Traurig, aber motiviert

Von den Flückiger-Brothers ist nach dem Ausfall von Lukas nur noch ­Mathias übrig. Der Schweizer Meister zählt aber heute im WM-Rennen auf der Lenzerheide zu den Favoriten.

Mathias Flückiger peilt im Cross-Country-Rennen eine Medaille an.

Mathias Flückiger peilt im Cross-Country-Rennen eine Medaille an.

(Bild: Keystone Gian Ehrenzeller)

Peter Berger@PeterBerger67

Die WM-Woche begann für die Brüder Lukas und Mathias Flückiger nicht wunschgemäss. Der 34-jährige Lukas verletzte sich am Dienstag im ersten Training und schied mit einer klaffenden Wunde am Knie aus. Der fünf Jahre jüngere Mathias hatte gegen seinen Willen, aber auf Druck von Swiss Cycling schon am Montag auf der Lenzerheide einrücken müssen.

«Ich wollte dem Rummel so lange wie möglich entfliehen», begründet Mathias sein Anliegen. «Aber letztlich wurden mir ein paar Kompromisse wie das Einzelzimmer erlaubt.» Flückiger gibt am Donnerstag im Teamhotel entspannt Auskunft. Nur wenn die Rede von seinem Bruder ist, verfinstert sich seine Miene: «Dass Luk nicht dabei ist, macht mich extrem traurig.» Nur zu gerne hätten die beiden Oberaargauer ihren Coup von 2012 wiederholt, als sie an der WM in Österreich hinter Nino Schurter Silber und Bronze gewannen. Jetzt liegt die Hoffnung nur noch auf Mathias. «Luks Ausfall spornt mich jetzt noch zusätzlich an, ich fahre auch für ihn», hält Mathias entschlossen fest.

Ausrufezeichen gesetzt

Die Form beim Leimiswiler stimmt. Flückiger wurde diese Saison erstmals Schweizer Meister und, noch wichtiger, gewann in Mont Sainte-Anne (CAN) sein erstes Weltcup­rennen. «Ich hatte ein paar Höhepunkte.» Insgesamt wäre jedoch im Weltcup mehr möglich gewesen, fügt er an und verweist auf den Sturz in Nove Mesto, den verlorenen Sattel in Val di Sole oder den Infekt in Andorra. Aber, und das ist die wichtigste Erkenntnis, wenn das Material passt, ist er fähig zu gewinnen.

Früher fuhr er oft zu wild und zu versessen. «Ich bin ruhiger geworden und kann jetzt einen kühlen und klaren Kopf bewahren.» Über Resultate mag er im Vorfeld nicht gerne sprechen, aber jetzt sagt Mathias Flückiger vor dem WM-Rennen mit klarer Stimme: «Ich zähle mich zu den Favoriten.» Klar, dass er deshalb auf das Podest will. «Eine Medaille kann man mit nach Hause nehmen und anfassen.» Es wäre ein weiteres Ausrufezeichen in dieser Saison.

Ein Landei in der Grossstadt

Aber Mathias Flückiger weiss um die besonderen Umstände auf der Lenzerheide. «Wir sind hier zwar schon Weltcuprennen gefahren, doch eine Heim-WM ist etwas anderes.» Der Rummel sei viel grösser. «Das ist, wie wenn ein Landei – und ein solches bin ich – in eine Grossstadt kommt. Da ist man am Abend von all den Eindrücken total erschlagen.» Die Abkapselung sei ihm trotz der frühen Anreise gut gelungen, sagt er und betont: «Ich werde meine ganze Energie für meinen Wettkampf zur Verfügung haben.»

Dank den bisherigen Saisonerfolgen ist das WM-Rennen für seine Zukunft nicht unmittelbar entscheidend. Speziell der Erfolg in Kanada, dem ersten Schweizer Weltcupsieg seit zehn Jahren, den nicht Nino Schurter erreicht hatte, macht einiges einfacher. Anders als vor einem Jahr, als er und Bruder Lukas bis ­Januar vor einer ungewissen Zukunft gestanden sind, weiss zumindest Mathias Flückiger, dass es für ihn auch nächste Saison weitergehen wird.

Spätestens in einem Monat will der bald 30-Jährige für die Saison 2019 Klarheit haben. Eine WM-Medaille könnte ihm und seinem aktuellen Team Thömus/RN Racing noch mehr Optionen einbringen – und damit nicht zuletzt auch seinem verletzten Bruder und Teamkollegen. Die Heim-WM würde dann für die Flückigers doch noch ein glückliches Ende nehmen.

Berner Zeitung

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