Bruder-Duell läutet Olympia-Kampf ein

Die Brüder Lukas und Mathias Flückiger starten am Sonntag in die Weltcupsaison. Für die Oberaargauer Cross-Country-Profis heisst es bald: Der Olympia-Countdown läuft.

Gut im Schwung: Lukas Flückiger versucht seinen Bruder Mathias (oben) aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Gut im Schwung: Lukas Flückiger versucht seinen Bruder Mathias (oben) aus dem Gleichgewicht zu bringen.

(Bild: Walter Pfäffli)

Mathias Flückiger pariert den Angriff seines Bruders Lukas abgeklärt wie ein Kranzschwinger. Das Duell in Oberwynigshaus endet ohne Sieger. Beschaulich ist es hier im Oberaargau, über den mächtigen Giebeldächern von Ochlenberg.

Kühe grasen vor dem elterlichen Bauernhof, Schafe weiden friedlich nebeneinander, Labrador Kira und Danik, ein Belgischer Schäferhund, tollen herum, man hört das Surren eines Rasenmäherroboters, der nicht so recht zur idyllischen Lage des Heimetli passen will. Auch ein paar hochmoderne Bikes fallen auf – die Arbeitsgeräte der Mountainbikeprofis.

Erster Sieg im Weltcup fällig

Am Sonntag wird es im Bruderduell zwischen Mathias und Lukas Flückiger sehr wahrscheinlich einen Sieger geben. Beim Weltcupauftakt auf dem Rundkurs in Nove Mesto na Morave (Tsch) nehmen die Oberaargauer ein weiteres Mal Anlauf, endlich den ersten Sieg in einem Cross-Country-Rennen auf höchster Stufe einzufahren. Der 31 Jahre alte Lukas Flückiger ist in dieser olympischen Mountainbikedisziplin bisher 6-mal auf einem Weltcuppodest (2-mal Zweiter, 4-mal Dritter) gestanden, sein fünf Jahre jüngerer Bruder Mathias 2-mal (einmal Zweiter, einmal Dritter).

«Meine Vorbereitung verlief nahezu perfekt. Ich konnte mich in den Wettkämpfen konstant in den vorderen Rängen klassieren», sagt Lukas Flückiger. Der Leimiswiler strebt im ersten von insgesamt sechs Weltcup-Saisonrennen ebenso eine Top-5-Platzierung an wie Ende Saison im Gesamtweltcup. Natürlich reize ihn der erste Sieg im Weltcup, meint der WM-Zweite von Saalfelden 2012. Dafür müsse aber alles zusammenpassen. «Entscheidend sind die Tagesform, das Glück und der Formstand der grossen drei der Szene – Julien Absalon, Nino Schurter und Jaroslav Kulhavy», sagt der Familienvater. Als Saisonhöhepunkt nennt er die WM im September in Andorra.

Lukas Flückiger wird auch an den ersten Europaspielen in Baku teilnehmen. «An diesem Prestigewettkampf habe ich nichts zu verlieren. Gewinne ich eine Medaille, berichten die Medien darüber, läuft es schlecht, interessiert sich fast niemand dafür», sagt der Berner. Der beim amerikanisch-schweizerischen BMC-Team unter Vertrag stehende Profi reist im Juni mit einem Hintergedanken ans Kaspische Meer: «In Baku kann ich gewissermassen Olympialuft schnuppern. Der Anlass ist ähnlich aufgebaut, wie es die Olympischen Spiele sind.» Die Teilnahme in Rio de Janeiro 2016 steht bei Lukas Flückiger zuoberst auf der Prioritätenliste.

Atembeschwerden im Griff

Nicht wunschgemäss verlief die Vorbereitung bei Mathias Flückiger. Der Ochlenberger hatte sich von der Ende Januar eingefangenen Grippe lange Zeit nicht richtig erholt. Er musste immer wieder Rückschläge wegstecken. Seit drei Wochen hat er die Atembeschwerden im Griff. «Ich bin erstaunt, wie schnell meine Form zurückgekommen ist», sagt der U-23-Weltmeister von 2010 und WM-Dritte in Saalfelden.

Die Weltcup-Hauptprobe vor drei Wochen verlief vielversprechend. Beim Bundesliga-Cross-Country-Rennen in Heubach wurde Flückiger hinter Florian Vogel Zweiter – vor den Weltmeistern Absalon und Schurter. «In Tschechien wäre ich mit einer Top-5-Klassierung zufrieden», sagt der Stöckli-Fahrer vor dem Weltcupstart in der Böhmisch-Mährischen Höhe. Auch er fiebert dem WM-Rennen in Andorra entgegen.

«Es wird speziell sein.» Der Start erfolgt auf 1900 Metern über Meer, das Ziel liegt auf 2100 Metern über Meer. «Die Höhenlage und die dünne Luft kommen mir entgegen.» Mathias Flückiger verzichtet auf die Teilnahme an den Europaspielen. «Der Stellenwert ist mir zu gering. In dieser Zeit gehe ich in ein Höhentrainingslager. So kann ich mich optimal auf das Weltcuprennen in Lenzerheide vorbereiten», sagt der gelernte Baumaschinenmechaniker.

Rio im Fokus

Die Flückiger-Brüder stehen vor wegweisenden Monaten. Im August müssen sie in den abschliessenden Weltcuprennen in Windham (USA) und Val di Sole (It) bereit sein, handelt es sich dabei um zwei Olympiaqualifikationsrennen.

Eine zweite Möglichkeit werden die MTB-Cracks von Swiss Cycling in den ersten beiden Weltcuprennen im Frühling in Amerika und Australien erhalten. «Gewöhnlich bin ich am Ende der Saison jeweils besser in Form als im Frühling. Deshalb muss ich mir überlegen, wie ich im kommenden Winter trainieren werde. Ich denke, dass Swiss Olympic die zweite Qualifikationsphase stärker gewichtet als die erste», sagt Lukas Flückiger. Drei Schweizer Cross-Country-Fahrer werden die Reise an den Zuckerhut antreten – mindestens sechs dürften sich um das Ticket nach Brasilien streiten (siehe Grafik).

Gut möglich, dass das olympische Duell der Flückiger-Brüder dereinst mit einem Sieger endet.

Weltcup 2015. 24.Mai: Nove Mesto (Tsch). – 31.Mai: Albstadt (De). – 5.Juli: Lenzerheide (Sz). – 2.August: Mont-Sainte-Anne (Ka). – 9.August: Windham (USA). – 23.August: Val di Sole (It).

Berner Zeitung

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