Julien Absalons Machtdemonstration auf dem Gurten

Der Franzose Julien Absalon gewinnt in überzeugender Art und Weise vor Mitfavorit Nino Schurter EM-Gold. Die zwei Flückigers dagegen hatten auf dem Gurten viel Pech.

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Der Gurten bleibt der Berg des Julien Absalon. Nach vier Erfolgen im Rahmen der Swiss Bike Trophy setzte sich der 32-Jährige nun auch im EM-Rennen durch. Und wie. Selbst Weltmeister Nino Schurter, der Absalon in den bisherigen Duellen der Saison jeweils im Endspurt hatte bezwingen können, war gestern ohne Chance gegen den überragend fahrenden Franzosen. Absalon liess Schurters leise Hoffnung auf eine nächste Spurtentscheidung nach gut einer Rennstunde platzen. Bis zu diesem Moment hatte das Duell der beiden Goldfavoriten das Rennen geprägt.

Mit dem dritten trockenen Antritt – die ersten beiden hatte Schurter noch kontern können – schüttelte der Olympiasieger der Jahre 2004 und 2008 mit dem Bündner den letzten Begleiter ab und war von da an nicht mehr zu bremsen. «Absalon ist heute in einer anderen Liga gefahren. Ich habe zwar gewusst, dass er gut drauf ist; dass er aber so auftrumpfen kann, hätte ich wirklich nicht gedacht», sagte Schurter später den Journalisten. Er habe selbst, jedoch erfolglos, mit dem einen oder andern Angriff versucht, Absalon zu distanzieren. «Als er dann angriff, ist er richtig davongeflogen. Ich hatte keine Chance, ihm zu folgen.»

Als Schurter explodierte

Die entscheidende Szene entsprach ganz Absalons Rennplan. Als nur noch er und Schurter für den Sieg in Frage gekommen seien, sei ihm klar gewesen, dass es eine Frage der Zeit sei, bis ein Angriff Erfolg haben werde. «Nino hat angegriffen, dann habe ich angegriffen – und Nino ist explodiert», sagte Absalon. Die vom Franzosen gewählte Formulierung mutet eigenartig an, fand beim Churer doch eher eine Art Implosion denn eine Explosion statt. Denn als einige Meter zwischen den Konkurrenten lagen, war das Rennen in den Köpfen entschieden. Schurter war klar, dass nur ein Sturz oder Defekt Absalon noch am Gewinn der Goldmedaille würde hindern können. Im Rücken von Schurter kam der Italiener Aurelio Fontana auch nicht näher, sodass sich der Schweizer während der letzten dreissig Rennminuten an den Gedanken gewöhnen konnte, nach Olympia 2012 und der Weltmeisterschaft 2011 wieder «nur» Silber zu gewinnen.

Kein Tag für die Flückigers

Unbelohnt blieb die Parforceleistung von Lukas Flückiger. Abseits des ganz grossen Publikumsinteresses arbeitete sich der Oberaargauer von Position 35 sukzessive nach vorne, sogar bis in Medaillennähe. «Der unfreiwillige Zwischenstopp in der ersten Runde hat mich Kraft und viele Meter gekostet. Dass mir am Ende nur zwölf Sekunden auf Bronze fehlen würden, hätte ich aber nicht erwartet.» In der dritten Startschlaufe im Startgelände, noch bevor er die erste Runde hatte in Angriff nehmen können, passierte es. «In einer engen Kurve riss mir ein Fahrer mit seinem Vorderrad die Schnalle vom rechten Schuh. Beim Zwischenstopp konnte ich den Schuh mit Isolierband behelfsmässig fixieren.» Bis zur Reparatur konnte Flückiger zwar mit Kraft in die Pedale treten, aber beim Bergauffahren mit dem Fuss das Pedal nicht nach oben ziehen.

Lukas’ jüngerer Bruder Mathias sah das Ziel nicht. Die Erkältung, die der 24-Jährige seit einigen Tagen mitschleppt, blieb Sieger. Grosse Mühe mit der Atmung und ein wenig verheissungsvoller gesundheitlicher Allgemeinzustand zwangen den Ochlenberger bereits in der Anfangsphase des Rennens zur Aufgabe.

Berner Zeitung

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