In einer prekären Lage

Tabellenletzter und wenig Zuschauer: Unterseen-Interlaken kämpft in der 1. Liga gegen den Abstieg.

Unter Druck: Unterseens Torhüter Kay Seiler wehrt einen Neuenburger Angriff ab.

Unter Druck: Unterseens Torhüter Kay Seiler wehrt einen Neuenburger Angriff ab. Bild: Daniel Teuscher

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

März 2005: Der SC Unterseen-Interlaken (SCUI) wird Amateurmeister, ist das beste Team unterhalb des Profibereichs in der ganzen Schweiz. Im Schnitt verfolgen 700 Zuschauer die Heimspiele. 

Oktober 2018: Der SC Unterseen-Interlaken ist in der 1.-Liga-Westgruppe Tabellenletzter. Die junge Mannschaft schwebt in Abstiegsgefahr. 192 Zuschauer waren beim letzten Heimspiel vor Ort.

Dreizehn Jahre liegen dazwischen, in denen bei den Oberländern einige Fehler begangen wurden. Unter anderem wurde in Zeiten des Erfolges die Nachwuchsförderung vernachlässigt. Einige Jahre lang gelang es Sportchef Markus Reist, mit geschickter Transferpolitik das Team im Mittelfeld der früheren 1.-Liga-Gruppe 2 zu stabilisieren.

Spieler wie der heutige Captain Andreas Schneider fanden so den Weg ins Oberland. Auch diese Zeit ist vorbei, Akteure dieser Stärkeklasse wollen nicht mehr zum SCUI wechseln. Scheint sich die Situation zum Besseren zu wenden, wird der Club wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Die Nachwuchsabteilung ist mittlerweile wieder einigermassen auf Vordermann gebracht worden. Dafür fehlt es der aktuellen Equipe an Erfahrung, nachdem zahlreiche routinierte Spieler ihre Karrieren beendeten. Darunter befand sich mit Swen Kohler (36) der letzte verbliebene Meisterspieler von 2005. 

Verstärkungen tun not

Kohler fehle dem Team ziemlich stark, sagt Trainer Philippe Kunz. «Er hat in der letzten Saison wiederholt wichtige Tore erzielt, die wir nun nicht mehr schiessen.» Die Situation der Oberländer ist prekär. In der Zentralschweizer 1.-Liga-Gruppe 2, die bis im letzten Frühling bestand, gab es seit einem Jahrzehnt keinen sportlichen Absteiger mehr.

Nicht so in der Westgruppe, in der die Berner Teams seit dieser Saison integriert sind. Der Letzte steigt ab, der Zweitletzte muss in ein Playout gegen den Letzten der Ostgruppe. Und ausgerechnet jetzt ist Unterseen-Interlaken mit nur 3 Punkten aus 8 Partien aktuell Schlusslicht. «Viel fehlt nicht, um Spiele zu gewinnen», sagt Kunz. «Oft schiessen wir mehr aufs Tor als der Gegner, verlieren aber dennoch.» Was letztlich auch mit der Qualität der zumeist jungen Akteure zusammenhängt, die in der 1. Liga noch Lehrgeld bezahlen. 

Jungfraubahn ausgestiegen

«Ein Abstieg wäre tragisch», sagt Präsident Peter Flück. «Es wäre fraglich, ob die Sponsoren noch alle an Bord bleiben würden.» Ein Geldgeber ist bereits ausgestiegen. Die Jungfraubahn ermöglichte im Dezember die Durchführung der Top of Europe Trophy.

Der SCUI spielte jeweils in der Altjahrswoche gegen ein NLA-Team, und konnte die Einnahmen aus den Eintritten und der Gastronomie für sich behalten. Dies ergab jeweils einen Betrag von 20000 bis 30000 Franken in die Clubkasse. Der Sportchef versucht aktuell, auch ohne Hauptsponsor eine Equipe der obersten Liga aufs Bödeli zu holen. Fraglich, ob dies innert kurzer Zeit noch gelingt.

Auch wenn das Spiel noch zustande kommt, sind die finanziellen Mittel bei den Oberländern beschränkt. Mittel für teure externe Ergänzungen sind nicht vorhanden. Das Team muss jedoch verstärkt werden, um nicht Gefahr zu laufen, in der 2. Liga zu landen. «Sportchef und Sportkommission haben den Auftrag gefasst, nach neuen Spielern Ausschau zu halten.»

Man könnte zurückgetretene Spieler reaktivieren oder überzählige Akteure von höherklassigen Mannschaften mittels B-Lizenz zum SCUI holen. «Ich bin überzeugt davon, dass wir nicht absteigen», sagt Trainer Kunz, der fest im Sattel sitzt. Weder denkt er selbst an Rücktritt, noch ist eine Entlassung ein Thema. Vielmehr will er alles daransetzen, dass die Oberländer nicht in der nächsten Saison gegen den Zweitligapartner Bönigen antreten müssen. 

(Berner Zeitung)

Erstellt: 02.11.2018, 06:58 Uhr

Artikel zum Thema

Auf dem Weg zur festen Grösse

Luca Christen überzeugt bei Langenthal als erst 20 Jahre junger Verteidiger. Mehr...

Effizienter SC Langenthal

Der SC Langenthal hat das Heimspiel gegen den SC Thurgau souverän 5:0 zu seinen Gunsten entschieden.  Mehr...

Thun klettert nach oben

Der EHC Thun hat zu Hause gegen Star Forward Morges mit 4:1 gewonnen und verbesserte sich in der Rangliste merklich. Mehr...

Kommentare

Blogs

History Reloaded Die Schweiz, ein Land der Streiks

Beruf + Berufung Die Angst des Rebellen

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 29.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...