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Auf zwei Rädern über die Liegewiese

Am Sonntag wurde erstmals ein Radquerrennen in der Stadt Bern ausgetragen. Mit Jolanda Neff und Lukas Flückiger fanden sich im Starterfeld auch zwei Mountainbikeprofis. Nächstes Jahr wollen die Organisatoren am selben Ort ein Weltcuprennen durchführen.

Knackige Steigung: Der Berner Lukas Flückiger kämpft sich den Hügel hoch, angefeuert vom zahlreich erschienenen ­Publikum. Im Hintergrund das Becken des «Weyerli».
Knackige Steigung: Der Berner Lukas Flückiger kämpft sich den Hügel hoch, angefeuert vom zahlreich erschienenen ­Publikum. Im Hintergrund das Becken des «Weyerli».
Manuel Zingg

Mit über dreissig Kilometer pro Stunde flitzen die Radquerfahrer dem Beckenrand entlang. Dann eine Linkskurve, die Liegewiese hoch, noch eine Kurve, ein Sprung. Für kurze Zeit verliert das Quervelo den Kontakt zum Boden. Am Steilhang vis-à-vis sind derweil Kletterqualitäten gefragt; im Zickzack führt die Strecke rauf und runter, es ist horrend steil. Viele müssen absteigen und das Velo stossen.

Zehn Runden à 2,8 Kilometer fahren die Männer, die Frauen absolvieren deren sieben. Wer sich auf dem Gelände des Freibads Weyermannshaus nahe dem Becken positioniert hat, überblickt rund drei Viertel der Strecke, die nur für die Start- und Zielgerade auf der Stöckackerstrasse das Areal des «Weyerli» verlässt. Weil das Wetter trocken ist, entsteht kein Schlamm, dafür ist der Publikumsaufmarsch grösser. Die Veranstalter schätzen die Zahl auf dreitausend – kein schlechter Wert, fast zeitgleich findet im Wankdorf der Spitzenkampf zwischen YB und St. Gallen statt. «Wichtig ist aber nicht die exakte Zahl, sondern die Stimmung», betont Christian Rocha, der Initiator der Veranstaltung.

Die Ambiance ist entspannt, familiär. Bevor die Reihe an der Elite ist, haben die Kinder ihren Parcours absolviert. Es ist dem Organisationsteam gelungen, Jung und Alt anzulocken. Foodtrucks erfüllen die kulinarischen Wünsche der Zuschauer. Und natürlich ergreifen die Velogeschäfte der Stadt die Gelegenheit, sich zu präsentieren. Als die Elitewettkämpfe in die entscheidende Phase gehen, wollen aber alle beste Sicht haben. Zumal auch prominente Gesichter auf der Strecke unterwegs sind. Jolanda Neff ist das Aushängeschild bei den Frauen.

Die Cross-Country-Weltmeisterin aus der Ostschweiz setzt sich in der Spitzengruppe fest. Neff findet sich auf dem Quervelo bestens zurecht und gewinnt das Rennen. Komplett ausser Atem sagt sie, es sei «megahart» gewesen. Aber sie habe Gefallen gefunden und werde in Zukunft weitere Querrennen bestreiten.

In der Männerkonkurrenz ist ebenfalls ein Mountainbikespezialist anzutreffen: der Berner Lukas Flückiger, WM-Zweiter 2012 im Cross-Country. Er hat sich beim Heimspiel im «Weyerli» ebenfalls Chancen ausgerechnet, kann mit den absoluten Spezialisten aber nicht ganz mithalten und wird Sechster. «Mir fehlte ein Tick Kraft. Und es ist schwierig, das ideale Gefühl für die Kurven zu erlangen», sagt er.

Im Gegensatz zu Neff hat der 33-Jährige aus Ochlenberg bereits einige Erfahrung im Quer. Gemeinsam mit seinem Bruder Mathias organisiert er jährlich das Flückiger-Cross in Madiswil. Flückiger hält fest, er sei im Radquer «verwurzelt», erwäge aber keineswegs einen Wechsel vom Mountainbike aufs Quervelo. Die Zuschauer in Bern dürfen sich dank Marcel Wildhaber trotzdem über einen Schweizer Sieg freuen.

In einem Jahr soll im Weyermannshaus ein Weltcuprennen stattfinden. Der Wettkampf der EKZ-Cross-Tour, der sechsteiligen Rennserie in der Schweiz, diente dafür quasi als Testlauf. Die Bewilligung haben die Organisatoren bereits erhalten, unsicher ist hingegen die Finanzierung. Der Anlass vom Sonntag kommt einer Investition gleich – unter dem Strich wird laut Rocha ein Defizit resultieren. Er will den Sport vorwärtsbringen, nachdem dieser «kritisch betrachtet zwanzig Jahre lang stehen geblieben ist». Nötig seien Standorte, die in der Bevölkerung bekannt sind – wie das «Weyerli».

Lukas Flückiger könnte sich derweil vorstellen, dass ein Radquerrennen in eine Veranstaltung einer anderen Sportart integriert würde. Rocha wird die Kandidatur bald einreichen, von der Kommissärin des Weltradsportverbands hat er ein positives Feedback erhalten. Eines steht für den OK-Präsidenten bereits fest: Falls Bern die Zusage erhält, soll auch dann der Eintritt gratis sein.

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