenheit die Sportabteilung das letzte Wort», sagt Jakob. Trainer Heinz Ehlers meint, er habe zu diesem Thema nicht wirklich eine Meinung, was einem positiven Statement gleichkommt, weil der Däne in der Regel sagt, wenn ihm etwas nicht passt. Sportchef Marco Bayer seinerseits zeigt sich in dieser Angelegenheit sehr offen, er will sich genau anschauen, wie es Ambri heuer ergeht und daraus die richtigen Schlüsse ziehen.

Die Tigers würde gewiss eine grosse Anhängerschaft hinauf nach Davos begleiten, sagt Marc Gianola. Peter Jakob kann sich gut vorstellen, den Kontakt zum Rekordmeister in absehbarer Zeit zu intensivieren.

Am Dienstag gastiert Davos in Langnau. Es wäre keine schlechte erste Gelegenheit.


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