«Ich habe nicht krass gefeiert»

Als Junior galt er als Versprechen. Aber erst jetzt hat der Oberaargauer Mathias Flückiger (29) den ersten Weltcupsieg realisiert.

Die Erlösung: Mathias Flückiger gewann in Kanada sein erstes Weltcuprennen.

Die Erlösung: Mathias Flückiger gewann in Kanada sein erstes Weltcuprennen.

(Bild: Armin M. Küstenbrück)

Was sagen Sie zu Ihrem Exploit?Mathias Flückiger: Endlich! Ich habe lange dafür gearbeitet, vieles probiert. Immer wieder fehlte irgendetwas, ging etwas schief. Nun hat endlich alles gepasst: Die Tagesform, die mentale Verfassung, das Material, der Wille – es ist ein sensationelles Gefühl.

2008 hatte Florian Vogel als letzter Schweizer einen Cross-Country-Weltcup gewonnen, der nicht Nino Schurter hiess. Wenn man diese unglaubliche Zeitspanne von zehn Jahren betrachtet, macht das meinen Sieg noch wertvoller. Dass ich in unserer Bikenation der Nächste nach Nino bin, freut mich extrem und erfüllt mich mit Stolz.

Den Erfolg realisierten Sie ausgerechnet in Mont Sainte-Anne. In der kanadischen Destination waren Sie 2010 schon U-23-Weltmeister geworden. Ja, und damals haben mir viele prophezeit, dass ich einmal Weltcuprennen gewinnen würde. Nun werde ich in wenigen Wochen 30 Jahre alt. Dass ich so lange warten musste, liess mich zwar nicht verzweifeln, brachte mich jedoch ins Grübeln. Ich fragte mich: Schaffe ich es wirklich nie? Weil Nino stets vorne war, wurde der Sieg immer mehr zu einem Mythos. Ich spürte, dass auch ­andere dachten: Der hat es wohl doch nicht drauf. Deshalb fällt mir jetzt eine grosse Last von den Schultern. Der Sieg ist einer der wichtigsten Schritte in meiner Karriere. Er wird mich in Zukunft gelassener machen.

Sie klingen bereits jetzt am Telefon eigentlich sehr gefasst und klar. Täuscht dieser Eindruck? (Lacht) Nein, ich habe tatsächlich nicht krass gefeiert. Das Team hat zwar schon recht Gas gegeben, aber ich war bei der Party defensiver. Erstens kann ich den Meilenstein noch gar nicht richtig einschätzen und realisieren, zweitens will ich nicht eine Woche im Bett liegen. Und vor allem: Das wichtigste Rennen kommt noch.

Sie sprechen die Heimweltmeisterschaft auf der Lenzerheide vom 8. September an. Verändert dieser Sieg Ihre Ansprüche? Die bleiben unverändert. Aber ich werde cooler an den Start gehen. Bisher verkrampfte ich mich meist zu stark, wollte den Sieg unbedingt und schoss prompt über das Ziel hinaus. Nun habe ich die Gewissheit, dass ich fähig bin, auf höchster Stufe zu gewinnen. Wenn es mir gelingt, meine aktuelle Form zu konservieren, kann ich auch an der WM weit kommen. Der Rest wird Rennglück und ­Tagesform sein. Aber wenn man sich körperlich derart am Limit bewegt, steigt das Risiko, dass man einen Infekt, eine Grippe einfängt. Deshalb muss ich in den nächsten Tagen vorsichtig sein, den Jetlag gut auskurieren und nur leicht trainieren.

Gehen Sie davon aus, dass nun Sponsoren anklopfen? Am Tag nach dem Rennen ist es nicht so, dass man uns die Türen einrennt. Aber ich hoffe stark, dass Thömus/RN Racing Team profitieren wird, der Sieg für alle erlösend ist. Denn wer Geld investieren will, will Sieger unterstützen.

Wie viele Gratulationen haben Sie eigentlich erhalten? Uff, ich kann sie nicht zählen. Die Resonanz ist riesig, kein Vergleich zum U-23-WM-Titel 2010 oder zur WM-Bronzemedaille 2012. Damals war Social Media noch nicht derart bedeutend. Jetzt bedanke ich mich auf Whats­app schon seit zwei Stunden für die Glückwünsche.

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