Zum Hauptinhalt springen

Hand-Werker

Wacker Thuns junge Garde besteht zu grossen Teilen aus Nicht-Studenten. Das ist unüblich für die hiesige Szene.

Das Tor ausmessen: Cedric Manse (links) und Nino Gruber, Handballer und gelernte Schreiner.
Das Tor ausmessen: Cedric Manse (links) und Nino Gruber, Handballer und gelernte Schreiner.
Stefan Wermuth

Was haben Postfinance-CEO Hansruedi Köng, Urs Berger, der Verwaltungsratspräsident der Mobiliar, und UBS-Chefökonom Daniel Kalt gemein? Alle sind sie Wirtschaftsgrössen, klar. Es sind Akademiker; das ist naheliegend. Und: Sie spielten Handball.

Die Kombination aus Handball und dem Gang an die Universität ist hierzulande sehr verbreitet. Auch die Thuner beschäftigen viele Akteure, welche studieren oder studiert haben.

Luca Linder etwa besitzt einen Masterabschluss in Business Administration, Nicolas Suter ist in Zürich immatrikuliert, strebt nach einer Karriere im Bereich Banking and Finance. Die jüngsten Jahrgänge enthalten derweil kaum Studenten. Nino Gruber und Cedric Manse etwa sind gelernte Schreiner.

22-jährig und talentiert sind sie beide sowie mit einer Doppellizenz ausgestattet, welche es ihnen ermöglicht, für die Oberländer und deren in der Nationalliga B engagierten Partnerverein Steffisburg aufzulaufen. Betreten sie nach 17 Uhr die Lachenhalle, haben sie bereits einen acht-, neunstündigen Arbeitstag hinter sich: Sie sind Vollzeitangestellte, im 100-Prozent-Pensum tätig.

Kurz nach 6 aufstehen, spätestens um 7 Uhr mit Arbeiten beginnen, am Abend ins Training gehen und um 21 Uhr nach Hause kommen, ein Nachtessen zubereiten: Das ist für Manse Alltag, wie er sagt.

Im Gegensatz zum Teamkollegen arbeitet er auf dem erlernten Beruf. Dass er in Bezug auf Belastung und Erholung als Handwerker Nachteile gegenüber jenen hat, welche keine körperliche Arbeit verrichten, glaubt er nicht.

«Jeden Tag während Stunden am PC zu sitzen, ist ja auch anstrengend – für den Kopf», sagt er. Gruber arbeitet bei einem auf Boden- und Wandbeläge spezialisierten Unternehmen im Bereich Planung und Verkauf. Er sagt, mit seinem neuen Job sei Spitzensport besser vereinbar.

Die beiden Rechtshänder bilden mit Ramon Stettler, einem Torhüter Steffisburgs, eine Wohngemeinschaft. Auf der Couch sitzen und nichts tun: Das kommt in dieser Bleibe selten vor. Freie Zeit sei rar, sagt Gruber, und wenn er welche habe, ziehe er es vor, sie draussen zu verbringen.

In der 9. Klasse und damit ungewöhnlich spät trat er, der Hochbegabte, dem Club bei. Seither sind ausgefüllte Tage Standard. Er sagt, er hätte es nicht anders gewollt, «ich habe dadurch gelernt, zu beissen».

Die Sache mit der Wäsche

Für gewisse Dinge bleibt in der Handballer-WG an Wochentagen kaum Zeit, fürs Wäschewaschen etwa. Die Kleider würden sich teils stapeln, erzählt Linksflügel Gruber lachend, und er meint, in derlei Situationen vermisse man die Mutter besonders, nähme diese einem doch Arbeit ab.

Die Talente glauben nicht, dass sie früher zurücktreten werden, bloss weil sie ein beträchtliches Pensum stemmen. Indem er für Wacker auflaufen dürfe, habe er sich einen Bubentraum erfüllt, hält Regisseur Manse fest. «Die Freude am Handball ist riesig und der Grund, warum wir all das auf uns nehmen», meint er.

Und so werden die gelernten Schreiner noch eine ganze Weile Mass nehmen am gegnerischen Tor.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch