«Dominic steht ein weiter Weg bevor»

Dominic Stricker (17) hat laut Sven Swinnen das Potenzial dazu, ATP-Turniere zu bestreiten. Dass der aufstrebende Berner Linkshänder ist, betrachtet der Nationaltrainer als Vorteil.

Dominic Stricker ist momentan Elfter im weltweiten U18-Ranking.

Dominic Stricker ist momentan Elfter im weltweiten U18-Ranking.

(Bild: Beat Mathys)

Adrian Horn

Verraten Sie uns zunächst, Herr Swinnen: Stimmt die Episode, wonach Sie Roger Federer in einem Satz 6:0 geschlagen haben?
(schmunzelt) Wir waren damals 14-jährig und auf dem gleichen Niveau: Manchmal gewann er, manchmal setzte eben ich mich durch. Später machte er dann einen Riesensprung; da konnte ich nicht mehr mithalten.

Sie sind nun einer der Coachs Dominic Strickers. Dieser stiess kürzlich in die Top 10 des Juniorenrankings vor: eine Garantie für eine Profilaufbahn?
Nein, das ist es ganz bestimmt nicht. Natürlich ist es eine super Voraussetzung, dort gut klassiert zu sein – andernfalls wäre es zwar nicht unmöglich, den Durchbruch zu schaffen, aber erfahrungsgemäss würde es sehr schwierig. Wer heute vorne dabei ist, war fast ausnahmslos mal ein starker Junior.

Wie weit kann es Stricker denn bringen?
Für Talente wie ihn lautet das Fernziel, auf Stufe ATP und damit auf der Profitour zu spielen. Aber das Durchschnittsalter an der Spitze steigt, das Einstiegsalter im Mittel genauso. Meist ist man heute 21, 22, wenn man in die Top 100 vorstösst. Dominic steht ein weiter Weg bevor. Aber er hat Zeit (er ist 17; die Red.).

Wie wahrscheinlich ist, dass er im nächsten Jahr an einem Schweizer ATP-Turnier mit einer Wildcard ausgestattet werden wird?
Das ist sehr schwierig zu sagen und auch davon abhängig, wie er sich 2020 schlagen wird. Er wird sich auf der Future-Tour versuchen, und da wird man sehen, wie er im Vergleich mit älteren Spielern dasteht. Und es ist das Ziel, dass er an den Junioren-Grand-Slam-Turnieren weit kommt.

Zuletzt an den US Open stand er im Viertelfinal.
Er steigerte sich bei den Majors kontinuierlich. An den Australian Open im Januar war er noch sehr nervös gewesen. Es klappte da auch deswegen nicht.

Stricker verbesserte sich im Juniorenranking innert weniger Monate um über 100 Plätze. Wie ist so was möglich?
Es ist nicht so, dass er sich erst gar nicht entwickelt und dann einen riesigen Sprung gemacht hätte. Er hat sich sukzessive gesteigert. Und dies begann sich in der Rangliste niederzuschlagen.

Was zeichnet ihn aus?
Er kann das Spiel hervorragend lesen, weiss oft, was der Gegner als Nächstes tun wird. Er hat ein sehr feines Händchen. Er ist in der Lage, Aufschlag-Volley zu spielen, was heute nicht mehr so verbreitet ist. Und dass er Linkshänder ist, ist ein kleiner Vorteil.

Er hat vereinzelt mit Federer trainieren dürfen. Wie sehr profitiert er davon?
Das ist in erster Linie eine grosse Motivation. Und es ist sinnvoll, dass er am Rande der Einheit auch mal eine Frage stellt, damit er von Roger lernen kann. Aber Trainings mit Federer: Das ist die Ausnahme. Der Alltag ist die harte Arbeit im Verborgenen. Und die ist entscheidend.

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