Zum Hauptinhalt springen

Als die Fahrer mit dem Revolver unterwegs waren

Die Tour de France hat viele Geschichten geschrieben. Redaktion Tamedia blickt vor jeder Etappe der 100. Austragung zurück. Heute: Die ersten Jahre.

Der Start zur ersten Tour de France im Jahr 1903.
Der Start zur ersten Tour de France im Jahr 1903.
www.letour.fr
Schlussspurt: Maurice Garin (l.) siegt im Schlussspurt – mit Hut und Jackett. Später gewinnt er die erste Tour und kassiert als Belohnung 6075 Francs, eine hübsche Summe zur damaligen Zeit.
Schlussspurt: Maurice Garin (l.) siegt im Schlussspurt – mit Hut und Jackett. Später gewinnt er die erste Tour und kassiert als Belohnung 6075 Francs, eine hübsche Summe zur damaligen Zeit.
www.letour.fr
Der Stein des Anstosses: Um seine Zeitschrift «L'Auto» bekannter zu machen, rief Chefredaktor Henri Desgrang die Rundfahrt ins Leben. Die Idee hatte Erfolg: Während der Tour stieg die Auflage von 30'000 auf 100'000 Exemplare.
Der Stein des Anstosses: Um seine Zeitschrift «L'Auto» bekannter zu machen, rief Chefredaktor Henri Desgrang die Rundfahrt ins Leben. Die Idee hatte Erfolg: Während der Tour stieg die Auflage von 30'000 auf 100'000 Exemplare.
www.letour.fr
1 / 4

Am 1. Juli 1903 wird beim Café «Le Réveil-matin» in Montgeron bei Paris zur ersten Tour de France gestartet. Sie führt in sechs Etappen über 2428 Kilometer. Zum Vergleich: Die 100. Austragung weist 21 Etappen und eine Gesamtlänge von 3404 Kilometer auf. Der erste Sieger dieser Tortur auf zwei Rädern hiess Maurice Garin und erreichte einen Schnitt von 25,678 km/h. Noch ein Vergleich: 100 Jahre später, im Jahr 2003, wird die Rundfahrt mit einem Schnitt von fast 41 km/h zur schnellsten. Es ist die Hochblüte von Epo und Blutaustausch.

Schon in ihren Anfängen hatte die Tour mit vielen Wiederwärtigkeiten zu kämpfen. Am 30. November 1904 disqualifizierte die Union Vélocipédique de France 12 der 27 Helden der zweiten Austragung, darunter die ersten vier Fahrer und alle Etappensieger. Eine Untersuchung hatte aufgedeckt, dass sie fremde Hilfe in Anspruch genommen hatten, sich von Freunden und Bekannten ziehen lassen oder gar den Zug bestiegen hatten. Was für eine Schummelei. Ausserdem beklagte Henri Desgrange, der Erfinder der Tour de France, die «blinden Emotionen» der Zuschauer. Sie kannten keine Grenzen, wenn es darum ging, entweder ihre Lieblinge zu unterstützen oder die Gegner zu bremsen.

Als Fünfter nachträglicher Toursieger

Desgrange, der Chefredaktor der Zeitung «L'Auto», hatte keine Lust mehr, die Tour fortzuführen. Fahrer wurden von maskierten Männern überfallen oder von Fans mit Steinen beworfen. Kein Wunder gab es Teilnehmer, die sogar eine Waffe bei sich trugen. Der 19-jährige Henri Cornet fuhr auf den letzten 40 Kilometern der 5. Etappe auf platten Reifen ins Ziel, weil zuvor Nägel auf die Strasse gestreut worden waren. Fremde Hilfe war ja verboten, Cornet hielt sich an die Regeln. Es lohnte sich für den jungen Mann: Er war als Fünfter der Beste unter den 15, die nicht disqualifiziert wurden. Sein Name taucht heute noch in der Siegerliste auf.

Desgrange, der die Tour de France ins Leben gerufen hatte, um seine Zeitung zu fördern, kam auf seinen Entscheid zurück. Bei der dritten Austragung verkürzte er die Etappen und erhöhte deren Zahl von sechs auf elf. Damit musste nicht mehr nachts gefahren werden.

Und sie lebt noch

Nicht nur die Anfänge waren schwierig für die Tour. Später kamen zwei Weltkriege dazu, in welchen die Menschen anderes zu tun hatten, als im Sattel zu sitzen oder den Helden der Strasse zuzujubeln. Wiederum Jahre später erschütterten Doping-Skandale die Rundfahrt, die sich nach Olympia und Fussball-WM zum drittgrössten Sportevent gewandelt hat. Und vergessen seien auch nicht die Toten, die nach Unfällen ihr Leben lassen mussten. Radprofi Tom Simpson starb 1967 am berüchtigten Mont Ventoux, nach einer teuflischen Cocktail-Mischung.

Doch die «grosse Schleife» hat alle Krisen überstanden: den Krieg, die Dopingskandale, die Unfälle und Stürze, die harrschen Kritiken. Und sie ist populärer denn je, zumindest in Frankreich. Von heute bis zum 21. Juli rollt sie zum 100. Mal, mit rund 12 Millionen Menschen, die Spalier stehen. Die Tour der France lebt. «Incroyable mais vrai» – unglaublich, aber wahr.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch