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Dienstuntauglich, aber mit grosser Unterstützung

Mittels Crowdfunding will der Marathonläufer Adrian Lehmann die Saison 2020 finanzieren.

Adrian Lehmann (vorne) läuft nicht mehr als Soldat. Foto: athletix.ch
Adrian Lehmann (vorne) läuft nicht mehr als Soldat. Foto: athletix.ch

Adrian Lehmann befindet sich für einen Marathonspezialisten in den besten Jahren. Gerade ist er 30 Jahre alt geworden. Und von der Armee ausgemustert worden. Der in Köniz wohnhafte Oberaargauer wurde von einer medizinischen Untersuchungskommission aufgeboten, um sich wegen seiner Psoriasis, einer Form von Rheuma, beurteilen zu lassen. Deswegen hatte er mehr als ein Jahr keine Wettkämpfe mehr bestritten, allerdings bereits sein Comeback gegeben.

Die Kommission, an standardisierte Reglemente gebunden, erachtete den Läufer für dienstuntauglich. Deren Mitglieder rieten Lehmann jedoch, bei einer zentralen Untersuchungsinstanz Rekurs einzulegen. Was er ohnehin wollte. Es sollte kein grosses Problem sein, dort diensttauglich erklärt zu werden, die Ärzte in dieser Kommission könnten freier auf den Einzelfall eingehen. Doch auch diese kamen zum Urteil: dienstuntauglich.

10'000 Franken fehlen

Ein Teil der männlichen Schweizer Bevölkerung wäre über einen solchen Befund erfreut. «Juhui, ich muss nicht mehr ins Militär!», würden sie frohlocken. Anders Lehmann. Er war Spitzensportsoldat, ihm erleichterte die Zugehörigkeit zur Armee sein Dasein als Athlet. Lehmann gehört nicht der Kategorie der Stars an, die sich problemlos ihr Dasein als Profiläufer finanzieren können. Er muss jedes Jahr schauen, genügend Mittel zusammenzubekommen.

Als Soldat konnte er pro Jahr hundert Diensttage absolvieren und diese zu Trainingszwecken nutzen. Während dieser Zeit erhielt er Sold und Erwerbsersatz, zudem durfte er die Infrastruktur des Bundesamtes für Sport in Magglingen und Tenero kostenlos nutzen. All dies fällt nun weg. «Es fehlen mir so auf einen Schlag 10'000 Franken pro Jahr», sagt Lehmann. Geld, das er anderweitig auftreiben muss. Mittelfristig mittels zusätzlicher Sponsoren, für das nächste Jahr durch ein Crowdfunding.

Dieses hat Lehmanns WG-Kollege Christopher Gmür organisiert, der vor einem halben Jahr seine Karriere als Läufer beendete und für einen Sportverband arbeitet. «Es ist ein Freundschaftsdienst, ein Geschenk für ihn zum 30. Geburtstag», nennt Gmür die Motivation für sein Engagement. Bewusst wählte er den Weg ausserhalb einer Crowdfunding-Plattform, damit auch alles Geld Lehmann zugutekommt. Der Fanclub des Läufers unterstützt die Sammelaktion ebenfalls, ausserdem wurde sie auf Social Media bekannt gemacht. Etwa die Hälfte der benötigten 10'000 Franken ist bereits zugesagt. Gmür ist zuversichtlich, dass der ganze Betrag gesammelt werden kann und sein Kollege die Saison 2020 ohne finanzielle Sorgen bestreiten kann.

Jedes Jahr kann allerdings nicht ein solches Crowdfunding gestartet werden. «Längerfristig muss ich zusätzliche Sponsorengelder akquirieren», ist sich Lehmann bewusst. Ansonsten könnte er nicht mehr Laufprofi sein, sondern müsste sich wieder einen Teilzeitjob suchen. Was er eigentlich nicht möchte. Lehmann hat während seiner Verletzungspause seine Stelle als Konstrukteur gekündigt, um sich ganz dem Sport zu widmen.

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