Gold für Reusser an den European Games

Radfahrerin Marlen Reusser hat an den European Games in Weissrussland die Goldmedaille im Zeitfahren gewonnen. Morgen Mittwoch startet die 27-jährige Ärztin aus Hindelbank an der SM in Weinfelden.

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Peter Berger@PeterBerger67

Der erste internationale Titel für Marlen Reusser ist perfekt. Die Rad fahrende Ärztin hat an den European Games in Minsk der Schweiz die erste Goldmedaille beschert. Die 27-Jährige aus Hindelbank gewann das Zeitfahren in Weissrussland überlegen. «Das ist der bisher grösste Erfolg meiner Karriere», freut sich die Bernerin. Erst im Februar hat sie ihre medizinische Laufbahn unterbrochen, um sich als Radprofi zu versuchen.

Reusser absolvierte die zwei Runden und total 28,6 Kilometer in 36:17,41 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von gut 47 km/h entsprach. Sie distanzierte die zweitplatzierte Holländerin Chantal Blaak, die Strassenweltmeisterin von 2017, um 1:15 Minuten und die Britin Hayley Simmonds um 1:27 Minuten.

«Eigentlich habe ich erwartet, dass mich Blaak bezwingen würde», meint Reusser. Ihr behagte indes der Kurs durch die weissrussische Hauptstadt. «Die Strecke hat mir extrem gut gefallen. Es ging ständig leicht ab- oder aufwärts. Und zur Unterhaltung gab es ein paar enge Kurven.» Unterhaltung gab es auch am Strassenrand. «Es hatte mega viele Zuschauer. So etwas habe ich noch nie erlebt», erzählt Reusser am Telefon.

Zweiter internationaler Sieg

Die Schweizer Zeitfahrmeisterin von 2017 hatte erst Anfang Monat in Ljubljana (SLO) ihr erstes Zeitfahren auf der international höchsten Stufe gewonnen. 2018 musste sie mehrere Wochen pausieren, nachdem sie sich am Ostermontag in Kiesen bei einem Sturz einen Beckenbruch zugezogen hatte. Erst im Jahr 2017 hatte Reusser überhaupt eine Lizenz gelöst.

«Die Idee, an den European Games in Minsk teilzunehmen, war auch, einmal die Abläufe an einem Gross­anlass zu erleben.»Marlen Reusser

In Minsk bestritt sie am Samstag bereits das Strassenrennen und erreichte den 18. Rang. Mit elf Sekunden Rückstand gewann sie dabei den Spurt der Verfolgergruppe. «Einmal mehr habe ich mich geärgert, weil ich den Anschluss verpasst habe, als sich vorne die Spitzenfahrerinnen absetzten. Ich sagte mir aber: Abgerechnet wird am Dienstag.»

Verhaltener Jubel

Dass es dann mit der Goldmedaille in ihrer Paradedisziplin klappte, freut Reusser enorm. «Das ist einfach geil», sagt sie kaum hörbar und leicht verlegen. So wirkte sie auch an der Siegerehrung. Eine kurze Winkbewegung mit dem rechten Arm; mehr Jubel war von ihr nicht zu sehen. Wäre da nicht das breite Grinsen im Gesicht gewesen, hätte niemand erraten, dass sie soeben den ersten bedeutenden Titel gewonnen hat.

An den zweiten Europaspielen nach der Premiere in Baku nehmen immerhin fünfzig Nationen teil. «Ich habe vor der Siegerehrung eine fünfzehnminütige Instruktion erhalten, wie ich mich zu verhalten habe. Ich wusste überhaupt nicht, was eigentlich erlaubt war. Um ja nichts falsch zu machen, habe ich nur kurz gewinkt», erzählt Reusser, sie betont jedoch, «ich habe mich aber innerlich wahnsinnig gefreut.»

Start in Weinfelden

Gleich nach der Zeremonie und «einer blitzschnellen Dopingkontrolle» wurde Reusser zum Flughafen chauffiert. Via Warschau flog sie in die Schweiz zurück, wo sie am Dienstagabend um 22 Uhr in Zürich landet. Denn schon am Mittwoch will die Emmentalerin an der Schweizer Meisterschaft in Weinfelden antreten. Der Start zum Zeitfahren im Thurgau ist für sie um 14.59 Uhr. «Da ich als Favoritin gelte, gehört es sich, dass ich teilnehme», begründet sie, warum sie den Reisestress auf sich nimmt.

Und schliesslich ist Reusser auf der Jagd nach Punkten in der Weltrangliste. Solche braucht sie, um sich für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu qualifizieren. «Die Idee, an den European Games in Minsk teilzunehmen, war auch, einmal die Abläufe an einem Grossanlass zu erleben.» In Japan wüsste Reusser dann schon, dass bei einer Goldmedaille durchaus auch auf dem Podest gejubelt werden darf.

Berner Zeitung

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