Die Berner rocken

Die Futsal-Premier League ist in Berner Händen. Uetendorf, Mobulu Futsal Bern und Minerva liegen derzeit an der Tabellenspitze. Auch die Nationalequipe besteht fast zur Hälfte aus Berner Akteuren.

Stürmer Evangelos Marcoyannakis von Minerva Bern gehört auch in der Nationalmannschaft zu den Leistungsträgern. Foto: Stefan Wermuth

Stürmer Evangelos Marcoyannakis von Minerva Bern gehört auch in der Nationalmannschaft zu den Leistungsträgern. Foto: Stefan Wermuth

Adrian Lüpold

Drei Berner Teams drücken der Futsalszene gerade den Stempel auf. Nach fünf Runden sind Uetendorf, Mobulu Uni Bern und Minerva (erst vier Spiele) noch ungeschlagen und belegen in der Premier League die drei ersten Plätze. «Die Saison ist jung und die Tabelle nur eine Bestandsaufnahme», sagt Roland Truog, Gründer und Trainer des Tabellenführers Uetendorf. Zumindest die nächsten drei Wochen können die Oberländer ihre Position geniessen – so lange ruht die Meisterschaft wegen einer Länderspielpause.

In Cergy, einem Vorort von Paris, wird die Nationalequipe im Rahmen der Hauptrunde zur WM-Qualifikation versuchen, den Titelkämpfen 2020 in Litauen einen Schritt näher zu kommen. In einer Gruppe mit Serbien, Frankreich und Belgien muss einer der ersten beiden Plätze erreicht werden, um die nächste Qualifikationsstufe zu erreichen. Fast die Hälfte des Kaders besteht aus Bernern.

Das Aushängeschild

Vier Spieler stellt dabei Minerva. Viermal (2012, 2013, 2017, 2019) gelangten die Berner zu Meisterehren, sie sind auch in dieser Saison das Team à battre. Im August verpasste Minerva gegen Profiteams aus Rumänien und Griechenland nur knapp die Zwischenrunde zur Champions League, was viel über die Stärken des Clubs aussagt. «Es ist beeindruckend, wie professionell Minerva arbeitet», sagt Truog von Konkurrent Uetendorf. Minervas Verantwortliche orientieren sich an den Profiligen.

Sie beschäftigen mit dem Portugiesen Pedro Santos einen Fachmann als Coach, der einst Sporting Lissabon, den aktuellen Titelhalter der Champions League, trainierte. Minerva absolviert mehr als 100 Trainings pro Saison, die Spieler konzentrieren sich nur auf Futsal. Auch an der Basis wird viel getan. Minerva unterhält eine Futsal-School und arbeitet im Jugendbereich mit YB zusammen.

Talentierte All-Star-Equipe

Diametral anders als Minerva funktioniert der FC Uetendorf. «Ich weiss jeweils am Samstag noch nicht, welche Spieler am Sonntag auflaufen», sagt Coach Truog schmunzelnd. Uetendorf ist eine Art All-Star-Equipe des Regionalfussballs mit Spielern von Breitenrain, Muri-Gümligen, Prishtina oder Rothorn. Trainiert wird nicht, weil die Akteure unter der Woche in ihren Clubs dem Ball nachjagen. Die Akteure verfügen aber über so viel Spielwitz und Qualität, dass sie aktuell trotzdem an der Spitze mitmischen.

«Im taktischen Bereich und bei Standards haben wir wegen der fehlenden Trainings ­Defizite», erklärt Truog und ergänzt: «Die Spieler machen viel mit ihrem Talent weg.» Bei ­Uetendorf stehe der Spass im Vordergrund. «Die Spieler sind befreundet, sie sind bei Uetendorf, weil sie es cool finden», sagt ­Truog, der seine Schützlinge nach jedem Spiel in den McDonald’s zum Essen einlädt.

Auf dem Weg zu alter Stärke

Seit dem Meistertitel 2015, der einen grossen Umbruch zur Folge hatte, gelang es Mobulu Futsal Uni Bern nicht mehr, ganz vorne mitzumischen. Nun scheinen die Panther (Wappentier von Mobulu) auf dem Weg zurück an die Spitze zu sein. Spielertrainer Mirko Wilhelm, der auch die Nationalequipe assistiert, ist ein ausgewiesener Fachmann, der genau weiss, an welchen Schrauben gedreht werden muss.

Mit Elia Wälty kehrte zudem ein routinierter Nationalspieler zurück, der im Ausland wertvolle Erfahrungen gesammelt hat und Mobulu in der Offensive unberrechenbarer macht. Generell haben die Stadtberner in der Futsalszene einen absoluten Vorbildcharakter. Sie verkörpern Tradition, spielen seit 13 Jahren in der höchsten Liga und stehen auch für die Ausbildung junger Talente wie kaum ein anderer Club, indem sie sogar ein U-21-Team in der 1. Liga am Start haben.

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