Noch eine Sekunde von Tokio entfernt

Thierry Bollin dürfte sich als erster Berner Schwimmer seit 1984 für die Olympischen Spiele qualifizieren.

Taucht Thierry Bollin vielleicht schon nächstes Jahr an den Olympischen Spielen auf?

Taucht Thierry Bollin vielleicht schon nächstes Jahr an den Olympischen Spielen auf?

(Bild: Raphael Moser)

«2019 wird das bislang wohl stressigste Jahr», meint Thierry Bollin und bleibt dabei gelassen. Denn momentan ist von Stress keine Spur. Der 19-Jährige hat eine dreiwöchige Ruhepause, ehe es im Mai richtig losgeht. Dann beginnt die Aufbauphase für die im Juli stattfindende Weltmeisterschaft im südkoreanischen Gwangju. Es wird seine erste Langbahn-WM sein.

Auf der Kurzbahn gab der schweizerisch-deutsche Doppelbürger bereits im Dezember seine WM-Premiere auf Elite-Niveau. Und zog dabei seine Lehren. «Ich war nicht zufrieden. Es war dann doch etwas zu viel für mich», meint Bollin. «Aber ich konnte viele Erfahrungen sammeln und hoffe, dass ich davon bereits im Juli profitieren kann.» Ein Platz unter den besten 16 wäre sein Ziel.

Die Pause

Der 19-Jährige stellt hohe Erwartungen an sich. Und mit der Zeit hat er sich auch einen gewissen Druck aufgebaut. «Ich habe so viel investiert und bin so weit gekommen, dass ich das Gefühl habe: Jetzt muss ich eigentlich nur noch abliefern.» Er wolle seine Grenzen kennen lernen, das treibe ihn immer weiter an, meint er. Trotzdem hatte er ab und zu daran gedacht, mit dem Schwimmen aufzuhören. Besonders als sich viele seiner Kollegen andere Hobbys gesucht haben, war es schwierig für ihn. «Es war oft sehr anstrengend und einseitig. Da fragte ich mich eines Tages schon: Wieso tue ich mir das eigentlich noch an?»

Während seiner Schulzeit hat er dann zwischenzeitlich tatsächlich aufgehört und sich in anderen Sportarten wie etwa Klettern, Leichtathletik oder gar Tanzen versucht. Als er mit seiner Familie für drei Jahre nach Niederried zog, fand er zurück zum Wasser – allerdings darauf und nicht mehr darin. Im Seeclub Interlaken begann er 2010 zu rudern. «Es tat gut, mal etwas anderes zu machen», sagt Bollin. Nach einem Jahr zog es ihn wieder zum Schwimmen zurück.

Die Vision

Denn mit den Olympischen Spielen hat er ein Ziel vor Augen, das immer näher kommt. Und für Bollin ist die Teilnahme schon nächstes Jahr in Tokio realistisch. Momentan schwimmt er über 100 Meter Rücken eine Sekunde über der Limite. Mit ihm wäre zum ersten Mal seit Carole Brook 1984 in Los Angeles wieder ein Berner Schwimmer an den Olympischen Spielen dabei. Druck verspüre er in dieser Rolle keinen – noch nicht.

Bis dann ist er fleissig am Trainieren und am Arbeiten. «Vom Schwimmen allein kann man nicht leben, deshalb ist mir eine gute Ausbildung wichtig.» An der Feusi absolviert er die Sporthandelsschule. Den schulischen Teil hat er bereits hinter sich gebracht. Nun ist er in einem Praktikum beim Schweizer Schwimmverband angestellt. «Für mich ist das natürlich super. Sie geben mir diese Zeit für den Sport, die ich brauche», sagt Bollin.

In einigen Jahren will er auswandern. «Ich möchte in ein Land gehen, in dem das Schwimmen noch mehr gefördert wird.» Er denkt dabei an Amerika oder Australien. Vorerst will er sich einen Namen in der Schwimmszene verschaffen. «Und mich dann Schritt für Schritt vom Mittelfeld in den Vordergrund drängen.» Bollin ist überzeugt: «Es wird ein gutes Jahr – und langweilig sollte mir nicht werden.»

Berner Zeitung

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