In Übersee fand Handballer Stefan Lanker keinen Verein

Der letzte Meistercaptain des BSV Bern, Stefan Lanker, lebt seit zweieinhalb Jahrzehnten an der Westküste der USA.

Stefan Lanker betrat erstmals die neue BSV-Arena.

Stefan Lanker betrat erstmals die neue BSV-Arena.

(Bild: Manuel Zingg)

Reto Pfister

Immer noch spricht er akzentfrei Berndeutsch. In der Bundesstadt hält sich Stefan Lanker aber nur noch selten auf. «Drei- bis viermal pro Jahr bin ich hier», sagt der 57-Jährige. Sein Lebensmittelpunkt ist die Westküste der USA, in Portland (Oregon) ist er als wissenschaftlicher Direktor einer Biotechfirma tätig, deren hauptsächliche Tätigkeit die Entwicklung verbesserter Medikamente zur Behandlung der Nervenkrankheit multiple Sklerose (MS) ist. «Jeder Kranke soll die auf ihn persönlich abgestimmten Heilmittel erhalten können», nennt Lanker das Ziel, das sein Arbeitgeber verfolgt.

Er war der Letzte, der als Captain des BSV Bern einen Meisterpokal in die Höhe stemmen konnte. Lanker war damals 23 Jahre alt. «Man hat mich angefragt, ob ich Captain werden wolle», sagt er. «Ich habe zugesagt, weil ich schon damals gern dafür gesorgt habe, dass Leute zusammen etwas erreichen können.» Der Kreisläufer war als Jugendlicher Leichtathlet und Handballer; er entschied sich schliesslich für die Teamsportart. «Handball ist körperlich intensiv und gleichzeitig wegen der komplexen Spielzüge eine Kopfsportart.» Was eine Erklärung ist, warum viele angehende Akademiker sich auf dem Parkett tummeln.

Nichts verdient

Auch Lanker gehört in diese Kategorie. In den 80er-Jahren war es noch viel wichtiger als heute, parallel zur sportlichen die berufliche Laufbahn voranzutreiben. Die Spieler verdienten auch als Nationalspieler, der Lanker seinerzeit war, in den Vereinen nichts. Er studierte Chemie und Biochemie, doktorierte. Und entschied sich 1993, zusammen mit seiner Partnerin, in die USA zu übersiedeln. Im kalifornischen San Diego erhielt das Paar attraktive Möglichkeiten, seine Postdoc-Studien zu absolvieren.

Der Berner wollte auch in Übersee noch nicht aufs Handballspielen verzichten. In den USA ist die Sportart wie in allen angelsächsischen Ländern jedoch wenig verbreitet. «Ich habe an der ganzen Westküste nach einem Handballclub gesucht, aber nichts gefunden», sagt Lanker. Sportlich ist er bis heute geblieben, fährt Rad und hält sich gern in den Bergen auf.

Zu seiner aktiven Zeit waren von den Mitspielern Konrad Affolter und Beat Schiesser seine besten Freunde. Am Samstag kam es zum Wiedersehen, als der Verein sein 60-jähriges Bestehen feierte. Lanker interessiert sich immer noch für die Berner Handballer, im Internet informiert er sich über die Entwicklung des Vereins. Und hat so mitbekommen, dass eine neue Halle gebaut wurde.

«Sie ist super, die Gestaltung in den Farben Schwarz-Rot gefällt mir sehr», gerät er ins Schwärmen. Bald werden seine Kinder in die Schweiz ziehen; der Sohn ist Software-Ingenieur, die Tochter studiert Medizin. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass meine Frau und ich in ein paar Jahren wieder hier leben werden», sagt Lanker. Und dann würde man ihn wohl ab und zu auch wieder an BSV-Spielen antreffen.

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