Die Waldkenner

Florian Howald war an der Schweizer Meisterschaft über die Mitteldistanz mit seinem Bruder Severin für die Bahnlegung zuständig – und hat dafür extra seinen Norwegen-Trip unterbrochen.

Die Brüder Florian (links) und Severin Howald beim Postenstecken im Tannhubel-Wald in Walliswil bei Wangen.

Die Brüder Florian (links) und Severin Howald beim Postenstecken im Tannhubel-Wald in Walliswil bei Wangen.

(Bild: Marcel Bieri)

Florian Howald kennt nun auch eine andere Seite des Orientierungslaufes: die organisatorische. Der EM-Silbermedaillengewinner versuchte sich an der Mitteldistanz-Schweizer-Meisterschaft in Walliswil bei Wangen als Bahnleger. «Für meine Trainings habe ich mir auch schon ab und zu Bahnen gelegt», meint Howald. «Die Erfahrung hatte ich also, aber mehrere Wettkampfbahnen zu legen, das war Neuland für mich.»

Zusammen mit seinem Bruder Severin plante er nämlich 41 verschiedene Routen – für insgesamt rund 1800 Läuferinnen und Läufer. «Das war die grösste Schwierigkeit. Wir mussten für alle Kategorien einige Faktoren berücksichtigen.» Nicht zuletzt deshalb ging dem Anlass eine lange Planungsphase voraus. Die OL-Gruppe Herzogenbuchsee fragte Howald an, ob er diesen Part übernehmen möchte. Der gebürtige Oberönzer – der nun in Winterthur wohnt – musste nicht lange zögern. «Der Tannhubel ist sozusagen mein Heimatwald. Ich kenne ihn auswendig, und deshalb war der Fall für mich klar.»

Bereits im letzten Frühling wurden erste Rahmenbedingungen wie Start- und Zielgelände festgelegt. Und dann legten die Howalds so richtig los. Denn nicht nur Florian und Severin waren in der Bahnlegung involviert, sondern auch Vater Martin hatte seinen Job als Kontrolleur. Eine richtige OL-Familie also.

Sie planten erste Bahnen und überprüften, ob diese im Gelände überhaupt möglich und umsetzbar sind. Als das Konzept stand, wurden die Posten auf einer Karte eingezeichnet. Daraufhin markierten die Howalds die Stationen im Wald mit einem kleinen Holzstab – und erst am Morgen des Wettkampftages steckten sie die Posten in den Wald.

Bald wieder nach Norwegen

Was zunächst einfach klingt, ist eine halbe Wissenschaft. Richtlinien mussten eingehalten werden, was von einem Delegierten des Schweizerischen Orientierungslauf-Verbands geprüft wurde. Dazu kommt ein Wald, der eigentlich geeignet ist, aber eher klein ist. «Es war sehr schwierig, die Posten auf eine genügend grosse Distanz zu setzen», sagt Howald.

Und wie ist es dem Brüderpaar ergangen? «Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis. Ich glaube, wir haben interessante und vor allem faire Bahnen gelegt. Nun bin ich aber auch froh, dass es vorbei ist», meint er.

Vorerst will sich der 38-Jährige wieder auf seine Karriere als Läufer fokussieren. Für die Mitteldistanz-SM hat Howald einen Norwegen-Trip nach drei Wochen unterbrochen. Erst am Donnerstag kam er aus dem Norden zurück. «Wäre dieser Anlass nicht, wäre ich wohl immer noch oben.»

Aber eben, er hat den Aufenthalt nur unterbrochen. Mitte Mai will er wieder nach Norwegen reisen. Und sich dann bis zur im August dort stattfindenden Weltmeisterschaft optimal vorbereiten.

Von der Schweizer Meisterschaft kann er etwas mitnehmen. Er sagt: «Es ist sicher gut, wenn du dich in die Rolle des Bahnlegers hineinversetzen kannst. Aber an der WM und darüber hinaus in einem anderen Land – da ist die Ausgangslage dann doch eine ganz andere.»

Berner Zeitung

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