«Ich hoffe auf weniger Schmerzen»

Ramona Kupferschmied hatte ungleich lange Beine. Darum liess sich die Spiezerin den kürzeren Oberschenkel verlängern. Eine verrückte Geschichte.

Auf dem langen Weg zurück: Die Mountainbikerin Ramona Kupferschmied darf nach einer Beinoperation im Moment nur auf dem Handbike trainieren.

Auf dem langen Weg zurück: Die Mountainbikerin Ramona Kupferschmied darf nach einer Beinoperation im Moment nur auf dem Handbike trainieren.

(Bild: Markus Grunder)

Stephan Dietrich

Stellen Sie sich vor, Ihre Beine wären nicht gleich lang. Der Unterschied zwischen links und rechts betrüge rund 3,5 Zenti­meter und Sie müssten so Velo fahren. Ein runder Tritt wäre ­unmöglich. Ramona Kupferschmied trat jahrelang mit diesem Handicap in die Pedale. Mit beachtlichem Erfolg, sie gehört dem U-19-Nationalkader im Mountainbike an – betreibt also Leistungssport.

Wie ist das möglich?«Ich kenne es nicht anders», antwortet Kupferschmied. «Natürlich musste ich Kompromisse eingehen, aber es funktionierte.» Der Sattel wurde so eingestellt, dass er für das rechte Bein eigentlich zu niedrig und für das linke Bein zu hoch war. Zudem erfolgte der Tritt auf der einen Seite eher mit der Fussspitze, auf der anderen mit dem Fussballen. Die Beeinträchtigung taxiert die Bikerin als nicht sehr gross, «aber in der zweiten Rennhälfte hatte ich manchmal starke Rückenschmerzen».

Unfall als Viertklässlerin

Ramona Kupferschmied brach sich als Viertklässlerin das Bein. Es geschah beim Spielen auf dem Pausenplatz. Die Operation sei gut verlaufen, erzählt die Spiezerin, doch man habe ein Jahr später die Nachkontrolle vergessen.

Drei Jahre nach dem Unfall wurde anlässlich einer schulärztlichen Kontrolle ein beträchtlicher Längenunterschied der beiden Oberschenkel festgestellt. Es folgte eine Operation, mit der man versuchte, das Wachstum des längeren Oberschenkels zu stoppen. «Die Hoffnung, dass das linke Bein nachwachsen würde, erfüllte sich jedoch nicht.»

Nagel lässt Knochen wachsen

Der Fortschritt der Medizin ermöglicht es, derart krasse Längenunterschiede zu korrigieren. Für Ramona Kupferschmied war der Herbst der richtige Zeitpunkt, einen weiteren Eingriff vorzunehmen. «In der nächsten Saison muss ich in der U-23-Kategorie starten», sagt die 18-Jährige. «Für mich ist dies sportlich ein Übergangsjahr. Es war ein guter Moment für die Operation.»

Der Eingriff ist recht kompliziert, und die Re­habilitation wird viel Zeit in ­Anspruch nehmen. Der linke Oberschenkel wurde mithilfe eines Nagels verlängert, «ohne Schmerzen», wie Kupferschmied berichtet. Noch bis im Dezember wird sie allerdings an Krücken gehen.

So funktioniert die Beinverlängerung. Zur grösseren Ansicht gehts hier.

Für die Reha hat sich die junge Oberländerin einiges einfallen lassen. Im Moment trainiert sie auf einem Handbike, zusätzlich ist zu Hause der Bau eines Fitnessraums geplant. Einen Teil der Kosten versucht Ramona Kupferschmied mit einer Sammelaktion auf der Crowdfunding-Plattform Ibelieveinyou.ch zu decken. Drei Viertel des gewünschten Betrags von 5000 Franken sind bereits zugesichert. «Jetzt, da ich nicht mobil bin, ­wäre das Heimtraining ein grosser Vorteil.»

Video: I believe in you-Projekt Ramona Kupfeschmied

Habe noch keinen Plan

Wann die Mountainbikerin wieder ins Wettkampfgeschehen wird eingreifen können, steht noch nicht fest. «Ich habe einen Plan im Kopf. Es wird sich zeigen, ob sich dieser umsetzen lässt.» Das Fernziel ist die Heim-WM 2018 auf der Lenzerheide.

Das Grundlagentraining soll im Januar und Februar des nächsten Jahres stattfinden. Ende März möchte Kupferschmied das erste Rennen bestreiten. Spätestens dann wird sich auch zeigen, ob die Operation leistungsmässige Vorteile bringt. Bis jetzt dürfte die Kraftübertragung auf die Pedale nicht optimal gewesen sein.

Unter Druck will sich die Nachwuchsfahrerin allerdings nicht setzen. «Ich freue mich einfach mega aufs Comeback», sagt sie. «Ich kanns kaum erwarten, endlich wieder auf einem Bike zu sitzen, ans Limit zu gehen, saure Beine zu haben. Und natürlich hoffe ich auf weniger Schmerzen im Rücken.»

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