Holm muss sich steigern

Wacker kann sehr wohl erneut Meister werden – auch weil die Konkurrenz schwächelt.

Trotz Champions-League-Teilnahme und Triumph im Cup ist die Saison 2018/2019 nach jetzigem Stand keine, an die man sich erinnern wird. Die Thuner warten unverändert auf ihren ersten Heimsieg seit dem Jahreswechsel, sie gewannen in der Königsklasse trotz grossteils ansprechender Leistungen kein einziges Spiel, sie verloren in der Meisterschaft öfter, als sie reüssierten.

Sie unterlagen etwa 19:33 und 31:40 in St. Gallen und 20:33 daheim gegen Winterthur. Nie war Wacker komplett, stets fehlten Leistungsträger. Und so zieht der Anhänger vor dem Playoff wohl ein durchzogenes Zwischenfazit nach all den mitreissenden Partien in der Lachenhalle in den Saisons zuvor, zumal die Zuschauerzahlen heuer vergleichsweise niedrig sind, was die Stimmung nicht begünstigt.

Nachholbedarf hat vorab Phillip Holm, Wackers einziger Ausländer. Der Däne spielte eine gute Champions League und eine solide erste Saisonhälfte. Die Leistungen 2019: Sie sind ungenügend. Es mag sein, dass der Rückraumakteur teils angeschlagen auflief; es mag sein, dass zu wenig honoriert wird, was er in der Deckung vollbringt; und es mag sein, dass an Verstärkungen aus dem Ausland im Allgemeinen zu hohe Ansprüche gestellt werden. Aber alles in allem ist der 27-Jährige kein Zuzug, der die Mannschaft bereichert hat.

Selbst wenn sich Holm nicht entscheidend steigern sollte, verfügen die Thuner über gute Chancen, in die Vorschlussrunde oder gar in die Endspiele einzuziehen. Sie spielen in wichtigen Partien eine Klasse besser als in herkömmlichen Begegnungen; das weiss man nicht erst seit dem Cupfinal. Fehlt keiner aus dem Zirkel der relevanten Kräfte, sind die Oberländer fähig, den Titel zu verteidigen – trotz all der gewichtigen Abgänge im Sommer.

Mit Keeper Marc Winkler, Verteidiger Stefan Huwyler, den Aufbauern Nicolas Raemy und Nicolas Suter sowie Flügel Jonas Dähler beschäftigt der Club führende Kräfte in der Liga. Talente wie Thomas Lanz, Ivan Wyttenbach und Damien Guignet haben sich hervorragend entwickelt. Und Leute wie Flavio Wick, Luca Linder und Reto Friedli sind in Schlüsselspielen in der Lage, Grosses zu leisten.

Die Liga ist nicht besser, aber spannender geworden. Mit Ausnahme von Schaffhausen - Basel birgt jede Viertelfinalserie eine gewisse Brisanz. Die Kadetten ihrerseits stehen im Playoff unter Druck, nachdem sie bei Titelvergaben zuletzt leer ausgegangen sind. Sie sind längst nicht mehr so stark, wie sie es vor sieben, acht Jahren waren.

Bei Aufbauern wie Jonas Schelker und Dimitrij Küttel mag es sich um Nationalspieler handeln; eine Meisterschaftspartie auf gehobenem Niveau vermögen sie nicht allein zu entscheiden. Gabor Csaszar vermissten die Nordostschweizer jüngst an allen Ecken und Enden. Die Auftritte von Weltklassekeeper Ivan Stevanovic waren wenig aufregend.

Mit Pfadi Winterthur schwächelte zuletzt auch der andere Titelfavorit. Die Zürcher schlugen ein hochgradig dezimiertes Wacker daheim knapp, sie verloren später gegen Schaffhausen und Suhr und verzeichneten dabei ausgesprochen viele Ausfälle.

Und so ist die Ausgangslage vor dem Playoff bemerkenswert offen. Mit St. Gallen, Suhr und Kriens weisen selbst die Nummern 5 bis 7 in der Hierarchie hierzulande gewisse Möglichkeiten auf. Für die Qualität der Liga spricht dies nicht.

Thuner Tagblatt

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