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«Doping war ein Teil des Jobs»

Im exklusiven Interview mit der US-Talkmasterin Oprah Winfrey gibt der Ex-Radprofi Lance Armstrong zu, dass seine Rekorde ohne die Einnahme verbotener Substanzen nicht möglich gewesen wären.

Nun ist es raus: Lance Armstrong hat gedopt. Nach all den Jahren der Dementis und Rechtsstreitigkeiten bekannte die frühere Radsportlegende endlich Farbe. In dem vergangene Nacht ausgestrahlten TV-Interview kam US-Talkmasterin Oprah Winfrey in ihren Fragen gleich zum Punkt, Armstrong antwortete ohne Umschweife und machte dabei keinen sonderlich zerknirschten Eindruck. Ja, er habe illegale leistungssteigernde Substanzen wie EPO, Testosteron, Kortison und Bluttransfusionen eingenommen.

«Das war ein grosser Fehler», räumte Armstrong ein. «Es geht um einen Typen, der erwartete, alles zu bekommen, was er wollte, und jedes Ergebnis kontrollieren zu können», sagte er über sich. «Das ist unverzeihlich. Und wenn es Leute gibt, die das hören und mir nie vergeben werden, verstehe ich das.»

Lügengebäude aufgebaut

Ein Rückblick: Jahrelang hatte Armstrong auf immer wiederkehrende Anschuldigungen gebetsmühlenartig mit seinem Standardsatz geantwortet, dass er mehr als 500-mal kontrolliert worden und nicht eine positive Probe dabei gewesen sei. Teamkollegen, die seine Methoden und Taktiken infrage stellten, wurden vom damaligen Radstar kaltgestellt. Um sein Lügengebäude aufrechtzuerhalten, scheute der Modellathlet keinerlei Mühen und lieferte sich erbitterte Rechtsstreitigkeiten.

Im Februar 2012 schien er seinen Kopf endgültig aus der Schlinge gezogen zu haben, als die staatsanwaltschaftliche Untersuchung in den USA eingestellt wurde. Doch die amerikanische Anti-Doping-Agentur (Usada) gab nicht auf und brachte die Ermittlungen schliesslich zu einer Anklage gegen Armstrong mit dem Ergebnis einer lebenslangen Sperre. Der Weltverband UCI bestätigte das Urteil, mit dem ihm alle nach dem 1. August 1998 errungenen Erfolge aberkannt wurden, darunter seine sieben Tour-de-France-Titel (1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005).

Doping als ausgeglichenen Wettbewerb betrachtet

«Hat es sich damals nicht falsch angefühlt», fragte Winfrey mit Blick auf sein jahrelanges Doping im Interview. «Nein», entgegnete Armstrong. «Furchterregend», fügte er lapidar hinzu. «Hatten Sie ein schlechtes Gewissen», hakte Winfrey nach. «Nein», beschied ihr Armstrong. «Noch furchterregender.»

Ob er in irgendeiner Weise das Gefühl gehabt habe, ein Betrüger zu sein. Abermals antwortete Armstrong mit einem Nein. Und das sei «am furchterregendsten.» Er habe die Definition für «betrügen» einmal nachgeschlagen. «Und die Definition war, sich einen Vorteil über einen Rivalen oder Feind zu verschaffen. Das habe ich nicht so gesehen», sagte Armstrong weiter. «Ich habe es eher als ausgeglichenen Wettbewerb betrachtet.»

«Das war Teil des Jobs»

Zu seinem «Cocktail», wie Armstrong die illegalen Substanzen nannte, hätten Steroid-Testosterone und das blutauffrischende Erythropoetein (EPO) gehört. Diese seien Zusatzmittel für Bluttransfusionen gewesen, bei denen er sich selbst Blutproben entnommen und diese Wochen später wieder in seinen Körper injiziert habe.

Ziel von alledem sei der Aufbau von Kraft und Ausdauer gewesen. Aber das sei so zur Routine geworden, als «ob man sagen würde, wir brauchen Luft im Reifen oder Wasser in unseren Flaschen», sagte ein erstaunlich gefasst wirkender Armstrong. «Das war, aus meiner Sicht, Teil des Jobs.»

«Erfolgreichstes Dopingprogramm»

Vor der am Montag aufgezeichneten Sendung hatte der Ex-Radprofi eine emotionale Entschuldigung an die Mitarbeiter der von ihm gegründeten Krebsstiftung gerichtet. Wegen seiner Dopingvergangenheit muss Armstrong zudem seine Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney zurückgeben.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) forderte Armstrong derweil zu einem umfassenden Geständnis unter Eid auf. Lediglich die Offenlegung aller Details seiner Dopingaktivitäten vor den zuständigen Anti-Doping-Behörden könne zu einer Überprüfung der lebenslangen Sperre des US-Amerikaners führen, hiess es.

Der internationale Radverband UCI hatte im Oktober alle Armstrong-Ergebnisse von August 1998 an gestrichen und ihn lebenslang gesperrt. Dem Texaner drohen nun Schadensersatzklagen und wegen Meineids sogar eine Gefängnisstrafe.

dapd/sda/chk

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