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Der Sieger überstrahlt das Rennen

Egan Bernal gewinnt die Tour de Suisse höchst souverän. Er ist das Highlight in einer sonst eher spannungsarmen Ausgabe.

Egan Bernal (vorne) hielt Verfolger Rohan Dennis (links) auch in der Königsetappe in Schach – hier am Nufenen. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)
Egan Bernal (vorne) hielt Verfolger Rohan Dennis (links) auch in der Königsetappe in Schach – hier am Nufenen. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Eine bessere Eintrittskarte als das Schweizer Kreuz auf der Brust gibt es nicht. Entsprechend hoch in der Gunst der Zuschauer standen an der Tour de Suisse die sieben Fahrer des Nationalteams. Die wackeren sieben taten täglich alles, um ihren Moment im Scheinwerferlicht der grossen Radsportwelt auch zu nützen. Sie fuhren voraus, sie ersprinteten Top-10-Plätze, kletterten solide. Solide fasst ihre Auftritte zusammen, solide fasst jener aller Schweizer an dieser Tour de Suisse zusammen.

Nur: Während alle den Nationalteamfahrern ihre Mini-Exploits gönnten, reicht solide für die Schweizer Worldtour-Fahrer nicht. Nicht am Heimrennen. Die Trümpfe stachen nicht: Stefan Küng ist kein Zeitfahr-Seriensieger, sagte zwei Mal den Sieg an und scheiterte klar. Und Mathias Frank ist keiner, der automatisch die Bergetappe gewinnt, wenn er einmal in die Offensive geht. Die übrigen etablierten Schweizer Profis begnügen sich mit ihren Helferrollen, eigene Ambitionen haben sie nicht.

Mit Marc Hirschi und Gino Mäder fuhren vergangene Woche zwei Debütanten mit, die die Anlagen haben, einst an der Tour de Suisse zu brillieren. Aber noch nicht jetzt: Hirschi kriegte die sehr klare Hackordnung bei Sunweb zu spüren, erhielt keinen Moment freie Fahrt, obwohl er die Form dafür gehabt hätte. Mäder wiederum musste nach einer Verletzung im Frühling froh sein, überhaupt mitzufahren.

Die Tour-Direktion wird den beiden alle Daumen drücken, damit sie sich bald zu echten Faktoren entwickeln. Denn die Tour de Suisse ist von ihnen abhängig. Klar sind Volksfeste toll, wie beim Auftakt im Emmental und unter der Woche in Arlesheim und Einsiedeln. Die Feste werden der lokalen Bevölkerung in Erinnerung bleiben. Aber wird in einem Jahr noch jemand wissen, wie die Fahrer hiessen, die bei ihnen die Etappen gewannen?

Gut möglich, dass der Kolumbianer nie mehr zurückkehrt. Seine Ziele sind grösser.

Dazu zeigte sich in diesem Jahr, dass es bezüglich internationaler Beachtung der Rundfahrt zwar toll ist, wenn das grösste Radsport-Team mit Geraint Thomas und Egan Bernal gleich mit zwei Topstars antritt. Doch die Ineos-Präsenz lähmte das Rennen auch: Die anderen Klassementsfahrer wirkten alle gehemmt, scheuten die Offensive, weil ihnen bewusst war, dass sie chancenlos wären, wenn die Ineos-­Captains erst einmal loslegten. Will die Rundfahrt international einen Schritt machen, müssten solche Besuche die Regel werden – und mittelfristig auch weitere grosse Namen anziehen.

Thomas gab nach einem Sturz auf, aber Bernal hielt, was sein Talent verspricht: Gut möglich, dass die Schweiz in den exklusiven Genuss kam, jenen Fahrer zu bestaunen, der im Juli an der Tour de France die ganze Radwelt in Staunen versetzen wird. Das tat Bernal am Schlusswochenende einmal mehr, als er sich am Samstag von Zeitfahrweltmeister Rohan Dennis, seinem einzig verbliebenen Herausforderer, in dessen Disziplin nur gerade um 19 Sekunden distanzieren liess. Und das tat er am Sonntag, als er sich von seinen Teamkollegen über die ersten beiden Pässe geleiten liess, um dann hinauf zur Furka ganz allein sicherzustellen, dass er als Gesamtsieger unten im Goms ankommen würde.

Bernal ist ein Sieger, der grösser ist als die Tour de Suisse. In den vergangenen Jahren erlebte die Rundfahrt viele Verlegenheitssieger, die zum Rennen passten, das von der Spannung lebte. Gut möglich, dass der Kolumbianer nie mehr in die Schweiz zurückkehrt, seine künftigen Ziele sind grösser, die dreiwöchigen Rennen. Auch wenn er gestern vor den Medien artig repetierte, worauf ihn zuvor Fabian Cancellara bei der Siegerehrung aufmerksam gemacht hatte. «Das ist die viertwichtigste Rundfahrt im Kalender», zitierte Bernal den Sieger von 2009. War es also auch sein wichtigster Sieg? Da wollte er sich nicht festlegen, stellte den Sieg auf eine Stufe mit jenem bei Paris–Nizza, wo er sich im Frühjahr gegen stärkere Konkurrenz durch- gesetzt hatte.

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