In zwei Welten

Im Berufsleben ist Isabelle von Lerber eine Frau unter vielen. Im Sport ist die 25-jährige Bernerin eine Exotin.

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Peter Berger@PeterBerger67

Entweder heulen die Kinder oder die Motoren – Betrieb herrscht um Isabelle von Lerber meistens. Die 25-Jährige arbeitet als Fachfrau Betreuung in einer Kindertagesstätte und ist in der Freizeit als «schnellste Schweizer Rennlady» mit bis zu 150 Stundenkilometern im Kart unterwegs. Für die Bernerin passt das: «Ich kann arbeiten gehen und daneben mein Hobby ausüben.» Dass dabei die Erholung auf der Strecke bleibt, nimmt sie in Kauf.

Bereits seit 16 Jahren sitzt sie im Kart. Und wird immer besser. 2018 gewann von Lerber den letzten Meisterschaftslauf der KZ2-Serie. Die handgeschalteten 6-Gang-Boliden bilden die höchste Kategorie in der Kartwelt. «Ich konnte mich während der Saison stetig steigern.» Am Ende resultierte in der Schweizer Meisterschaft der dritte Schlussrang. Die etwas weniger hoch eingestufte, jedoch stärker besetzte Vega Trofeo konnte sie gewinnen.

Kampf um Anerkennung

Seit 2014 fährt von Lerber in der höchsten Kartstufe – als einzige Frau. «Als Frau braucht man ein gutes Umfeld, viel Begeisterung und ein gutes Selbstbewusstsein.» Denn nicht alle Fahrer können damit umgehen, von einer Frau überholt zu werden. Noch immer kämpft sie deshalb um Anerkennung. «Ich benötige definitiv mehr Erfolge als ein Mann, um respektiert zu werden. Es gibt noch heute Fahrer, die mich nicht grüssen oder mir gratulieren.» Auch eine Entschuldigung blieb vor zwei Jahren aus, als sie auf der Strecke «abgeschossen» wurde und dabei ein Schleudertrauma erlitt. Immer noch verspürt sie deswegen ab und zu Kopfschmerzen.

Im beruflichen Alltag befindet sich die Bernerin in der umgekehrten Position. Da ist sie eine Frau unter vielen. «Ein Lernender ist der einzige männliche Mitarbeiter.» In der 24-Stunden-Kita arbeitet von Lerber zwischen 80 und 100 Prozent; auch nachts und am Wochenende. «Mir gefällt die Tätigkeit mit den Kindern, ich arbeite schon seit vier Jahren hier.» Früher hat sie damit geliebäugelt, Automechanikerin zu werden. «Doch dann wäre ich auch im Beruf nur mit Männern zusammen gewesen», sagt sie lachend.

Keine Formel-1-Träume

Das Motorsportgen hat sie geerbt. Vater Beat bestritt historische Rundstrecken- sowie Bergrennen. Sie spielte schon als Kind lieber mit Autos als mit Puppen. Da sie in Busswil aufgewachsen ist, war sie oft auf der Kartbahn in Lyss anzutreffen. Von Lerber gehört zum Swiss Hutless Team, verfügt aber über einen eigenen Mechaniker. Finanziert wird sie von ihren Sponsoren. Geld ist ein ständiges Thema und der Hauptgrund, warum sie nie in den Automobilrennsport gewechselt hat. «Daran habe ich vielleicht als Kind einmal gedacht. Ich bin jedoch realistisch und weiss, dass das zu viel Aufwand und zu teuer wäre.»

Deshalb habe sie auch nie von der Formel 1 geträumt. «Ich bin zufrieden mit dem Kartsport. Und solange ich Spass habe, fahre ich weiter.» Die Liebe zum Motorenlärm ist jedenfalls noch nicht erloschen. Und wie steht es mit dem Wunsch nach Kinderlärm in der eigenen Wohnung? Von Lerber winkt ab: «Im Moment habe ich in der Kita genug Kinder um mich.»

Berner Zeitung

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