«Am Ende war es ein Poker»

Marc Hirschi ist im tschechischen Zlin ein Husarenstück geglückt. Der 19-jährige Ittiger holte bei der U-23-EM Gold im Strassenrennen – mit einem Reserverad.

Mit letzter Kraft und fremdem Rad zum Sieg: Der Ittiger Marc Hirschi (links) bezwingt im Sprint seine zwei Mitkonkurrenten und wird U-23-Europameister.

Mit letzter Kraft und fremdem Rad zum Sieg: Der Ittiger Marc Hirschi (links) bezwingt im Sprint seine zwei Mitkonkurrenten und wird U-23-Europameister.

(Bild: osef Vaishar / Cycling.photography / PD)

Adrian Lüpold

Es ist ein Triumph, der beim Ittiger Marc Hirschi noch lange positiv nachhallen dürfte. Beim U-23-Strassenrennen im tschechischen Zlin lief für den 19-Jährigen am letzten Sonntag zunächst alles nach Plan: Drei Runden vor Ende des vierzehn Runden umfassenden, 140 Kilometer langen Parcours riss er aus dem Feld aus, schloss die Lücke zur Spitze, um dann bei der nächsten Klippe, einem Berganstieg, solo davon­zuziehen. Hirschis Taktik passte perfekt, ehe er – zwei Runden vor Rennende – einen Defekt erlitt.

Die Führung war dahin, und zu ­allem Übel musste Hirschi auf ein Rad vom neutralen Materialwagen ausweichen. Doch Hirschi kämpfte weiter. Und wie: Er holte den Franzosen Victor Lafay und den Spanier Fernando Aragon, die ihn überholt hatten, schnell wieder ein und bezwang die Kontrahenten am Ende im Sprint. Es war Hirschis grösster Erfolg, nachdem er im Vorjahr schon EM-Bronze geholt hatte.

Marc Hirschi, konnten Sie Ihren spektakulären Erfolg bei der U-23-EM schon verarbeiten?Marc Hirschi:Ich war wegen des Rennverlaufs selber überrascht, dass es zum Sieg reichte. Es ist ein tolles Gefühl, ich brauchte aber schon etwa zwei Tage, bis ich es so richtig realisieren konnte.

Was ging durch Ihren Kopf, als Sie kurz vor Schluss in Führung liegend einen Defekt erlitten?Wegen einer Bodenwelle spickte die Kette heraus. Ich versuchte sie wieder einzuhängen, doch sie verdrehte sich immer wieder. Mein Teamwagen war zu diesem Zeitpunkt weit hinter dem Feld, und so dachte ich plötzlich, dass nun alles komplett gelaufen sei. Doch dann kam zum Glück der neutrale Materialwagen mit genau einem Rad auf dem Dach, das sogar noch das richtige Klicksystem bei den Pedalen hatte. Und glücklicherweise waren die zwei Ausreisser da auch noch nicht weit weg.

Was liess Sie daran glauben, trotz des fremden Materials doch noch zu reüssieren?Ich wusste: Wenn ich gewinnen will, bestehen im Sprint die besten Chancen, weil die Sattelhöhe keine so grosse Rolle spielt. Am Ende war es ein Poker, wir wurden fast noch vom Feld eingeholt.

Wie lief es im Sprint?Der Spanier wurde nervös, zog etwas zu früh an. Ich erwischte den richtigen Moment, schaffte es so, aus dem Windschatten heraus auch den auf dem Papier stärkeren Franzosen zu bezwingen.

Ein Saisonziel ist erreicht. Wie geht es weiter in diesem Jahr?Derzeit befinde ich mich in Köln in einem Trainingslager. Weitere Saisonhöhepunkte sind die Tour de l’Avenir im August sowie die ­U-23-WM in Innsbruck Ende September. Zudem möchte ich innerhalb der nächsten zwei Jahre den Sprung zum Profi schaffen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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