«Das ist mein bisher grösster Erfolg»

Nach dem ersten Weltcupsieg geht es für den Burgdorfer Kletterer Sascha Lehmann (21) ohne Pause weiter.

Sascha Lehmann hatte in Villars alles im Griff.

Sascha Lehmann hatte in Villars alles im Griff.

(Bild: SAC/David Schweizer)

Peter Berger@PeterBerger67

Was verändert der erste Weltcupsieg in Villars für Sie?
Sascha Lehmann: Schwierig zu sagen. Er zeigt mir, dass die Form stimmt und ich mit den Besten mithalten kann. Klar ist, dass ein Sieg das Selbstvertrauen stärkt. Auf der anderen Seite macht er auch Druck, weil man den Erfolg nun bestätigen muss. Aber das gute Gefühl überwiegt natürlich.

Sie konnten bisher noch keinen Weltcup-Podestplatz vorweisen. Hat sich der Coup in Villars irgendwie abgezeichnet, oder kam er überraschend?
Während der Saisonvorbereitung trainierten wir unter anderem zweimal während dreier Tage in Innsbruck. Im österreichischen Leistungszentrum gibt es die schwierigsten Routen, entsprechend viele Topathleten sind jeweils dort. Der Vergleich mit ihnen zeigte mir, dass im Idealfall ein Podestplatz möglich ist.

Im April folgte der vierte Platz am Boulder-Weltcup in China. Hatte dieser für Sie als Lead-Spezialisten Signalwirkung?
Das kann man so sagen. Es war mein erster Finaleinzug im Bouldern und bestätigte mir, dass ich in der Vorbereitung mit den Einheiten im Kraftraum, im Leistungszentrum in Biel oder eben in Innsbruck gut gearbeitet habe.

Ist der Lead-Weltcupsieg höher einzustufen als Ihre Jugend-Weltmeister- und -Europameistertitel?
Das ist mein bisher grösster Erfolg, weil ich ihn gegen die Besten der Welt realisiert habe und nicht nur gegen Konkurrenten mit dem gleichen Jahrgang. Grundsätzlich sind jedoch alles schöne Erinnerungen, die ich nicht werten möchte.

Wie sieht Ihr Wochenprogramm nach dem Triumphvom Samstag aus?
Ich bin am Sonntag noch in Villars geblieben und war als Schiedsrichter beim Jugendwettkampf tätig. Am Montag habe ich am Vormittag in Uster Lead, am Nachmittag in Biel Bouldern trainiert. Am Dienstag war ich zuerst in der Kletterhalle in Ostermundigen, den Nachmittag verbrachte ich zur Erholung im Marzilibad. Und am Mittwoch ist die Anreise nach Chamonix, wo am Donnerstag schon der nächste Weltcup-Wettkampf beginnt.

Seit dem Abschluss des Gymnasiums vor drei Jahren sind Sie Profi, wovon leben Sie?
Vorwiegend von der Unterstützung der Sporthilfe. Neu erhalte ich von der Firma Mammut zudem mehr als nur Material, was mir viel bedeutet, aber letztlich auch resultatabhängig ist.

Das einst angedachte Physikstudium haben Sie noch nicht aufgenommen?
Nein, ich habe mich entschlossen, mindestens bis Sommer 2020 Profi zu bleiben. Zudem ist jetzt auch klar, dass ich im Winter die Spitzensport-RS absolvieren werde. Dadurch kann ich von den professionellen Ressourcen in Magglingen profitieren.

Im Sommer 2020 sind die Olympischen Spiele in Tokio. Der Weltcupsieg hat keine direkte Auswirkung auf eine Qualifikation.
Das stimmt. An der WM im August in Tokio qualifizieren sich die Top 7 direkt für die Olympischen Spiele. Im November erhalten die Top 20 in Toulouse eine letzte Chance für sechs weitere Startplätze. Mit dem Weltcupsieg ist immerhin die Qualifikation für Toulouse schon fast sicher, insofern weiss ich, dass ich zwei Chancen haben werde.

Berner Zeitung

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