Der Leader gewinnt die Königsetappe

Geraint Thomas entscheidet die 12. Etappe der Tour de France auf der Alpe d'Huez für sich. Der Brite lässt kurz vor dem Ziel seine Konkurrenten stehen.

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Nachdem zuletzt dreimal in Folge ein Franzose als Erster auf der Alpe d'Huez oben angekommen war, trug sich mit Geraint Thomas erstmals seit der legendäre Anstieg 1952 an der Tour de France befahren wurde ein Brite in die Siegerliste ein. Für Thomas war es der zweite Erfolg bei einer Bergankunft hintereinander, nachdem er am Mittwoch bereits in La Rosière triumphiert hatte. Anders als bei seinem Solosieg tags zuvor, als er seine Gegner mit einem einzigen Angriff distanziert hatte, sah sich der 32-Jährige vom britischen Team Sky am Donnerstag schnell einmal in der Defensive.

Trotz dem hohen Tempodiktat des letzten Sky-Helfers Egan Bernal ging die Konkurrenz bereits früh im 13,8 km langen und durchschnittlich 8,1 Prozent steilen Schlussanstieg in die Offensive. Nairo Quintana, Mikel Landa (beide Movistar), Vincenzo Nibali oder auch Romain Bardet versuchten es, doch einzig Bardet schaffte es sich einen kleinen Vorsprung herauszufahren. Aber auch der Franzose wurde wieder eingeholt.

Nibali muss aufgeben

Als dann vier Kilometer vor dem Ziel Thomas' Teamkollege Chris Froome beschleunigte, lag plötzlich der Italiener Nibali am Boden. Der Gesamtsieger von 2014 fuhr auf ein Polizei-Motorrad auf und stürzte. Doch Nibali biss auf die Zähne und erreichte das Ziel mit lediglich 13 Sekunden Rückstand als Siebenter. Dennoch wird der Italiener vom Team Bahrain-Merida zur 13. Etappe am Freitag nicht starten können. Beim Sturz erlitt er einen Wirbelbruch und musste am späten Donnerstagabend aufgeben, wie das Online-Portal der «Gazzetta dello Sport» mitteilte.

Nach dem Zwischenfall mit Nibali belauerte sich das Quartett um Leader Thomas und Froome und gab den bereits abgehängten Fahrern wie Landa, Primoz Roglic oder Nibali die Chance, wieder aufzurücken. Im Schlusssprint hatte Thomas letztlich die besten Beine. Es war die einzige Attacke des Gesamtleaders an diesem Tag, aber die entscheidende. So fuhr er auf den letzten Metern sogar noch einige Sekunden auf seine Rivalen heraus.

Leader baut Führung aus

In der Gesamtwertung baute Thomas seine Führung auch dank den Bonifikationssekunden leicht aus. Er liegt nun 1:39 Sekunden vor seinem dem vierfachen Tour-Sieger Froome und 1:50 Minuten vor dem Niederländer Dumoulin. Dahinter folgen Nibali (2:37 zurück), Roglic (2:46), Bardet (3:07), Landa (3:13) und Steven Kruijswijk (3:43).

Kruijswijk hatte sich bereits vor den beiden Hors-Catégorie-Anstiegen zum Col de la Madeleine und Col de la Croix de Fer mit einer 30-köpfigen Fluchtgruppe abgesetzt. Als Sechster im Gesamtklassement sah sich der Niederländer zwischenzeitlich sogar als virtueller Leader. Als er die Schlusssteigung nach L'Alpe d'Huez solo in Angriff nahm, wies er noch einen Vorsprung von über vier Minuten auf die Gruppe mit den Favoriten aus. Letztlich wurde er aber 3,5 km vor dem Ziel ein- und überholt. Kruijswijk beendete die Etappe 53 Sekunden hinter Thomas als Zehnter.

Bestätigung in der letzten Woche

Trotz seines scheinbar komfortablen Vorsprungs muss Thomas noch beweisen, dass sein Körper der hohen Belastung auch über drei Wochen standhalten kann. Er geht zwar als klarer Sieger aus den drei Alpen-Etappen heraus, doch im Vergleich zu seiner Konkurrenz hat es Thomas in einer dreiwöchigen Rundfahrt noch nie unter die Top 10 des Schlussklassements geschafft. Während Froome, Dumoulin, Nibali oder Bardet schon mehrfach auf dem Podium standen oder sogar gewinnen konnten (mit Ausnahme von Bardet), kam Thomas bei zwölf Grand-Tours-Starts bisher nicht über zwei 15. Ränge heraus.

Klar hängt dies auch stark mit seiner Rolle als Edelhelfer zusammen. Solange ihn Froome aber nicht entscheidend distanzieren kann, sieht sich Thomas gar nicht erst gezwungen, seinen Teamleader anzugreifen. Thomas jedenfalls bekräftigte auch nach seinem zweiten Etappensieg, dass sich an der Hierarchie im Sky-Team nichts geändert hat. «Ich habe es gestern schon gesagt, Froomey bleibt der Captain», betonte er.

Bis zum Ruhetag am Montag dürfte es für den Träger des Maillot jaune vom Profil her wieder etwas ruhiger werden. Danach aber folgen nochmals drei happige Bergetappen in den Pyrenäen und am vorletzten Tag das Einzelzeitfahren. Übrigens: Seinen ersten von nunmehr drei Etappensiegen an der Tour de France hat Thomas vor einem Jahr in Düsseldorf im Zeitfahren herausgefahren.

105. Tour de France.

12. Etappe, Bourg-Saint-Maurice - L'Alpe d'Huez (175,5 km): 1. Geraint Thomas (GBR) 5:18:37. 2. Tom Dumoulin (NED) 0:02 zurück. 3. Romain Bardet (FRA) 0:03. 4. Chris Froome (GBR) 0:04. 5. Mikel Landa (ESP) 0:07. 6. Primoz Roglic (SLO) 0:13. 7. Vincenzo Nibali (ITA), gleiche Zeit. 8. Jakob Fuglsang (DEN) 0:42. 9. Nairo Quintana (COL) 0:47. 10. Steven Kruijswijk (NED) 0:53. - Ferner: 12. Daniel Martin (IRL) 1:45. 13. Bob Jungels (LUX) 3:09. 14. Alejandro Valverde (ESP) 4:29. 15. Ilnur Sakarin (RUS), gleiche Zeit. 33. Michael Schär (SUI) 22:21. 41. Mathias Frank (SUI), gleiche Zeit. 44. Greg van Avermaet (BEL) 24:25. 52. Stefan Küng (SUI) 26:30. 75. Adam Yates (GBR) 28:54. 86. Silvan Dillier (SUI), gleiche Zeit. 109. Peter Sagan (SVK) 31:29. - 161 Fahrer gestartet, 153 klassiert. - Aufgegeben u.a.: Fernando Gaviria (COL), Dylan Groenewegen (NED) und André Greipel (GER). - Nicht gestartet: Rigoberto Uran (COL). - Aufgabe am Ende der Etappe: Nibali.

Gesamtklassement: 1. Thomas 49:24:43. 2. Froome 1:39. 3. Dumoulin 1:50. 4. Roglic 2:46. 5. Bardet 3:07. 6. Landa 3:13. 7. Kruijswijk 3:43. 8. Quintana 4:13. 9. Martin 5:11. 10. Fuglsang 5:45. 11. Valverde 9:07. 12. Jungels 9:09. 13. Sakarin 9:37. - Ferner: 21. Adam Yates 34:55. 42. Frank 1:07:20. 48. Küng 1:11:57. 96. Dillier 1:41:52. 103. Schär 1:44:54.

(fal/ddu/sda)

Erstellt: 19.07.2018, 15:27 Uhr

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