Aufbruch mit Fernandez

Der Fechtclub Bern will ein Nachwuchs- und nationales Leistungszentrum werden. Aushängeschild des Projekts ist der frühere Weltklassefechter Silvio Fernandez.

<b>Trainer Silvio Fernandez</b> gibt Isabelle Burkhard (links) und Jonathan Fuhrimann Anweisungen.

Trainer Silvio Fernandez gibt Isabelle Burkhard (links) und Jonathan Fuhrimann Anweisungen.

(Bild: Beat Mathys)

Peter Berger@PeterBerger67

Für die Berner Fechtikone Daniel Giger ist klar: «Silvio Fernandez ist ein Glücksfall für Bern.» Der frühere Spitzenfechter aus Venezuela arbeitet seit dem 1. August als Nachwuchstrainer im Fechtclub Bern. Und der mehrfache Olympiateilnehmer hat Grosses vor: «Wir wollen in Zukunft den Grossteil des Schweizer Nationalkaders stellen.»

Der Aufwind im Fechtkeller in der Berner Länggasse ist spürbar. Der Raum ist am Mittwochabend gut gefüllt, Fernandez erteilt überall Anweisungen und gibt Ratschläge. Unterstützt wird er von Maître Gabriel Nielaba. Der 60-jährige Fechtlehrer leitet den Club – als Nachfolger seines Vaters - seit 18 Jahren. «Wir sind ein gutes Team», sagt Nielaba und schwärmt von Fernandez.

Von 2012 bis zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio hat er den Venezolaner als Coach betreut. «Ich bin mit ihm um die ganze Welt gereist und kenne ihn gut. Er war die Nummer 1 der Welt. Dass er jetzt hier ist, ist genial.»

Sogwirkung

Das finden auch die Athleten. Der Berner Jonathan Fuhrimann (16) sagt: «Er gibt mir qualitative Inputs und weiss, was es braucht, erfolgreich zu sein. Er hilft mir enorm.» Das bestätigt auch die Thunerin Isabelle Burkhard (17): «Seine Anweisungen sind klar und wertvoll. Er sieht Sachen, die andere nicht sehen. Er beeinflusst unseren Club extrem positiv.»

Fernandez hat Sogwirkung: Bereits sind Talente von anderen Clubs – wie beispielsweise die Favre-Geschwister Aurore, Angeline und Hadrien von Siders - zum Fechtclub Bern gewechselt. «Die Neuen kommen nicht nur meinetwegen, sie kommen wegen der Gruppe, wegen der Qualität im Training», hält der neue Trainer fest.

Drei Säulen

Der 40-Jährige ist fest entschlossen, den Berner Club neu zu positionieren. «Unser Projekt basiert auf drei Säulen. Wir wollen ein Ausbildungszentrum werden. Neben der sportlichen Schulung sollen dazu schon die ganz Kleinen Werte wie Disziplin, Kameradschaft oder Loyalität vermittelt bekommen.»

Die zweite Säule beschreibt Fernandez so: «Neben dem Ausbildungs- wollen wir auch ein Leistungszentrum werden. Eine Gruppe der Kleinen fördern wir gezielt und wollen sie bei der Elite zuerst an die nationale und dann an die internationale Spitze heranführen.»

Der Club soll aber weiterhin auch das Zuhause der älteren Fechter sein, die keine Wettkämpfe mehr bestreiten wollen, oder der aktiven Eltern der Kinder. «Auch die Hobbyfechter sollen sich bei uns wohlfühlen und sind wichtig.»

Mann von Sophie Lamon

Fernandez ist schon länger mit Bern und der Schweiz verbunden. Er ist der Ehemann der früheren Walliser Spitzenfechterin Sophie Lamon und wohnt mit ihr und den zwei Töchtern in Ostermundigen. Bis im Juli hat er auf der Botschaft Venezuelas in Bern als Diplomat («Ich war 1. Sekretär») gearbeitet. Deshalb trainierte er schon seit Jahren öfters beim Fechtclub Bern mit und half auch bei Trainings aus.

«Dass wir ihn engagieren konnten, ist eine Reihe von glücklichen Zufällen», meint Lars Frauchiger. Der neue Präsident des Fechtclubs Bern gilt als eine der treibenden Kräfte im Hintergrund. «Ich bin nicht allein, aber natürlich braucht es Herzblut.» Und Geld.

Um das Projekt zu finanzieren, wurde das Budget laut Frauchiger um 25 bis 30 Prozent auf 215000 Franken erhöht. Die Mitgliederbeiträge wurden angepasst, neue Sponsoren akquiriert. Frauchiger gehört auch zum Komitee von Swiss Fencing. «Der Verband begrüsst unser Projekt, er profitiert von Clubs mit Nachwuchsförderung.»

Das «Gold-Mandat»

Der Verband profitiert indes auch von Fernandez. Als das Schweizer Degenteam um Max Heinzer im vergangenen Sommer in China erstmals in der Geschichte WM-Gold gewann, hatte Fernandez als Videoanalyst entscheidenden Anteil daran. «Ich bestimme die Taktik mit, helfe die Technik der Athleten zu verbessern und analysiere jeweils die Gegner», beschreibt Fernandez sein Mandat, das vorerst bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio läuft.

Dass er einst selber Nationaltrainer werden könnte, ist für ihn derzeit kein Thema. «Das Projekt hier in Bern beansprucht mich sehr. Bis all meine Vorstellungen umgesetzt sind, rechne ich mit einem Zeithorizont von 10 Jahren.» Seine Ambitionen sind hoch und klar: Fernandez will Berner zu Olympiasiegern formen.

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