Der Shootingstar unter den Junioren

Dominic Stricker nimmt in Paris an seinem zweiten Junioren-Grand-Slam-Turnier teil. Die Formkurve des 16-jährigen Talents aus Grosshöchstetten zeigt derweil steil nach oben.

Träumt gross: Der 16-jährige Dominic Stricker will einst die Nummer 1 der Welt werden.

Träumt gross: Der 16-jährige Dominic Stricker will einst die Nummer 1 der Welt werden.

(Bild: Beat Mathys)

Marco Spycher

Koffer auspacken, Wäsche waschen, Koffer einpacken: Etwa so lebt sich das Leben für Dominic Stricker momentan. Für seine Leidenschaft, das Tennis, reist er von Ort zu Ort, von Turnier zu Turnier. «Zu Beginn war das noch speziell. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt», sagt Stricker, der noch keine 17 Jahre alt ist.

Am vergangenen Wochenende kam er von Mailand nach Hause, am Mittwoch reiste er weiter Richtung Paris, Richtung Roland Garros, wo er ab Sonntag sein zweites Junioren-Grand-Slam-Turnier in Angriff nehmen wird. Seine Premiere hatte er im Januar in Melbourne gegeben, als er in der ersten Runde ausschied. Dieses Mal will er aber mehr: «In Australien war alles neu für mich. Nun hoffe ich, den ersten Match zu überstehen. Und dann ist alles möglich.»

Die Anfänge

Am Montagnachmittag sitzt Stricker an einem Tisch in der Kantine von Swiss Tennis in Biel. Der 16-Jährige erzählt von seinen Anfängen im Tennis, seinem steilen Aufstieg und seiner Zukunft. Und dies mit einem etwas rötlichen Gesicht. Kein Wunder, soeben hat er sein vierstündiges Training abgeschlossen.

Stricker ist in Grosshöchstetten aufgewachsen, wohnt seit vergangenem August im nationalen Leistungszentrum des Schweizer Tennisverbands in Biel. «Die Entscheidung, von zu Hause auszuziehen, fiel mir nicht leicht. Aber ich habe hier meine zweite Heimat gefunden.» Wohl nicht zuletzt darum, weil er mit Joël Meylan einen alten Bekannten als Zimmergenossen hat. Im August 2008 haben sie zusammen begonnen Tennis zu spielen. Auf den Monat genau zehn Jahre später hat sich der Kreis also geschlossen.

Seine Familie sieht Stricker nur noch selten, höchstens an den Wochenenden, wenn er nicht gerade ein Turnier bestreitet. Nebst den internationalen Veranstaltungen spielt er nämlich im hiesigen Interclub, wo er zum NLC-Team von Sporting Bern gehört, zu dessen Equipe ebenfalls Ex-Profi und Headcoach der U-23 bei Swiss Tennis, Yves Allegro, zählt. Und wenn Stricker dann einmal Zeit für sich findet, geht er gerne golfen, mit seinem Vater angeln oder er tut einfach nichts. Wobei er auch die Schule noch mit unter einen Hut bringen muss. Er wolle einen Plan B offenhalten, sollte es mit dem Tennis nicht klappen. Deshalb absolviert er das Sport-KV.

Der Aufstieg

2017 sagte sein damaliger Privatcoach Jürgen Strehlau gegenüber dieser Zeitung, dass Stricker überzeugter von sich werden müsse, dass er sich typisch schweizerisch verhalte. Strehlau ist zwar nicht mehr sein Privatcoach, aber seine Worte haben Früchte getragen. «Ich habe hart gearbeitet, wurde mit Erfolgen belohnt. und damit ist mein Selbstvertrauen automatisch gestiegen. In diesem Bereich habe ich mich stark verbessert.»

Aber nicht nur: Der Linkshänder mit starker Vorhand spielte sich auf bemerkenswerte Art und Weise im internationalen U-18-Ranking nach vorne auf den 28. Platz. In der Schweiz ist er bereits die Nummer 30, darüber hinaus gehört er seit Januar dem A-Kader von Swiss Tennis an. Kein Wunder also, wird in der hiesigen Tennisszene rege über ihn gesprochen.

Der Traum

Er wolle später einmal vom Tennis leben können, vielleicht einmal in den Top 50 oder den Top 10 der Welt stehen. Als langfristiges Ziel definiert er gar, die «Nummer 1 der Welt» zu werden. Der Junge hat Träume. Ob diese realistisch sind, lässt sich nicht abschätzen. Wenn er dieses Jahr so beenden wird, wie er es begonnen hat, dürfte er im Dezember bereits in den Top 10 des U-18-Rankings stehen. Und die Formkurve zeigt ja steil nach oben. Er sagt überzeugt: «Ich bin noch nicht am Ende angekommen.» Bis dann wird er noch einige Male die Koffer auspacken, die Wäsche waschen und die Koffer wieder einpacken müssen.

Berner Zeitung

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