Ein Berner Teenager auf der Überholspur

Marc Hirschi hat bereits in seiner ersten U-23-Saison eine EM-Medaille gewonnen. Ab Montag nimmt der Ittiger an der WM in Norwegen teil – das Zeitfahren ist dem 19-Jährigen besonders wichtig.

Kein Angeber: Radfahrer Marc Hirschi.

Kein Angeber: Radfahrer Marc Hirschi.

(Bild: Andreas Blatter)

Am Anfang habe er mit den länger gewordenen Distanzen Mühe bekundet, sagt Marc Hirschi. Im April, zu Beginn seiner ersten Saison in der U-23-Kategorie, belegte der Velorennfahrer aus Ittigen in der Flandern-Rundfahrt Rang 7. Gewiss, es galt nicht das von den Profis bekannte 260-Kilometer-Pensum zu meistern. Aber das Bewältigen der belgischen Hügel und der Pavé-Abschnitte stellt auch bei 170 Kilometern eine Herausforderung dar – vor allem, wenn man sich als 18-Jähriger gegen 21-Jährige behaupten muss.

Er habe Glück gehabt, sei in eine gute Gruppe gekommen, erwidert Hirschi, auf seine Darbietung an der U-23-EM von Anfang August im dänischen Herning angesprochen. Der Berner gewann die Bronzemedaille, notabene in topfebenem Gelände, was dem 1,73 Meter grossen Leichtgewicht nicht entgegenkommt.

Anhand der beiden Episoden lässt sich festhalten: Um einen Angeber handelt es sich bei Marc Hirschi sicher nicht.

Gold auf der Bahn

Der Berner, im August 19 geworden, gilt als Ausnahmetalent. Vergangenen Sommer triumphierte er an der Bahn-WM in Aigle gemeinsam mit dem gleichaltrigen Reto Müller in der Disziplin Madison – in der U-19-Kategorie, versteht sich. Kaum jemand zweifelt daran, dass es Hirschi bald gelingen wird, die im Bernbiet herrschende Lücke zu schliessen. Seit den Rücktritten von Fabian Cancellara und Marcel Wyss gibt es im Kanton keinen Strassenprofi mehr.

Am Montag vertritt der Teenager die Schweiz im WM-Zeitfahren, am Freitag wird er im Strassenrennen voraussichtlich mit dem 20-jährigen Oberaargauer Gino Mäder sowie den 21-jährigen Patrick Müller und Lukas ­Rüegg das Swiss-Cycling-Quartett bilden. Die Titelkämpfe finden in Bergen statt, jener Stadt an Norwegens Westküste, in der diverse Outdoorausrüstung-Fabrikanten ihre Produkte testen, weil nirgendwo in Europa mehr Regen fällt. Hirschi kennt die Ausgangslage, sagt, über das Wetter werde intern oft diskutiert.

Wobei er nicht den Eindruck erweckt, als würde ihn dieser Aspekt beunruhigen. Vorlieben habe er witterungstechnisch keine, hält er fest. Das Rennen an sich beschäftigt ihn sehr wohl. Viel nehme er sich vor, am Maximum wolle er sich bewegen, erwidert er auf die entsprechende Frage, den coupierten Parcours erwähnend. «Im Zeitfahren kommt es nur auf die Leistung an – du bekommst, was du verdienst.»

Im Massenstartrennen sei es anders, da führe selbst der beste Plan oft nicht zum Ziel. «Wer vorne hineinfahren will, braucht einen guten Tag und Glück.» Wobei Hirschi seit der EM weiss: Es gibt Tage, an denen der Einsatz des Tüchtigen von Fortuna honoriert wird.

Berner Zeitung

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