Er liebt es, Grenzen auszuloten

Der junge Finne Jyri Korsman (35) hat bei Meister Floorball Köniz als Coach das grosse Erbe von Vereinslegende René Berliat angetreten.

<b>Mag die Freundlichkeit der Schweizer:</b> Köniz-Coach Jyri Korsman.

Mag die Freundlichkeit der Schweizer: Köniz-Coach Jyri Korsman. Bild: Fabian Trees (Imagepower.ch)

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Prag, August 2016: Habfinale im «Czech Open», dem bestbesetzten Vorbereitungsturnier weltweit. Floorball Köniz mit Trainer Berliat holt sich den letzten Schliff in der tschechischen Hauptstadt.

Die Könizer treffen nach der Gruppenphase auf das finnische Topteam EräViikingit, den späteren Turniersieger. Eigentlich uninteressant – wäre da nicht ein gewisser Jyri Korsman, Headcoach des finnischen Vertreters. «Ich war beeindruckt, dass ein Schweizer Team so gut spielt», sagt er später. Korsman behält die Könizer auf seinem persönlichen Radar.

Berliats Fussstapfen

Niemand weiss zu diesem Zeitpunkt, dass Berliat seine vorletzte Saison mit den Vorstädtern bestreitet, in seinem letzten Jahr den ersten Meistertitel gewinnen wird und im Sommer 2018 Korsman in seine Fussstapfen tritt. «Ich hatte auch ein wenig Glück», sagt Korsman über sein Engagement beim Meister.

Im letzten Jahr trainierte er kein Team, bildete sich stattdessen in verschiedenen Teamsportarten in Finnland weiter, irgendwann kam der Anruf. Er war bereit. Der kahlköpfige Finne stieg schon früh ins Trainergeschäft ein, mit 15 Jahren übernahm er ein Team, das nur zwei Jahre jünger war als er. Mit der U-19-Nati Finnlands wurde er Weltmeister, zudem hat Korsman bereits drei Bücher publiziert, «um mehr aus dem Unihockey herauszuholen».

«Wer weiss, wie lange ich noch Trainer bin, wenn die Resultate nicht stimmen?»Jyri Korsman

Nun trainiert Korsman die Vorstädter, liegt mit seiner Mannschaft auf dem zweiten Platz, meint aber auch: «Im Moment sind wir noch nicht so stark.» Er spricht den verpatzten Saisonstart mit zwei Niederlagen an, ist sich aber bewusst: «Das war der Beginn, der dieses Team benötigte», und fügt an: «Wenn wir etwas erreichen wollen, dann muss es auch eine gewisse Herausforderung sein.»

Anzufügen ist: Ein Tag vor dem Meisterschaftsstart gewann Korsman mit Köniz in seinem ersten Pflichtspiel sogleich den Supercup. Nach den Niederlagen in der Liga habe er seine Freundin in Helsinki angerufen, die gerade ihren Job künden wollte, um in die Schweiz zu ziehen. «Vielleicht solltest du das noch nicht tun», habe er ihr geraten. «Wer weiss, wie lange ich noch Trainer bin, wenn die Resultate nicht stimmen?».

Schweizer Handschläge

Der 35-jährige sucht aber bewusst diese Herausforderung; er liebt es, an seine Grenzen zu gehen: «Ich muss arbeiten, wo man mich entlassen kann.» Es gefällt ihm gut in Köniz, seine Spieler arbeiten hart und befolgen seine Anweisungen. Dies sei in Finnland nicht immer so. Als Korsman einem Akteur bei EräViikingit einen Ratschlag geben wollte, antwortete dieser prompt mit: «Fuck off, let me play!»

Insgesamt seien die Schweizer viel freundlicher: «In Finnland wünscht dir nicht jeder einen schönen Tag, und vor allem grüsst man sich vor dem Training nicht per Handschlag», bestätigt Korsman. Dafür sei der Terminplan in der Schweiz viel strikter. Trainiert man bis 21.30 Uhr, darf man eine Minute später nicht noch in der Halle dehnen. Korsman hat sich mittlerweile gut an seine neue Heimat gewöhnt; er plant, länger hierzubleiben: «Ich dachte so an vier, fünf Jahre.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.11.2018, 07:29 Uhr

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